Trommeln
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Trommeln
Neue Studie über Musikalität

Unser Taktgefühl ist von Genen vorbestimmt

Musikalisches Talent ist in der Menschheit ungerecht verteilt. Eine neue Studie zeigt, dass Gene für unser Taktgefühl verantwortlich sind.

Nicht jeder wird als musikalisches Wunderkind geboren

Im richtigen Takt klatschen und Töne erkennen ist für den einen eine Selbstverständlichkeit und für den anderen eine echte Herausforderung. Doch woran liegt das? Die Ergebnisse einer Studie unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) zeigen, dass das Rhythmusgefühl des Menschen genetisch veranlagt ist. Dadurch lässt sich erklären, warum manche nach wenigen Jahren Musikunterricht bereits nahezu perfekt spielen können und andere nach vielen Jahren noch Schwierigkeiten mit den einfachsten Stücken haben.

Eine Untersuchung mit mehr als 5500 Probanden

Die Untersuchung war mit einer Teilnehmerzahl von 5648 Probanden und Probandinnen groß besetzt. Dabei handelte es sich um schwedische Zwillingspaare. Besonders interessant war daran, dass eineiige Zwillinge nahezu identische Gene haben und zusätzlich unter denselben Bedingungen aufgewachsen sind. Zunächst wurden mit einem Fragebogen musikalische Themen abgefragt und anschließend musikbezogene Aufgaben gelöst. Dabei maßen die Forscher und Forscherinnen, wie gut die jeweilige Versuchsperson Rhythmen, Melodien und Tonhöhen unterscheiden kann. Die Ergebnisse dessen wurden dann mit den genetischen Daten der Teilnehmenden verglichen. Dabei kam heraus, dass tausende von Genen alle einen winzig kleinen Effekt auf die musikalische Veranlagung ausüben. Die Forschenden sprechen daher von einem polygenen Score, dem sogenannten PGSrhythm. Doch nicht nur das Rhythmusgefühl allein konnte mit dem Indikator vorhergesagt werden. Auch über andere Aspekte von Musikalität, wie beispielsweise die Zeit, die Menschen mit dem Hören von Musik im Allgemeinen verbringen, aber auch die tänzerischen Fähigkeiten, kann Aufschluss gegeben werden.

Jeder kann seinen Platz in der Musik finden!

Obwohl etwa 50 Prozent der musikalischen Leistung durch die Genetik erklärt werden können, lässt sich durch die neuen Studienergebnisse dennoch nicht vorhersagen, ob ein Mensch später einmal musikalisch wird. Musikalisches Talent gibt noch keinen Aufschluss darüber, ob diesem auch nachgegangen wird. Damit zusammen hängen mehrere Faktoren, wie zum Beispiel die elterliche Erziehung. Eltern, die diese genetische Veranlagung ebenfalls besitzen und sie an ihre Kinder weitervererben, schaffen oft ein entsprechendes musikalische Umfeld für ihre Kinder. Dadurch sind dort die Voraussetzungen für musikalisches Interesse womöglich eher gegeben als in anderen Familien. Dennoch gilt: Jeder kann seinen Platz in der Musik finden, selbst wenn man keine Gene großer Musikerfamilien in sich trägt. Ganz egal, welche genetische Veranlagung ein Kind hat, sollte es musikalische Förderung und Unterricht in Anspruch nehmen können. Denn: Musik macht glücklich!

 

(01.12.2022 / L. Weißenberger)