Martha Cooper wurde durch ihre Fotos von Graffiti zur Legende der Urban-Art-Bewegung
ZDF / © Projector Films
Martha Cooper wurde durch ihre Fotos von Graffiti zur Legende der Urban-Art-Bewegung
Schmidts Streamingtipps KW 17

Königin der Street Art - Martha Cooper Doku

Er weiß immer, wo die besten Filme laufen - Filmexperte Florian Schmidt. Für Ihr Wochenende hat er seine Filmtipps für Sie zusammengefasst.

Kenneth Branagh ist einer der größten Shakespeare-Experten überhaupt – und hat schon in etlichen Shakespeare-Adaptionen mitgespielt bzw. sie sogar selbst inszeniert. Wir denken an „Heinrich V.“, „Viel Lärm um Nichts“, „Hamlet“, „Verlorene Liebesmüh“ oder „Wie es euch gefällt“. Nun können wir sein bisher letztes Shakespeare-Projekt sehen – wieder hat Branagh Regie geführt und die Hauptrolle übernommen.

Branagh als Shakespeare

Sein Film „All Is True“ ist keine Verfilmung eines Shakespeare-Stückes, es geht um den legendären Schreiberling höchstpersönlich und so ist Kenneth Branagh nun also als William Shakespeare zu sehen.

ALL IS TRUE Official Trailer (2019) Kenneth Branagh, Shakespeare Movie HD
ALL IS TRUE Official Trailer (2019) Kenneth Branagh, Shakespeare Movie HD
ALL IS TRUE Official Trailer (2019) Kenneth Branagh, Shakespeare Movie HD

Im Jahr 1613 hat Shakespeare den Federkiel an den Nagel gehängt und will sich eigentlich um seinen kleinen Garten und um seine Familie kümmern. Aber so einfach, wie sich der größte Poet aller Zeiten das mit dem Rentnerdasein vorgestellt hat, ist das natürlich nicht. Denn William ist zu Hause eher Fremder und Gast als Ehemann und Vater… Was Branagh am Drehbuch vor allem gereizt hat, war, den Menschen William und nicht das Genie Shakespeare zu zeigen.

All is True - Kenneth Branagh Q&A
All is True - Kenneth Branagh Q&A
All is True - Kenneth Branagh Q&A

„All Is True“ - übrigens auch der Arbeitstitel von Shakespeares Stück „Heinrich VIII.“ - mit zwei weiteren legendären Shakespeare-Darstellern, nämlich Ian McKellen und Judi Dench. Zu sehen bei Netflix.

Innovativer Thriller aus Dänemark

Wenn Sie nach dem unterhaltsamen Shakespeare-Abend etwas Nervenkitzel brauchen, dann empfehle ich Ihnen den dänischen Thriller „The Guilty“, der 2018 den Publikumspreis beim Sundance Festival gewonnen hat. Diese Auszeichnung verheißt regelmäßig Gutes, in diesem Fall sogar sehr viel Gutes.

Asger Holm arbeitet in der Notrufzentrale, wie man in den ersten Minuten des Films erkennt, eher widerwillig. Bis die zitternde Stimme einer jungen Frau zu hören ist.

THE GUILTY Trailer German Deutsch (2018)
THE GUILTY Trailer German Deutsch (2018)
THE GUILTY Trailer German Deutsch (2018)

Eine unbekannte Stimme, eine bedrohliche Situation: Das ist der klassische Beginn eines Suspense-Thrillers. Doch so konsequent und eindrücklich wie hier wurde das selten gezeigt. Denn fast den gesamten Film hindurch zeigt die Kamera in langen Einstellungen nur Asger in der Notrufzentrale der Polizei. Und obwohl Regisseur Gustav Möller seine Geschichte (in seinem Regiedebüt übrigens!) ausschließlich aus Asgers Perspektive erzählt, entwickelt „The Guilty“ eine enorme Spannung. Denn was sich bei der Verfolgung des Entführers ereignet, vollzieht sich nur auf der Tonspur und damit im Kopf der Zuschauer.

„The Guilty“ ist ein innovativer und unerbittlicher Thriller, der uns immer wieder mit unvorhergesehenen Wendungen überrascht, wie auch der langsamen Enthüllung, wer eigentlich der titelgebende „Schuldige“ ist. Zu sehen ist der Film noch bis zum 4.5. in der ARTE Mediathek.

 

Großartige deutsche Mini-Serie

Wärmstens empfehlen möchte ich Ihnen eine wirklich grandiose deutsche Serie, die sich sehr schnell durchgucken lässt, denn sie besteht nur aus sechs 30-minütigen Folgen. Leider, muss man sagen. Denn „MaPa“ ist wirklich toll: traurig, witzig und großartig gespielt. Was passiert, wenn man von einem Tag auf den anderen alleinerziehender Vater ist? Also plötzlich beides sein muss: Mama und Papa oder kurz: "MaPa".

MAPA - ein Joyn Original
MAPA - ein Joyn Original
MAPA - ein Joyn Original

Der wunderbare Max Mauff, den Sie aus „Sense8“ oder „Die Unsichtbaren“ kennen könnten, kämpft sich als junger Witwer und alleinerziehender Vater durch den Alltag und bekommt es mit anstrengenden Spielplatzmuttis, seiner übergriffigen eigenen Mutter oder empathielosen Kolleginnen zu tun. Das Tolle an der für den Grimme-Preis nominierten Serie ist, dass sie nie auf die Tränendrüse drückt und trotz der traurigen Grundkonstellation nie ihren schrägen Humor und ihren warmherzigen Wehmut verliert. „MaPa“ ist in der ARD Mediathek zu sehen.

 

Belgische Serien lohnen (fast) immer

Ich habe schon einige geniale belgische Serien geschaut - „Undercover“, „24 Hours – Two Sides of Crime“ und „Zimmer 108“ - und auch die Serie „Salamader“ aus dem Jahr 2012 ist durchaus interessant und spannend.

Salamander - Staffel 1 - Trailer [HD] Deutsch / German
Salamander - Staffel 1 - Trailer [HD] Deutsch / German
Salamander - Staffel 1 - Trailer [HD] Deutsch / German

Ein ebenso dreister wie ausgeklügelter Einbruch in ein traditionsreiches Brüsseler Bankhaus soll vertuscht werden, denn die Bankräuber erbeuten den Inhalt von 66 Schließfächern und erpressen anhand der dort aufbewahrten brisanten Dokumente die Elite des Landes. Dann nimmt Inspektor Paul Gerardi die Fährte auf, womit er sich in höchste Gefahr bringt… Salamander“ erzählt von einer politisch-wirtschaftlichen Kaste, die das ganze Land manipuliert und kontrolliert. Das ist spannend inszeniert und überrascht uns Zuschauer immer wieder. Die zwölf Folgen der ersten Staffel sind in der ARTE Mediathek zu sehen.

Doku über die „Königin der Street Art“

Zum Schluss hab ich noch zwei etwas speziellere, aber dafür autobiographisch geprägte Tipps. Als u.a. auch Raphörer interessiere ich mich schon lange auch für Graffiti. Und wem das ähnlich geht, wer sich mit der längst zur Street Art weiterentwickelten Sprühkunst beschäftigt, der dürfte schon mal den Namen Martha Cooper gehört haben.

Eine echte Legende ist sie, denn die Fotojournalistin war eine der Ersten, die Graffiti auf den New Yorker Subway Zügen und auf den Häuserwänden fotografierte und eben auch als Form des künstlerischen Ausdrucks einer sonst ungehörten Generation wertschätzte. In der ARTE Mediathek läuft nun eine Doku über sie.

Martha: A Picture Story (2019) Official Trailer
Martha: A Picture Story (2019) Official Trailer
Martha: A Picture Story (2019) Official Trailer

Eigentlich heißt der Film „Martha: A Picture Story“… leider wurden aus dem 82-minütigen Werk 30 Minuten herausgeschnitten, aber auch die gekürzte Version ist sehr interessant und lohnenswert und findet sich unter dem geänderten Titel „Martha Cooper – Königin der Street Art“ in der ARTE Mediathek oder auch hier:

Martha Cooper - Königin der Street Art | Doku | ARTE
Martha Cooper - Königin der Street Art | Doku | ARTE
Martha Cooper - Königin der Street Art | Doku | ARTE

Ihr Buch „Street Art“ hat Jugendliche auf der ganzen Welt inspiriert und begeistert, teilweise Biographien gelenkt und verändert, wie im Film nachzusehen ist. "Martha Cooper - Königin der Street Art" erzählt von ihrer Faszination fürs Dabeisein, von ihrer Passion, von den Menschen, die sie fotografierte und wie sie unerwartet zum Star wurde, aber auch von den Schwierigkeiten ihrer Anfänge. Damit ist die Doku nicht nur für Hip-Hop-Heads, sondern auch für Fotografie-Fans sehr zu empfehlen.

Vom Plattenregal zu Netflix

Wo ich jetzt schon bei meinen persönlichen Vorlieben bin… ich höre nicht nur gerne sanfte Orchesterscores, wie wir sie hier bei Klassik Radio spielen; ich mag auch sehr gerne die etwas funkigeren Soundtracks der 60er und 70er Jahre, von Quincy Jones und Michel Legrand bis zu Lalo Schifrin und den unzähligen genialen italienischen Komponisten. Und nun bin ich quasi über mein Plattenregal zu Netflix gekommen – und damit zu zwei Filmen, die ich noch nie gesehen habe. Eigentlich hätte ich noch nicht mal damit gerechnet, sie überhaupt sehen zu können.

Aber das ist jetzt dank des Streaming-Giganten möglich. Denn Netflix hat in den letzten Tagen Dutzende italienischer Filme veröffentlicht. Wie im Falle einiger schwedischer Stummfilmklassiker, die Anfang des Jahres auf Netflix eingespeist wurden, bleibt auch bei diesen Filmen unklar, ob es sich um eine aktive Strategie des Unternehmens handelt, das das eigene Programm filmhistorisch aufwerten will, oder ob europäische Filminstitute auf der Suche nach neuen Vertriebswegen für ihre digitalen Restaurationen beim Streaming-Giganten fündig geworden sind. Aber Fakt ist – ich werde mir demnächst den Film zu dieser Musik anschauen.

Gianni Ferrio - Labirinto - 1973
Gianni Ferrio - Labirinto - 1973
Gianni Ferrio - Labirinto - 1973

Funky-jazzige Hammondorgelklänge von Komponist Gianni Ferrio aus dem Film „Tony Arzenta“, der unter dem deutschen Titel „Tödlicher Hass“ bei Netflix im italienischen Original mit deutschen Untertiteln zu sehen ist. Der wunderbare Alain Delon spielt in diesem 1973er Thriller den Killer Tony Arzenta, der eigentlich aus diesem schmutzigen Geschäft aussteigen will. Dann aber werden seine Frau und seine Tochter ermordet und Delon geht auf Rache-Reise, die ihn sowohl nach Hamburg als auch nach Kopenhagen führen wird. Dieser Film soll nach Meinung vieler Kritiker sehr sehenswert sein – lohnt sich also hoffentlich nicht nur wegen der Musik.

Beim zweiten Film dürfte etwas schwieriger werden, die Musik von Stelvio Cipriani gefällt mir auf jeden Fall sehr.

STELVIO CIPRIANI - SPEED MACHINE -FROM FILM POLIZOTTO SPRINT(BETTER SOUND-EXTENDED VERSION)
STELVIO CIPRIANI - SPEED MACHINE -FROM FILM POLIZOTTO SPRINT(BETTER SOUND-EXTENDED VERSION)
STELVIO CIPRIANI - SPEED MACHINE -FROM FILM POLIZOTTO SPRINT(BETTER SOUND-EXTENDED VERSION)

„Poliziotto Sprint“ heißt dieser Actionfilm von 1977, den man unter dem englischen Titel „Highway Racer“ bei Netflix findet und in dem es genau darum geht: um halsbrecherische Verfolgungsjagden. Bei den Dreharbeiten sollen 18 Fahrzeuge zu Schrott gefahren worden sein. Vielleicht ist auch der Film eher Marke Schrott, aber reingucken werde ich auf jeden Fall mal. Ich bin auf jeden Fall positiv überrascht, dass Netflix gerade so viele italienische Filme im Angebot hat.  

(01.05.2021 / F. Schmidt)