Chorsänger hören ein Leben lang besser

Warum alle Kinder musizieren sollten

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Kinder, die im Chor singen, hören feiner und differenzierter, sie können Tonhöhenunterschiede besser beschreiben und Lautstärkeverhältnisse besser einschätzen. Man vermutet dies auch bei Kindern, die ein Instrument lernen.
Prof. Dr. Michael Fuchs ist HNO, Facharzt für Phoniatrie und Leiter der Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Er findet die grundsätzliche Verfügbarkeit von Musik in unserem Alltag gut und richtig. Er sagt: „Unser Hörverhalten hat sich in den letzten 30 – 50 Jahren stark verändert.“ Wir können beinahe jedem Musiker der Welt in verschiedenen Aufnahmen in hoher Qualität jederzeit zuhören. Das hilft uns zwar unseren Geschmack und Stil zu finden, aber „dadurch vernachlässigen wir möglicherweise das eigene Musizieren und Singen“, sagt Prof. Fuchs.

Digital versus selbst gemacht

Die CDs bieten einen weiteren Vorteil: Wenn wir ständig jede Musik in verschiedenen Versionen hören können, wäre das eine Möglichkeit unsere Fähigkeiten im differenzierten Hören zu verfeinern. Das können wir als Chance nutzen. Aber es besteht auch die Gefahr, dass wir uns nur „beschallen lassen“. Dann verfeinern wir unser Gehör nicht, sondern trainieren es darauf, die Musik zu ignorieren. Denn unser Gehirn ist nicht arbeitssüchtig. Am besten trainiert man sein Gehör aber, wenn man selbst singt – egal ob Pop oder Klassik.

Im Chor zu singen schult das Ohr

Untersuchungen mit Kindern, die im Chor zusammen singen zeigen: Die Chorsänger hören feinere Tonhöhen- und Lautstärkenunterschiede, als die Kinder, die nicht singen. Gesangsunterricht schult also nicht nur die Flexibilität und den Umfang der Stimme, sondern auch das musikalische Verständnis. Und im Idealfall weckt es auch die Begeisterung an der Musik. Dafür sei es laut Prof. Fuchs wichtig, dass die Eltern schon mit ihren Babys regelmäßig singen. Denn durch das Vorsingen der Eltern wird das Kind zum Nachahmen angeregt. Die Vorstufe des Sprechens ist bei kleinen Kindern das Lallen, das man durchaus als eine Mischform aus Sprechen und Singen bezeichnen könnte. Und je früher man anfängt, desto größer sind später die Erfolgschancen auf Auszeichnungen und beruflichen Erfolg.

Die veränderte Hörerwartung 

Wenn wir heute ein Konzert besuchen, haben wir uns oft vorbereitet, indem wir die Musik schon mal zu Hause angehört haben. Wir können auf Studioaufnahmen mit den besten Interpreten aller Zeiten zurückgreifen und mit dieser Hörerwartung gehen wir in ein Live-Konzert, bei dem nicht jede Unsauberkeit herausretuschiert werden kann, wie das bei einer CD der Fall ist. Diese Hörerwartung hat sich laut Prof. Fuchs in den letzten 30 Jahren auch stark verändert, da damals die Verfügbarkeit der Aufnahme noch nicht in dem Maße gegeben war, wie heute.

Die magische Grenze von 85db

85 Dezibel sind die zulässige Grenze für die Umgebungsgeräusche am Arbeitsplatz ohne Gehörschutz. Was darüber liegt, kann langfristig zu Schwerhörigkeit und anderen Gehörschäden führen. Das Tückische ist, dass diese Lärmschäden sich schleichend und irreparabel entwickeln, oft in einem Zeitraum von 20 Jahren. Auch bei der Benutzung von Kopfhörern ist Vorsicht geboten. Viele Geräte warnen zwar schon heute davor, wenn die Geräusche im Lautsprecher die 85 Dezibel überschreiten, aber sicherheitshalber kann man sich eine Schalldruck-App auf das Smartphone laden, um sein Gehör zu schützen.

Das Menschrecht auf Gesang

„Ich finde es grenzt an Körperverletzung, einem Kind zu sagen: Du kannst nicht singen!“ sagt Prof. Fuchs. Denn solche Erfahrungen führten dazu, dass das Kind nicht mehr singen wird. Sein Kollege Prof Andreas Mohr - der einzige Professor für Stimmbildung in Deutschland - spricht vom „Menschenrecht auf Gesang“. „Die Formulierung finde ich ganz wunderbar“ sagt Prof. Fuchs. Selbst ein recht unmusikalischer Mensch kann sich für das Singen begeistern und daher sollten Musikpädagogen den Kindern die Chance auf Gesang unbedingt anbieten, zum Beispiel in einem Knabenchor.
   

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