Impressionen Tanzgala '21, Szenefoto aus dem Programmbeitrag "Solo mit Sofa"
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Deutscher Tanzpreis 2022

Am 15. Oktober findet die Preisverleihung des Deutschen Tanzpreises 2022 im Aalto-Theater Essen statt. Mit einem vielfältigen Programm und in­ter­na­tio­nalen Gästen.

Jury vergibt in diesem Jahr zwei Hauptpreise

Marco Goecke und Christoph Winkler erhalten jeweils den Deutschen Tanzpreis 2022. Geehrt werden außerdem Reinhild Hoffmann und der Verein Aktion Tanz.

Nach einer spannenden Sichtung der eingereichten Vorschläge und der damit verbunden Diskussion innerhalb der Jury zu aktuellen Entwicklungen im Tanz, wurden in der digitalen Pressekonferenz am 4. Mai die Preisträger*innen im Rahmen des Deutschen Tanzpreis 2022 bekanntgegeben.

Erstmals seit der Gründung 1983 wird der Hauptpreis an zwei herausragende Tanzkünstler verliehen: die Jury unter dem Vorsitz von Dr. Patricia Stöckemann hat entschieden, Marco Goecke und Christoph Winkler jeweils mit dem Deutschen Tanzpreis 2022 mit einer Dotierung von 10.000 Euro zu auszuzeichnen. Außerdem hat sich die Jury dazu entschieden Reinhild Hoffmann mit einem Ehrenpreis für ihr Lebenswerk zu ehren, der ebenfalls mit 10.000 Euro dotiert ist. Der Verein Aktion Tanz wird für herausragende Entwicklungen im Tanz mit 5.000 Euro geehrt.

Die Jury begründet diese ungewöhnliche Entscheidung mit dem Wunsch, die enorme Vielfalt des Tanzes, die sowohl innerhalb der festen Ensembles an Theaterhäusern als auch in der freien Szene entstehen, besser abzubilden und der Leistung der Künstler*innen gerecht zu werden. Die künstlerische und choreografische Wirkung und Bedeutung der ausgezeichneten Künstler*innen für die deutsche und internationale Tanzszene seien herausragend.

Die Preisverleihung mit Tanz-Gala findet am 15. Oktober 2022 im Aalto-Theater in Essen statt. 

Marco Goecke - (c) Regina Brocke
Marco Goecke - (c) Regina Brocke

Deutscher Tanzpreis 2022 für Marco Goecke

Fieberhaft,   vibrierend,   energiegeladen,   originell,   voller   kraftvoller   Ideen.   Dies   sind einige   der   Beschreibungen,   mit   denen   das   einzigartige   Tanzvokabular   des Choreografen Marco Goecke gewürdigt wird. Sein außergewöhnliches Werk durchquert das gesamte Spektrum des Tanzes, vom Ballett bis zum zeitgenössischen Tanz, und bringt eine unverwechselbare Handschrift hervor, die ihm ganz eigen ist. Mit einer sich ständig weiterentwickelnden Sprache, die immer neue Ideen und Strukturen offenbart, überzeugt er nicht nur sein Publikum auf der ganzen Welt –  auch die Jury würdigt seine Arbeit mit dem Deutschen Tanzpreis 2022.

Unbeirrt   von   der   anfänglichen   negativen   Resonanz   auf   seine   ungewöhnliche choreografische   Handschrift   entwickelte   Goecke   weitere   Werke,   die   ihn   zu   einem herausragenden Choreografen der Gegenwart machen. Er war über ein Jahrzehnt nicht nur  Hauschoreograf   des   Stuttgarter   Balletts,   sondern   ist   seit   vielen   Jahren   auch Associate   Choreographer   beim   Nederlands   Dans   Theater   (NDT).   Ab   der   Spielzeit​ 2019/2020   übernahm   Marco   Goecke   zudem   die   Ballettdirektion   des   Staatsballetts Hannover. Seine Werke finden sich im Repertoire zahlreicher Kompanien, u.a. dem des Ballet de l’Opéra de Paris, des National Ballet of Canada, des Staatsballetts Berlin, derm Ballets de Monte Carlo. Darüber hinaus erhielt er mehrfache Auszeichnungen, zuletzt den Jiří-Kylián-Ring.

Was an Goeckes Arbeit hervorsticht, ist sein Beitrag zur Entwicklung des modernen Tanzes. Zum einen durch die Originalität und Unverwechselbarkeit des Tanzvokabulars, für das er bekannt ist und das sich immer wieder darin zeigt, wie er die menschliche Bewegung erforscht und interpretiert und dabei ein Werk hervorbringt, das auch tief kontemplativ und emotional ist. Jede einzelne Geste, fiebrig und kraftvoll fließend zugleich,   ist   jedes   Mal   ein   überzeugend   ungewöhnliches   Bild.   Das   Andere,   und besonders erwähnenswert, ist die Art und Weise, wie er mit seinen Tänzer*innen arbeitet. Er hebt ihre ureigene Persönlichkeit und Ausdruckskraft hervor, wenn er sie an und über ihre Grenzen, über die bloße Vielseitigkeit hinausführt.

Die Jury freut sich daher, diesen außergewöhnlichen deutschen Choreografen mit dem diesjährigen Deutschen Tanzpreis auszuzeichnen.

Christoph Winkler (c) Cayo Vieira
Christoph Winkler (c) Cayo Vieira

Deutscher Tanzpreis 2022 für Christoph Winkler

Die künstlerischen Arbeiten von Christoph Winkler umfassen ein weites Spektrum unterschiedlichster Formate und Ansätze – kompromiss- und bedingungslos. Sie reichen von politischen Themensetzungen im Spannungsfeld von Faschismus und Kapitalismuskritik bis zur Altersarmut, hin zu sehr persönlichen Fragestellungen, eine Art von choreografisch, tänzerischer Hausbesetzung. Winkler scheut sich nicht, sich auch mit sperrigen und gesellschaftlich schwierigen Themen auseinanderzusetzen, den Blickwinkel oft über ein eurozentrisches Weltbild hinaus gerichtet, den aktuellen gesellschaftlichen Diskurs anders, neu und frisch denkend und choreografisch reflektierend. Er sucht sich bewusst choreografisch-intellektuelle Reibeflächen im gesellschaftlichen Kontext. Christoph Winkler gehört zu den vielseitigsten, erfolgreichsten Choreografen der freien Tanzszene in Deutschland und darüber hinaus. Genauso vielfältig wie seine Arbeit, sind seine Lebensstationen, ein Schaubild der Extreme. Geboren in der ehemaligen DDR, war er Spartakiade-Sieger im Gewichtheben, geht seinen Weg als Kampfsportler und Breakdancer hin zum Streetdancer und kommt schließlich zur Staatlichen Ballettschule Berlin und schließt sein Choreographiestudium an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch ab. Seit 1998 kreiert er als freischaffender Künstler mit einer faszinierenden Neugierde auf den Menschen Tanzproduktionen in immer wieder neuen künstlerischen Konstellationen. Er entdeckt und fördert Tänzer*innen und Performer*innen. Sein Arbeitsstil ist von großem Respekt für seine Mitstreiter*innen geprägt, quer durch alle Tanz- und Theatertraditionen, durch alle Kulturen. Und er stellt sich immer wieder neu die Frage, wie man heute tanzen kann, unter dem Begriff der Zeitgenossenschaft, unter Betrachtung der stattgefundenen Tanzgeschichte. Ihn interessiert die choreografische Forschung nach neuen Formen, im Spannungsfeld zwischen Tanz und Konzept, immer auf der Suche nach Bewegung und Geschichte, mit einer großen Liebe zu unbeschönigtem Klang und unverblümter Musik, handfest und heftig.    

Für seine herausragende künstlerische Arbeit erhält Christoph Winkler den Deutschen Tanzpreis 2022.

Reinhild Hoffmann - (c) Bettina Stöß
Reinhild Hoffmann - (c) Bettina Stöß

Deutscher Tanzpreis 2022 für Reinhild Hoffmann

Reinhild Hoffmann gehört zur Pioniergeneration des deutschen Tanztheaters. Für den Tanz in Deutschland war ihr künstlerisches Schaffen von überragender Bedeutung. Sie trug dazu bei, den Tanz als Gattung zu emanzipieren und in Kunst und Gesellschaft zu verankern. Als Tänzerin, Chore-ographin und Regisseurin entwickelte sie ab den 1970er Jahren mit großer Erfindungskraft eine eigene choreografische Sprache von unverwechselbarer Bildfantasie.
 
In ihren präzise erzählten (Körper-)Geschichten rückte Reinhild Hoffmann die politische Dimension des Körpers in den Fokus. Mit ihrem fundamentalen Interesse an der Bildenden Kunst und einer hohen Musikalität stand sie in ihren Gruppen- und Solowerken für aktuelle gesellschaftliche The-men ein.

Ihre Ausbildung erhielt Reinhild Hoffmann bei Kurt Jooss an der Folkwang Hochschule in Essen. Dort brachte sie ihre ersten choreographischen Gruppenarbeiten als Leiterin des Folkwang Tanz-studios (neben Susanne Linke) heraus. Zudem entstanden Solostücke, die sich durch bewegungs-sprachliche Strenge und Reduktion auszeichneten und das Ausloten von (körperlicher) Freiheit durch Begrenzung zum Thema machten.

Nach verschiedenen Stipendien, u.a. in New York, gründete Reinhild Hoffmann 1978 am Bremer Theater ein eigenes Tanztheaterensemble (anfangs zusammen mit Gerhard Bohner).  
Die Stücke, die sie zunächst am Bremer Theater (1978-1986) und dann am Schauspielhaus Bochum (1986-1995) erarbeitete, wurden auf vielen internationalen Gastspielen gezeigt und erhielten zahl-reiche Auszeichnungen. Mehrere wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

Seit 1995 arbeitet Reinhild Hoffmann freischaffend als Choreographin und Regisseurin.
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit hat sich auf Regie im Musiktheater verlagert. Sie arbeitet häufig mit zeitgenössischen Kompositionen und geht auch hier wie in ihrem gesamten Lebenswerk innovative Wege, um unsere gesellschaftliche Gegenwart kritisch zu befragen.    

Die Jury des Deutschen Tanzpreises 2022 würdigt ihr Lebenswerk in diesem Jahr mit einem Ehrenpreis.

Das Programm und Tickets finden Sie hier