Chopin Dances im Hamburger Staatsballett

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Zwei alte Inszenierung auf Neuglanz poliert: die „Chopin Dances" erfreuen zurzeit am Hamburger Staatsballett.

Zweimal Chopin, zweimal Robbins, bitte

Das Hamburger Staatsballett kramt zwei alte Inszenierungen aus der Ballettgeschichte heraus und führt sie unter dem Namen Chopin Dances zusammen. Ein entspannter, leicht bekömmlicher Abend.

Frederic Chopin und Jerome Robbins

Wenn ein Abend den Titel Chopin Dances trägt, sind die Erwartungen hoch. Frederic Chopins Musik ist aus der Welt des klassischen Tanzes nicht wegzudenken. Er lieferte mit seiner Musik die Grundlage für eine Vielzahl an Balletten, unter anderem das Paradebeispiel des klassischen Tanzes: Das Ballet Blanc „Les Sylphides" aus dem Jahr 1907.

Die Bedeutung der von Chopin geschaffenen Klänge, erkannte auch Jerome Robbins. Er präsentiert die amerikanische Theater- und Tanzszene wie wenige andere, choreografierte Musicals wie „Gypsy", „Fiddler on the Roof" und „On the town", die ebenfalls vom Broadway nicht mehr wegzudenken sind. Das bekannteste Werk ist aber wohl die „West Side Story", die er gemeinsam mit Leonard Bernstein erschuf. Die beiden arbeiteten auch gemeinsam an Robbins erstem Ballett „Fancy Free". Seine Choreografien gehören in seiner alten Wirkungsstätte, dem New York City Ballett, noch immer zum Repertoire.

Vor einigen Jahren bekam das Ensemble John Neumeiers die Erlaubnis die Werke „Dances at a Gathering" (Uraufführung am 22.Mai 1969) und „The Concert" (Uraufführung am 06. März 1956) zu inszenieren. Eine große Ehre, der die Tänzer des Staatsballetts Hamburg mehr als gerecht werden.

Dances at a Gathering

Es sind die kleinen Begegnungen, die heimlichen Blicke und Zärtlichkeiten, auf die der Zuschauer im ersten Teil des Abends eingeladen werden.
Fünf weibliche und fünf männliche TänzerInnen in pastelfarbenen Kostümen tanzen, technisch wie immer wahnsinnig präzise, zu Chopins Walzern, Etudes, Scherzi, Nocturnes und seinen Mazurken. Letztere waren besonders präsent in der Inszenierung und gibt dem klassischen Ballett einen leicht folkloristischen Hauch. Jeder der achtzehn Sätze wurde von Robbins neu gedacht. Immer wieder werden neue Bewegungsmuster eingeführt und andere Akzente gesetzt. Keiner der Pas de deux, keine der Soli und Ensemblechoreografien ähneln einander.


© Kiran West
Über den gesamten ersten Teil hinweg fällt der Blick immer wieder auf zwei männliche Tänzer: Der „Mann in Braun" und der „Mann in Grün", wie ihre Rollen bezeichnet werden, werden von Alexandre Riabko und Christopher Evans getanzt. Obwohl alle Tänzer die gleiche Bedeutung für das Werk haben, scheint die Präsenz Evans und Riabkos unübertrefflich. Es fällt schwer, die Augen von diesen beiden Talenten zu wenden.

The Concert

Eine Komödie zu erschaffen, ist schwer. In der Kombination mit dem klassisch akademischen Tanz ist es nicht nur schwer, sondern auch gefährlich. Da das Ballett als solches schon überhöhte Elemente in sich trägt, ist ein Ballettkomödie eine Gratwanderung, die streckenweise sehr gut gelingt, doch an einigen Stellen zur Zitterpartie wird.

Ballerinen, die sich vertanzen, den falschen Arm im Port de bras heben und von den männlichen Tänzern als Puppen durch die Gegend getragen werden. Es sind bis ins kleinste Details getimete Szenen, die zwar keine neuen Ideen sind, aber trotzdem unheimlich unterhaltsam.


© Kiran West

Es war das vorerst letzte Stück, das Robbins vor seiner Zeit in der Musicalbranche choreografierte. Die Besucher eines Konzerts werden in The Concert überspitzt charakterisiert, und sowohl ihre Eigenarten, als auch die der Branche veralbert. Robbins beweist sein Sinn für gutes Timing und schafft besonders schöne Bilder in einem, wie im ersten Teil, kaum ausgestatten Bühnenraum.

Mit den Kostümen wird dann doch das Alter der Inszenierung deutlich, doch stört es das Zusammenspiel des Abends nicht.

Neumeier zum Abend

Intendant John Neumeier wurde in seinem bisherigen Werdegang stark von Frederic Chopin und Jerome Robbins beeinflusst: Lange verzichtete er darauf, Chopins Musik zu nutzen, wie er sagt, möglicherweise aus tiefem Respekt vor Robbins Choreografien, doch spätestens in seiner „Kameliendame" vertanzte er die Musik. Eine besondere Ehre also, die Choreografien Robbins zu nutzen.

Die „Chopin Dances" bieten einen entspannter Abend, an dem man das klassische Ballett genießen kann und der einem zum Schmunzeln bringt.

   

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