"Beethoven bewegt" - eine besondere Ausstellung in Wien

Kopfüber hängender Flügel & große Kontraste

beethoven-bewegt © KHM-Museumsverband
Fliegende Klaviertasten, ein verstecktes Hörrohr und vieles mehr: "Beethoven bewegt" im kunsthistorischen Museum Wien hält einige Überraschungen parat.

Beethovens vs Moderne

Denn es handelt sich dabei nicht um eine klassische Ausstellung - Kupferschnitte und Gemälde von Ludwig van Beethoven wird man vergeblich suchen. Dafür begegnet einem der Komponist auf ganz ungewöhnliche Weise: moderne und Gegenwartskunst werden Beethovens Leben und Werk gegenübergestellt. Teils beziehen sie sich auf den Komponisten, teils hat man den Bezug nachträglich hergestellt. In einem Raum der Ausstellung trifft beides aufeinander: überall sind Zeichnungen der Künstlerin Jorinde Voigt an den Wänden, in denen sie die 32 Klaviersonaten Beethovens verewigt hat, die gleichzeitig auch zu hören sind. In der Mitte des Raums steht eine Skulptur von Auguste Rodin. Er blickt auf einen Flügel.

Flügel auf dem Kopf

Der steht allerdings nicht, sondern hängt kopfüber von der Decke des Raumes. Es handelt sich dabei um eine Installation der Künstlerin Rebecca Horn "Concert for Anarchy". Wer dort steht, braucht gute Nerven, denn der Flügel entwickelt alle halbe Stunde ein Eigenleben mit einer gewissen Dramatik, erklärt Andreas Zimmermann, einer der Kuratoren: "einen halben Meter stürzt dann die Tastatur aus ihrer Verankerung in den Raum hinein, mit einem unglaublichen Knall. Man hat das Gefühl, das Klavier ist verzweifelt oder es brüllt uns an oder es kotzt sich aus. So hängt es da eine Viertelstunde mit den weit ausgespuckten Tasten, die wie eine Kaskade heraushängen. Und dann zieht es sie wieder ein, der Deckel schließt sich wieder und dabei entsteht ein harfenähnlicher Laut, der traurig klingt, wie ein Moment des Scheiterns. 

"Diese Wechselbeziehung zwischen dem Künstler und dem Instrument, immer am Rande des Scheiterns spielt für Beethoven ja auch eine große Rolle", erläutert Andreas Zimmermann. Zudem habe dieser Effekt etwas überraschendes, bis an die Grenze des Schocks. Und an Grenzen und darüber hinaus gehen, das wäre ja nun etwas, das Beethoven auch als Komponist kennzeichne.  Eine weitere Installation "Esilerüf" von Ayşe Erkmen  - also "Für Elise" rückwärts, spielt das Stück auch genauso, aus zwei Kugeln, die aus Lautsprecherkabeln gebildet sind. 

Starke Kontraste

Die Ausstellung im kunsthistorischen Museum Wien führt eigentlich durch den Zyklus von Beethovens Leben und Schaffen: sie beginnt in einem hellen, fast Sakralen Raum, der sich mit dem Beginn der Karriere des Komponisten beschäftigt, mit seiner Reise von Bonn nach Wien, es folgt ein düsterer, bedrückender Raum, der von der zunehmenden Taubheit Beethovens handelt und auch von seinem Tod. Im Zentrum steht ein Stück des Bodens aus Beethovens Sterbewohnung, auf einem Sockel wie eine Reliquie präsentiert, auch viele düstere Zeichnungen von Franzisco de Goya finden sich im Raum - er hat das Schicksal der wachsenden Taubheit mit Beethoven geteilt, auch wenn sich beide wohl niemals kennengelernt haben. Unter den Zeichnungen liegt dann bezeichnenderweise das einzige Hörrohr, von dem man eindeutig weiß, dass es in Beethovens Besitz war.

Performance von Tino Sehgal

Im letzten Raum, der sich mit der Natur und ihrer inspirativen Wirkung auf Beethovens Schaffen befasst, ist in taubenblau gehalten. Dort wartet eine weitere Überraschung auf den Besucher: eine Performance  von Tino Sehgal. Er hat sechs Beethovenwerke für Stimme bearbeitet. Und so beginnen in diesem letzten Raum auf einmal Menschen die Werke zu singen und zu tanzen. Es handelt sich dabei um Profi-Tänzerinnen und Tänzer, die allerdings nicht ausgebildete Sänger sind, so dass eine gewisse Diskrepanz entsteht. Durch das lebendige Werk erfährt man den Komponisten noch einmal auf ganz besondere Weise, bevor die Ausstellung endet.

Ein Schatz für Beethovenfans

Doch auch für eingefleischte Beethovenfans gibt es etwas - "fast das Allerheiligste, Beethovens eigenhändige Niederschriften von vier seiner 32 Klaviersonaten. Der Waldsteinsonate, Opus 111, der kleine pastorale Opus 28 und der für seine Beziehung zum Kaiserhof so wichtigen Klaviersonate "Les adieux", erläutert Andreas Zimmermann. 

Er selbst war vor allem berührt, als er bei der Arbeit zur Ausstellung Beethovens Briefe querlas - und auf das handgeschriebene Heiligenstädter Testament stieß. Es im Original zu lesen, brächte einem Beethoven noch einmal ganz besonders nah. 

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Januar 2021. 

(K.Jäger)

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