Brüggemanns prüfender Blick
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Das neue Kulturgesetz - Am Bedarf vorbei oder sinnvoll?

Jeden Freitag um 09:40 Uhr und 16:10 Uhr kommentiert Klassikexperte Axel Brüggemann das Geschehen aus Klassik und Kultur.

Das hat gedauert! Weit über ein Jahr lang. Die Kulturpolitik hat während der Corona-Zeit keine gute Figur gemacht: Kulturstaatssekretärin Monika Grütters war eine „Ankündigungs“-Politikerin. Andauernd redete sie von „wir wollen“, „wir könnten“, „wir planen“ – und die Hilfen, die sie angeleiert hat, funktionierten nicht – besonders für Solo-Selbständige Künstlerinnen und Künstler. Zu realitätsfern. Zu bürokratisch. Vollkommen am Bedarf vorbei.

Das Kulturpaket

Jetzt, da ein Ender der Krise in Sicht ist, kommt es endlich: das große Kultupaket! Das größte der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte, wie Olaf Scholtz jubelt: 2,5 Milliarden für die Kultur. Zu spät? Oder gerade noch rechtzeitig?

Diese Hilfe der Bundesregierung ist eine gute Hilfe.
Axel Brüggemann

Zum ersten Mal hat man das Gefühl, dass die regierenden Politikerinnen und Politiker sich die etwas komplexe Wirtschaft der Kultur angeschaut haben – denn sie funktioniert mit Subventionen und freien Unternehmen, Solo-Selbständigen und großen Kultur-Firmen anders als große Teile der Freien Wirtschaft. 

 

Eckpfeiler des neuen Programmes sind:

Ticketzuschüsse für Veranstalter – 100 Prozent zahlt der Staat zu einem verkauften Ticket dazu. Damit soll die Verkleinerung von Platz-Kontingenten durch Corona-Sicherheit-Konzepte ausgeglichen werden. Und das macht auch Sinn. Gerade für private Veranstalter. Im Konzertbetrieb gilt die Regel: erst mit den letzten 30 Prozent der verkauften Tickets verdient ein Veranstalter – bedeutet: wenn er nur 50 Prozent der Tickets verkaufen kann, zahlt er drauf. Diese Hilfe der Bundesregierung ist also eine gute Hilfe. Denn, sie macht Konzerte möglich und sichert damit auch die Gagen von Künstlerinnen und Künstlern. Ebenso ist das bei der Ausfallversicherung für große Veranstaltungen, die von der Regierung geplant werden: Sie gibt Sicherheit – und macht das Planen endlich wieder möglich. Ebenfalls ein Gewinn für Veranstalter und Künstlerinnen und Künstler.

Eine Frage bleibt

Was ist eigentlich mit dem Geld, das besonders die faulen Orchester und Theater im letzten Jahr mehr eingenommen haben? Die Häuser, die einfach nicht gespielt haben, kassierten Subventionen PLUS Kurzarbeitergeld. UND: sie hatten keine Ausgaben, weil sie nicht produziert haben. Das Absurde ist, dass es diesen Häusern heute besser geht als wenn sie nicht gespielt hätten. Wie gehen wir damit um, Monika Grütters? Bei den Solo-Selbständigen ist von diesem Geld der Institutionen nichts angekommen!

Wie ich immer: das neue Kulturgesetz ist gut – bleibt zu hoffen, dass es auch in der Umsetzung dieses Mal – wie sagt man – benutzerfreundlich ist, unbürokratisch und schnell. Das wäre jetzt dringend nötig! 

(27.05.2021/ A, Brüggemann)

Seinen prüfenden Blick hören Sie im Programm von Klassik Radio immer freitags um 09:40 Uhr und 16:10 Uhr und alle Folgen jederzeit als Podcast.