Sind Sneaker die richtige Wahl zum Klassik-Konzert?
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Sind Sneaker die richtige Wahl zum Klassik-Konzert?
Die Fashionkolumne mit Petra Winter

In Fashion: welche Schuhe zur Open Air Saison

Was tut sich in der Mode-Welt? Petra Winter, Chefredakteurin von Madame & Monsieur, jeden Monat zu aktuellen Trends und Entwicklungen.

"Shoes without getting the Blues …

… erlauben Sie mir dieses kleine Wortspiel, trifft es doch exakt den Nerv, wenn wir über das passende Schuhwerk für sommerliche Open Air-Konzerte nachdenken. Selbstredend, dass High Heels kleine Folterinstrumente werden können, balanciert man sie auf Grasbüscheln und fein gekiesten Anlagen. Auch die Folter, sich hinterher die mit Samt und Seide überzogenen Kostbarkeiten anschauen zu müssen, die nun von feinem Staub und Grasflecken übersät sind, möchte ich Ihnen ersparen. Darum kommen wir gleich zum Wesentlichen, meine Damen – keine Angst, die Herren werden später auch bedacht – nämlich zum exakt richtigen Schuhmaterial für klassische Musikgenüsse unter freiem Himmel."

Von der Peinlichkeit zum Trend

"Nun baue ich mit voller Absicht ein Ritardando ein, indem ich Sie erst einmal über den Ugly Shoe Trend informiere, nur um Ihnen die Scheu zu nehmen: Ugly Shoe, zu deutsch auch „hässliche Schuhe“. Damit waren einst die dem schlanken Fuß nicht sonderlich schmeichelnden Silhouetten einer Gesundheitslatsche gemeint. Die Schuhe also, die Pflegepersonal praktischerweise auf der Krankenstation trägt – oder nicht allzu modebewusste Männer mit Socken und kurzen Hosen an adriatischen Stränden.

Wir haben es Phoebe Philo zu verdanken, damals Modedesignerin der französischen Luxusmarke Celine, dass sie den Gesundheitsschuh vor exakt zehn Jahren aus der Peinlichkeitsecke geholt hat. Sie stattete das orthopädische Schuhbett mit einem extragemütlichen Fell aus. Fertig war der Renner der Saison."

Die aktuelle Fashionkolumne zum Nachhören.

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Alter Schlappen, neues Design

"Die alte Schlappe kann man bis heute noch in Vintage für über 600 Euro ersteigern. Sie wurde aber auch tausendfach in neu kopiert - und in günstig, in mittelteuer und in superteuer. Wer heute noch von diesem Trend profitiert, ist die urdeutsche Marke Birkenstock. Dort kann man für 65 Euro eine Sandale erstehen genauso wie für 600 Euro, möchte man das Modell tragen, dass der Londoner Schuh-Guru Manolo Blahnik verfeinert hat.

Und die Fashion Crowd hyperventiliert gerade angesichts der neunen Kollaboration des Kork-Fußbett-Spezialisten mit dem französischsten aller Modehäuser, Dior. Also, wenn es Ihnen gelingt eine solche Schlappe für die schlappe Summe von …  der Trommelwirbel steigt ..., denn der Preis ist noch gar nicht raus, zu erstehen, dann schätzen Sie sich glücklich und tragen diesen zu dem feinsten Festival-Ornat, das Sie im Schrank finden können. Auch in der mit Blüten bestickten Version ist dieser Schuh – noch mehr Trommelwirbel – übrigens den Männern zugedacht."

Die Alternative: Samt

"Wem das trotz der supersoliden Sohlen zu viel Fashion-Insidertum ist, für den und auch die habe ich eine gute Nachricht: Es gibt auch elegantere und geschmeidigere Fußbekleidung für kapriziöse Bodenbeläge, nämlich den Herren-Hausschuh aus Samt.

Nicht erst seit gestern mausert sich das bequeme Gehwerkzeug zu einem ausgehtauglichem Edelschuh. Man kann ihn vorn und hinten geschlossen oder für die Mutigeren als Schlappe bekommen, sehr schlicht und ebenfalls auch flamboyant bestickt. Ausgerüstet mit Glitzer und Pailetten für die Damen oder auch mit lustigen Tiermotiven und magischen Symbolen wie es gerade Christian Louboutin vorführt. Und wenn sich der feine Kieselstaub auf die teuren Schätze legt, bürstet man diese einfach hinterher wieder ab."

Die Füße sind gerettet

"Sie sehen: Leiden muss wirklich niemand in diesem Open Air-Sommer. Zumindest nicht an den Füßen oder an einem Mangel an Alternativen, sich korrekt und modisch zugleich zu zeigen."

Herzlichst,

Ihre Petra Winter
Chefredakteurin
MADAME & MONSIEUR

(23.06.2022)

Petra Winter, Chefredakteurin MADAME & Monsieur

Petra Winter, Chefredakteurin der Madame
Petra Winter, Chefredakteurin der Madame