Casting nach Stimme - nicht nach Typ

Im Gespräch mit der Münchner Mezzosopranistin Idunnu Münch

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Zuhören, reflektieren, lernen und sich positionieren…das fordert die Debatte um Diskriminierung und Rassismus, die aktuell die Welt besonders bewegt.
Wir haben mit Idunnu Münch gesprochen. Sie ist Mezzosopranistin aus München, lebt und arbeitet aktuell aber in London als solistin an der Englisch National Opera und ist Teil eines Projektes für junge Künstler. Sie ist nigerianischer Abstammung und wir wollten von ihr wissen, welche Probleme und Herausforderungen es noch  in der Welt der Klassik und insbesondere in der Opernwelt gibt.

Blackfacing als Problem

Ein großes Problem ist ihrer Meinung nach das Thema „Blackfacing“. Hierbei werden hellhäutige Menschen geschminkt, damit sie wie dunkelhäutige Menschen aussehen. Auf den Bühnen, vor allem in Italien, komme das noch häufig vor!

„Warum muss man da jemanden anmalen und akzeptiert oder respektiert nicht, dass es sehr viele dunkelhäutige Menschen gibt, die sehr gut für diese Rolle passen würden“, sagte uns Münch.

Rassismus beim Casting?

Die Probleme fangen also schon beim Casting und der Rollenvergabe an. Sollte man also einem dunkelhäutigen Menschen den Part dann geben, weil er die im Libretto beschriebene Hautfarbe hat? „Für mich ist es wichtiger (…) nicht nach Typ zu casten, sondern nach Stimme zu casten. Ist die Stimme für die Rolle geeignet und ist die Musikalität gegeben?“, so Münch. Es sollte einfach überhaupt kein Augenmerk mehr auf die Hautfarbe gelegt werden und damit müsste eine weiße Aida dann in gleichem Maße akzeptiert werden, wie eine schwarze Venus.

Rollenvorstellungen in der Oper

Laut Münch müssten die Strukturen aufgebrochen werden, denn es gäbe ja schon so viele Regisseure, die sich mit avantgardistischen Ideen schmücken würden. Konsequent wäre, nicht nur bei den Texten künstlerische Freiheiten einzuräumen, sondern eben auch bei der Rollenverteilung. "Ich denke, man sollte sich von diesen archetypischen Ideen auch lösen können“, sagt Münch. In einer solch globalen und vernetzten Welt sollten wir doch in der Lage sein, diese Strukturen aufzubrechen.

Wunsch für die Zukunft

„Ich habe das Gefühl, dass ich (in London) weniger typgecastet bin sondern eher nach meiner Stimme und meinem schauspielerischen Talent.“ Das wünscht sich Münch generell.

„Vielleicht kann man eine Art Vorbildfunktion einnehmen. Da man gesellschaftlich noch immer diese Problematiken hat, sollte die Opern- und Klassikwelt genau dem entgegenwirken und sagen: Nein, wir casten unabhängig von Herkunft und Hautfarbe! Es geht um die Musik und natürlich dann auch ums Schauspiel, aber nicht in erster Linie ums Aussehen."

Fazit

Wir bedanken uns herzlich für die Offenheit von Idunnu Münch, sich zu diesem Thema bei uns zu äußern und uns ihre persönliche Meinung zu sagen. Die Verteilung von Rollen an der Oper solle nicht mehr nach starren Mustern und Vorstellungen erfolgen, sondern aufgebrochen werden und somit der Vielfalt mehr Raum geben, die es in der Musik gibt.

Eine Bitte hat sie noch: Bei Kritiken über ihre Auftritte solle man doch weglassen, dass es sich bei ihr um eine „dunkelhäutige Mezzosopranistin“ handle. Bei einer hellhäutigen Künstlerin würde man das ja auch nicht explizit dazu sagen.

Das Statement von Klassik Radio ist klar: Musik ist eine universelle Sprache, in der ethnische Zugehörigkeit, Religion oder Hautfarbe keine Rolle spielen. Das haben wir auch mit unserem #beethovenkneefall verdeutlicht. In unserem Programm leben wir die Diversität und in unserer täglichen Rotation finden Sie die Musik von Komponisten aus aller Welt.

Das komplette Interview für Sie zum Nachhören:



(L. Bothor)
   

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