Dirigent Ricardo Muti
Silvia Lelli Masotti
Dirigent Ricardo Muti
Stardirigent wird 80 Jahre alt!

Herzlichen Glückwunsch, Riccardo Muti!

Heute vor genau 80 Jahren ist in Neapel Riccardo Muti auf die Welt gekommen. Wo er seine zweite Heimat sieht und wann er absolut keinen Applaus möchte.

Musikalisches Talent in die Wiege gelegt

Anscheinend wurde ihm das musikalische Talent in die Wiege gelegt. Zwar waren seine Eltern keine professionellen Musiker. Doch sein Vater, der Arzt war, hatte eine sehr schöne Tenorstimme und trat in seiner Freizeit ab und an als Sänger auf. Er schickte seinen Sohn schon früh zum Geigen- und Klavierunterricht. So hat er auch zuerst Klavier in Neapel studiert, dort traf er u.a. Nino Rota, mit dem er Freundschaft schloss und dann Komponieren und Dirigieren am Mailänder Verdi-Konservatorium. 

Großer Fan von Verdi & Mozart

Riccardo Muti gilt nicht nur als DER Verdi-Dirigent, er verehrt den Komponisten auch wie kein anderer. So meint er einmal, ihm sei Verdi so nahe, weil dieser, wie kein anderer, Leidenschaften, Trauer und menschliche Schwäche deutlich machen und in Musik legen könne. 2012 schrieb er sogar ein Buch über seinen Favoriten. Daneben schätzt der Dirigent aber auch Mozart sehr. Nicht umsonst ist er den Wiener Philharmonikern besonders verbunden. 

Schubert - Riccardo Muti - Kupelwieser Waltz - Piano
Schubert - Riccardo Muti - Kupelwieser Waltz - Piano
Schubert - Riccardo Muti - Kupelwieser Waltz - Piano

Wien ist seine zweite Heimat

Wien ist für ihn wie eine zweite Heimat. Seit 50 Jahren arbeitet er kontinuierlich mit den Wiener Philharmonikern zusammen und hat bereits sechs Mal das berühmte Neujahrskonzert dirigiert. Das erste Mal leitete er sie übrigens bei den Salzburger Festspielen. Herbert von Karajan hatte ihn dazu höchstpersönlich eingeladen - und fast hätte Riccardo Muti den Anruf nicht entgegengenommen. 

ROMY Übergabe von Neujahrskonzert 2021 (ROMY 2021)
ROMY Übergabe von Neujahrskonzert 2021 (ROMY 2021)
ROMY Übergabe von Neujahrskonzert 2021 (ROMY 2021)

Einladung von Karajan höchstpersönlich

Das Ganze war in den 70er Jahren: Riccardo Muti war gerade in einem Hotel in North Carolina, da klingelte um 7 Uhr morgens plötzlich das Telefon. Es ist Herbert von Karajan. Doch das kann Muti nicht glauben – er sagt zu seiner Frau: „Da behauptet irgendein Idiot, er wäre Karajan“. Da tönt es aus dem Hörer:„sono Karajan" -  also „ich bin Karajan.“ Anscheinend glaubwürdig genug. 

Skandal an der Scala

Seine Impulsivität führt auch manchmal zu Streit: Riccardo Muti war 19 Jahre lang Musikdirektor des Opernhauses, bis sich 2005 die Belegschaft weigerte, mit ihm zusammenzuarbeiten. Es kam zu einer medialen Schlammschlacht und Muti ging im Zorn. Erst am 11. Mai diesen Jahres kehrte er für ein Konzert mit den Wiener Philharmonikern zurück. Fünfhundert Zuschauer kamen, der jetzige Musikdirektor Riccardo Chailly überließ Muti sogar seine Garderobe als Zeichen der Wertschätzung und wollte ihm nach dem Konzert gratulieren…doch der berühmte Gast tat erst so, als würde Chailly nicht erkennen, forderte ihn auf, die Garderobe zu verlassen und beleidigte ihn schließlich noch. 

 

1993 New Year's Day Concert from Vienna, conducted by Riccardo Muti - video
1993 New Year's Day Concert from Vienna, conducted by Riccardo Muti - video
1993 New Year's Day Concert from Vienna, conducted by Riccardo Muti - video

Vielfältige Engagements

Dafür arbeitet Muti nicht nur mit den Wiener Philharmonikern schon lange zusammen, auch das Chicago Symphony steht ihm sehr nahe – das leitet er noch bis 2022. Ein weiterer Ankerpunkt für ihn ist München bzw. das Sinfonieorchester des Bayrischen Rundfunks. Außerdem ist ihm der Nachwuchs wichtig – schon 2004 hat er ein Orchester für junge Studienabsolventen und Berufsanfänger gegründet, um junge Musizierende zu formen und auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten.

Peu à peu möchte sich der Dirigent aber langsam aus dem Opern- und Konzertbetrieb zurückziehen und auf einem Landgut in Apulien entspannen. 

(28.07.21/ K. Jäger)