Dirigentin Beatrice Venezi beim Bvlgari Haute Joiallerie Event in Mailand
2021 Daniele Venturelli
Dirigentin Beatrice Venezi beim Bvlgari Haute Joiallerie Event in Mailand
Die Klassik Radio Fashionkolumne mit Petra Winter

In Fashion: Mode im Orchester und am Pult

Was ist Trend? Was tut sich in der Mode-Welt? Petra Winter, Chefredakteurin der Madame, jeden Monat zu aktuellen Trends und Entwicklungen.

Natürlich sollte ein Orchester nicht aussehen wie ein bunter Haufen. Schließlich möchte man sich als Zuhörer auf den Klang konzentrieren können und da bildet so ein Schwarz in Schwarz eben einen einheitlichen Optik- und Klangkörper. Auch möchten wir nicht, dass dem Dirigent oder der Dirigentin der Taktstock aus der Hand rutscht, weil die Bratsche ihren pinkfarbenen Tüllrock richtet.

Gut gekleidet und gut frisiert: die Frauen an der Mailänder Scala
Orchestra dell'Accademia Teatro alla Scala - Cavalleria rusticana
Orchestra dell'Accademia Teatro alla Scala - Cavalleria rusticana

Schwarz ist eben nicht gleich Schwarz

Nun wissen wir aber auch, dass Schwarz nicht gleich Schwarz ist und so manche Frau ihr Leben lang damit beschäftigt ist, das perfekte kleine Schwarze zu finden. Orchester-Musikerinnen geht es sicher potenziert so. Ist doch ihre Arbeitskleidung exakt auf diese geheimnisvolle Nicht-Farbe abgestellt.

Außerdem braucht man Bewegungsfreiheit an genau den richtigen Stellen, sollte seriös wirken, ohne langweilig zu sein – jedenfalls nicht, wenn man Spaß an Mode hat. Anders als Männer, die sich stofflich und schnitt-lich (gibt es dieses Wort?) in Nuancen bewegen, haben wir Frauen deutlich mehr Spielräume.

Italienische Stilsicherheit im Orchester

Als ich neulich eines der ersten Konzerte nach den Lockdowns in der Mailänder Scala sehen durfte, fielen mir zwei Dinge auf: Wie perfekt frisiert die italienischen Musikerinnen waren. Und welch guten Geschmack sie in der Wahl ihrer Kleider, Anzüge und Top-Rock-Ensembles bewiesen. Selbst vom 3. Rang aus konnte ich die (Designer-)Qualität der Outfits erkennen, die gutsitzenden Schnitte und hochwertigen Stoffe. Merke: Stilsicherheit drück sich darin aus, dass ein Kleid weder zu eng am ganzen Körper anliegt noch zu flatterig ist, die besten Stellen des Körpers betont und die nicht ganz so guten umschmeichelt. 

Der schmale Grat der modischen Musikerinnen

Ein weiteres Highlight schloss sich am kommenden Tag an. Anlässlich der Präsentation kostbarer Juwelen lud die römische Juwelierschmiede Bulgari in ihr gleichnamiges Hotel zum Lunch. Highlight der mittäglichen Stunde war ein kleines Konzert mit der umwerfenden Dirigentin Beatrice Venezi. In einem floralen, perfekt geschnittenen Kleid sah sie aus wie eine kostbare Ming-Vase und fügte sich damit in die ebenso elegante, weil exzellent gekleidete Gesellschaft aus Zuhörinnen aus der ganzen Welt ein.

Schaut man sich Bilder von ihr im Netz an, fällt auf, dass sie eine große stilistische Bandbreite bedient, aber nie daneben liegt – wie  - ja doch – die Pianistin Yuja Wang, die für meinen Geschmack etwas zu gewollt exzentrisch daherkommt. Während des Klassikkonzertes im Juli auf dem Münchner Odeonsplatz war mir ab und zu bang, weil ich befürchtete, dass das hauchzarte Glitzer- und Tüllkleid ihren Bewegungen nicht standhalten könnte und die unter freiem Himmel Spielende dann ganz im Freien dasäße. Hat zum Glück alles gehalten. 

Zarter Stoff bei viel Bewegung: Yuja Wang
Yuja Wang - Variations on the Turkish March (Odeonsplatz)
Yuja Wang - Variations on the Turkish March (Odeonsplatz)

Tipps für den Konzertbesuch

Zurück zum Publikum: Für Abende in geschlossenen Opern- und Konzerthäusern empfehle ich locker sitzende und bodenlange Garderobe, die verzeiht auch eine etwas lässigere Sitzhaltung und beugt Atemnot in den oft stickigen Sälen vor. Mit Grausen erinnere ich mich an eine Salzburger Premiere im Dirndl, das obenrum so eng geschnürt war, dass ich mich am liebsten neben Anna Netrebko, die in der La Traviata die tuberkulöse Kameliendame spielte, auf die Bühnen-Couch gelegt hätte.

Für Open Airs mag ich statt des Kaschmir-Schals und des immer noch in manchen Kleiderschränken hausenden Boleros lieber einen lässigen Poncho. Damit liegen Sie nämlich auch für den kommenden Herbst/Winter modisch ganz weit vorn.

Herzlichst,

Ihre Petra Winter
Chefredakteurin
MADAME & MONSIEUR

In Fashion. Die Kolumne mit Petra Winter zum Nachhören

Programmkoordinatorin Anna Baumgart im Gespräch mit Petra Winter

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Petra Winter, Chefredakteurin der Madame

Petra Winter, Chefredakteurin der Madame
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