Allein mit dem Ozean und 60 Filmen!

Gewagtes Experiment des Göteborg Film Festival

allein-im-ozean-mit-60-filmen © Göteborg Film Festival
Eine Woche allein auf einer einsamen Leuchtturm-Insel, mitten in der Nordsee: das Isolated Cinema verspricht Filmgenuss ohne Ablenkung!

Mehr als 12.000 Bewerber für das Isolated Cinema

Zuerst hatten Jonas Holmberg und sein Team Sorge, niemand könne sich auf den Aufruf bewerben. Doch die Resonanz war so überraschend wie überragend: Mehr als 12.000 Menschen meldeten sich auf den Aufruf hin, um an dem Experiment teilzunehmen. "Es haben sich auch weltberühmte Filmregisseure, Leader von internationalen Filmgesellschaften, aber eben auch Filmstudenten und ganz "normale" Leute, die Kino lieben, gemeldet", berichtet Jonas Holmberg, der künstlerische Leiter des Götborg Film Festivals. Da fiel die Auswahl natürlich schwer, doch schließlich hat man sich entschieden. Wer die Person ist, wird jedoch erst am Samstag, mit Beginn des Experiments, bekannt gegeben, vorher ist der Name Top Secret. Allerdings ist das Gerücht groß, dass es sich dabei um eine Frau handelt.

Resilienz für Isolated Cinema nötig 

Auf die Frage, ob er nicht befürchte, die Testperson würde alleine auf der Insel wahnsinnig werden, muss Jonas Holmberg erstmal herzhaft lachen: "Das Projekt ist psychologisch betreut und die Person hat vorher Tests durchlaufen....aber, ja, stimmt, man weiß nie. Doch ich mache mir nicht allzu große Sorgen. Es wird für die Person ein schönes Abenteuer sein, mit tollen Filmen, leckerem Essen...natürlich ist es auch eine psychische Herausforderung, so lange ganz alleine auf einer Insel zu sein und auch, so viele Filme zu sehen, die manchmal emotional sehr packend sind."

Video-Tagebuch mit Impressionen

Ganz allein auf der Insel ist die Testperson dann zum Glück doch nicht - aus Sicherheitsgründen wird dort eine weitere Person sein. Die sieht man allerdings nur kurz - einmal am Tag, um zu besprechen, ob alles in Ordnung ist. Zudem führt die Person ein Video-Tagebuch, so dass man den Aufenthalt mitverfolgen kann. Neben einem Schlafzimmer, einem Bad und einem Raum mit Meerblick um Filme anzusehen, kann man auch auf den Leuchtturm der Insel gehen und sich inspirieren lassen. Kochen muss man selbst, doch die Zutaten werden natürlich nach Absprache geliefert. Kosten entstehen dabei keine.

Horror auf der einsamen Insel?

Auch Jonas Holmberg selbst fände es reizvoll, dieses Experiment zu machen, obwohl es auch nicht ganz einfach für ihn wäre: "Es wäre schwierig für mich, eine Woche ohne Freunde und Familie zu verbringen, weil ich eine sehr soziale Person bin", gibt er zu. Trotzdem wüsste er schon, welche Filme er am Liebsten auf der Insel sehen würde: entweder den Horrorfilm „Der Leuchtturm“, einfach weil es von der Location her passt oder aber „The Knocking“, ein schwedischer Film über eine Frau, die allein in einem kleinen Appartement lebt und auf einmal Klopfen in der Wand hört. Ganz schön wagemutig. Also nichts für Menschen, die sich nach einem Thriller nicht mehr in den heimischen Keller trauen.

Durch das Experiment möchte Jonas Holmberg herausfinden, ob die Person anders auf die Festival Filme reagiert, als das übrigen Publikum. Ob die Reaktionen anders oder stärker sein werden und natürlich, wie es für die Person sein wird, eine Woche lang alleine auf der Insel zu leben und nur Filme zu schauen.

Filmerleben durch Pandemie beeinflusst

Auf die Idee zu dem Experiment kam er, als er mit Freunden und Kollegen darüber diskutiert hat, inwieweit Einfluss und auch die Reaktionen auf Filme durch die Pandemie beeinflusst worden sind. Zum einen spielten Filme eine größere Rolle im Leben, da durch sie gerade Gesellschaft und Inspirationen kompensiert werden, die man ansonsten draußen mit Freunden und bei Veranstaltungen findet. Zudem geben sie Zuflucht. Doch auch die Art, wie wir Filme sehen, habe sich verändert. So würden wir vor allem Szenen in Filmen, bei denen sich fremde Menschen umarmen, küssen oder eine Party miteinander feiern anders aufnehmen, jetzt, wo so etwas in der Realität nicht möglich ist und wir oft isoliert sind.

Allein in der Arena

Neben der "Film-Insel" gibt es noch weitere einsame Kinoerlebnisse, z.B. im Draken Cinema in Göteburg. Dort finden normalerweise Filmgalas mit zahlreichen Menschen statt. In diesem Jahr wird pro Vorstellung nur eine Person im riesigen Kinosaal sitzen. Auch im Skandinavium, einem Stadion in Göteburg ist so etwas möglich. Normalerweise finden hier Eishockeyspiele und Rockkonzerte statt. Nun ist hier ein einzelner Sessel vor einer Leinwand aufgebaut. Wo sonst Jubel, Applaus und Party stattfinden, herrscht nun Stille und Einsamkeit. Eine beeindruckende Diskrepanz, die sich sicher auf das Filmerlebnis auswirkt. Auch hier war die Resonanz auf die Tickets so zahlreich, dass verlost werden musste.

So spielt in diesem Jahr beim Göteborg Film Festival nicht der Film die Hauptrolle, sondern die Location.

(K.Jäger)


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