Marianne (Noémie Merlant, li.) und Héloïse (Adèle Haenel, re.) werden im gedämpften Licht des Wohnzimmers von ihren Gefühlen überwältigt.
ARTE F / © Pyramide Films
Marianne (Noémie Merlant, li.) und Héloïse (Adèle Haenel, re.) werden im gedämpften Licht des Wohnzimmers von ihren Gefühlen überwältigt.
Schmidts Streamingtipps KW 35

Meisterwerk! Leidenschaftliche Liebesgeschichte

Zwei sehenswerte Klassik-Dokus, zwei Mal gepflegt-gediegene Kinounterhaltung und ein prämierter Festivalhit.

Bildgewaltiger Palmen-Gewinner

Es gibt Geschichten, die sind einfach zeitlos – auch wenn sie in längst vergangenen Epochen spielen. Der Film „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ gehört definitiv dazu. In kraftvollen, wunderschönen Bildern erzählt er von zwei Frauen im späten 18. Jahrhundert, deren berührende, leidenschaftliche Liebe ihrer Zeit weit voraus war.

 

 

 

 

 

PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN Trailer German Deutsch (2019)
PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN Trailer German Deutsch (2019)
PORTRÄT EINER JUNGEN FRAU IN FLAMMEN Trailer German Deutsch (2019)

„Porträt einer jungen Frau in Flammen“, noch bis zum 14. September in der ARTE Mediathek zu sehen, ist eine zeitlose und in jeder Hinsicht sinnliche Liebesgeschichte – meisterhaft inszeniert. Bei den Filmfestspielen in Cannes gab es die Goldene Palme für das beste Drehbuch und Standing Ovations für die beiden fantastischen Hauptdarstellerinnen.

 

 

Doku über die Entstehungsgeschichte von „Alien“

Bei den gerade laufenden Filmfestspielen von Venedig wird der britische Regisseur Ridley Scott für sein Lebenswerk geehrt. Und damit für unzählige Klassiker wie „Gladiator“, „Blade Runner“ oder „Alien“. Und der steht auch im Mittelpunkt der interessanten Doku „Memory: Über die Entstehung von Alien”, der als Video on Demand zu sehen ist.

MEMORY Trailer German Deutsch (2021)
MEMORY Trailer German Deutsch (2021)
MEMORY Trailer German Deutsch (2021)

Die detailliert recherchierte Dokumentation erzählt die faszinierende Entstehungsgeschichte von Scotts Science-Fiction und Horrorfilm-Klassiker von 1979. Sehr interessant das Ganze und macht große Lust aufs Wiedersehen oder Erstsehen von „Alien“, der aktuell übrigens bei Disney+ gestreamt werden kann.

 

 

 

Klassik-Doku (1): Schwarze Musiker und weiße Musik

Schwarze Dirigenten wie Kevin John Edusei sind die absolute Ausnahme in der Klassikszene. Woran liegt das, wo doch viele andere Musikgenres ohne People of Colour gar nicht denkbar sind? Dieser Frage geht die Doku „Schwarze Musiker, weiße Musik: Wie rassistisch ist die Klassik“ nach. Warum gibt es so wenige schwarze Musiker und Musikerinnen in der Klassikszene? Edusei oder der schwarze Cello-Star Sheku Kanneh-Mason geben Antworten und versuchen Erklärungen dafür zu finden. Zu sehen in der 3sat-Mediathek.

Auch in diesen sechs dreißigminütigen Teilen wird die Liebesgeschichte von Jule und Jan erzählt, die mit einem alten "303"-Wohnmobil von Berlin nach Portugal fahren. Mala Emde und Anton Spieker spielen die Hauptrollen in dieser wunderschönen, nie kitschigen Roadmovie-Romanze. Wer „Before Sunrise“ mochte, wird auch „303“ lieben.

 

Klassik-Doku (2): Leonard Bernstein

Er war extrem vielseitig und extrem beliebt – der Dirigent, Pianist, Lehrer und Komponist: Leonard Bernstein. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, denn die Doku „Leonard Bernstein – Das zerrissene Genie“ – jetzt in der ARTE-Mediathek verfügbar - zeigt den Künstler auch von seiner eher unbekannten Seite: als Zweifler, der glaubt, sich und der Welt etwas schuldig zu sein und der fast daran zerbricht.

Viele Weggefährten Bernsteins kommen in der Doku zu Wort – und auch er selbst ist in bislang unveröffentlichten Aufnahmen zu sehen.

 

 

 

Leonard Bernstein – Das zerrissene Genie
Leonard Bernstein – Das zerrissene Genie
Leonard Bernstein – Das zerrissene Genie

Buck und Kehlmann verfilmen Mann

Die großen Klassiker der deutschen Literatur sind gerade schwer angesagt. Im letzten Jahr gab’s die erfolgreiche Verfilmung von Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“, vor kurzem startete Erich Kästners „Fabian“ und jetzt bekommen wir Thomas Manns „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ zu sehen. Und zwar verfilmt von Detlev Buck, basierend auf einem Drehbuch von Daniel Kehlmann und mit Jannis Niewöhner, David Kross und dem „Babylon Berlin“-Star Liv Lisa Fries.

 

 

BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL Trailer German Deutsch (2021)
BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL Trailer German Deutsch (2021)
BEKENNTNISSE DES HOCHSTAPLERS FELIX KRULL Trailer German Deutsch (2021)

Letztlich geht es in diesem üppig ausgestatten Kostümfilm um Schein und Sein, ums Haben und Nicht-Haben, von Liebe und Geld. Auch wenn Bucks „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ nicht in der „Fabian“- und „Berlin Alexanderplatz“-Liga mitspielen kann, so wird man doch gediegen und gepflegt unterhalten.

 

Die hohe Kunst der Michelle Pfeiffer

Ähnliches lässt sich auch über den Film „French Exit“ sagen, in dem Michelle Pfeiffer in der Hauptrolle zu sehen ist - und sie allein lohnt denn auch den Kinobesuch. Der Film ist eher mittelmäßig interessant, aber Pfeiffer spielt so herrlich prätentiös, zu wunderbar affektiert und arrogant, zynisch und unterschwellig gemein, dass es eine große Freude ist, ihr zuzugucken.

FRENCH EXIT Trailer German Deutsch (2021)
FRENCH EXIT Trailer German Deutsch (2021)
FRENCH EXIT Trailer German Deutsch (2021)

Pfeiffer spielt eine Dame der feinen New Yorker Gesellschaft, die ihr letztes Geld in Paris durchbringen will. Viel von Paris sieht man leider nicht, da die Handlung größtenteils drinnen angesiedelt ist. „French Exit“ – eine absurde Tragikomödie mit einer wunderbaren Michelle Pfeiffer