Comic-Held Beethoven

Beethovens Kindheit und Karrierbeginn als Comicabenteuer

comic-held-beethoven © Mikael Ross/avant Verlag Berlin
Das Komponistengenie als Comic Held: unterhaltsam, farbenfroh und aufschlussreich. Beethoven mal ganz anders…

Beethovens Anfänge auf 200 Comicseiten

Der Comiczeichner Mikael Ross hat sich in seinem neuesten Werk dem Leben von Ludwig van Beethoven gewidmet. Er erzählt darin die Geschichte von dessen Kindheit bis hin zu seinem großen Durchbruch und beschäftigt sich so mit der Zeit in Beethovens Leben, die bisher vielleicht mit am wenigsten beleuchtet wurde. Im Gespräch mit Klassik Radio hat er uns etwas über das Projekt erzählt.

Von der Auftragsarbeit zum Herzensprojekt

„Die Berliner Staatsbibliothek hat mich angeschrieben, weil die für das große Beethoven-Jubiläumsjahr eine Ausstellung gemacht haben und dafür einen Comic von mir wollten. So sind sozusagen die ersten Seiten als Auftragsarbeit entstanden. Das war irgendwann auch abgeschlossen, aber ich habe dann gemerkt, dass mich das ganze Thema viel zu sehr interessiert und es dazu eigentlich noch mehr braucht. So kam schließlich die Entscheidung, daraus ein ganzes Buch zu machen.“

Wieso gerade Beethovens Kindheit?

„Das hat zum einen mit mir persönlich zu tun, weil ich allgemein immer das Gefühl habe, ich verstehe Kindheit und Jugend irgendwie besser als die späteren Lebensabschnitte. Zum anderen gibt es auch einfach super wenige Inhalte und Quellen über diese frühe Zeit in seinem Leben. Man hat das Gefühl, es besteht erst dann ein großes Interesse an ihm, wenn er das erwachsene Genie ist. Das hat mich sehr verwundert, weil er ja schon früh angefangen hat und es super interessant ist, was da alles passierte.“

Beethovens Leben: aus dem Nähkästchen geplaudert

Entspricht denn alles der Wahrheit, was im Comic steht? „Nein, natürlich nicht. Es ist ja ein Comic und kann sich da deshalb auch gewisse Freiheiten herausnehmen. Ich habe mich aber super intensiv in all die Quellen zum Thema eingelesen und dazu recherchiert. Im Buch ging es dann natürlich darum, eine gewisse Dramaturgie zu schaffen, die ein reales Leben so nicht unbedingt hat.“

Ross habe daher gezielt versucht, Verknüpfungen herzustellen, indem er reale Ereignisse aus dem Leben Beethovens rekonstruiert und den Rest seiner Geschichte daran orientiert habe. „Ich habe mir immer überlegt, wie die Situation konkret ausgesehen haben könnte und Dinge miteinander verknüpft": So führt das Taufdatum von Beethovens Schwester Anna an Aschermittwoch zu einer Geschichte, in der die Kleine ausgerechnet an Karneval zur Welt kommt, als das Haus leer und der Lebemann-Vater beim Feiern ist oder Beethoven trifft auf seiner misslungen Reise nach Wien auf Mozart und die beiden veranstalten ein lustiges Wortgefecht.  Alles erfunden natürlich. Doch :"Oft sind tatsächlich die Situationen, die im Buch eher erfunden und absurd wirken, dann gerade diejenigen, die genau so passiert sind“, meint Mikael Ross und liefert auch gleich ein Beispiel: Das Beethoven seine Brüder gerne "Hirnfresser" genannt habe, sei belegt. 




©Mikael Ross/avant Verlag Berlin

Beethovens Musik und Töne farbenfroh umgesetzt

„Das war die große Frage bei diesem Buch: Ich habe hier dieses stumme Medium und will damit Musik beschreiben, aber mir fehlen die Mittel dafür. Musik kann Dinge, die andere Medien und Kunstformen nicht können. Ich habe dann recherchiert und bin auf Künstler gestoßen, die sehr viel mit Synästhesie arbeiten, also der Verknüpfung von Musik mit Farben.“

Ross Idee sei es dann gewesen, mit der Musik über einen Kontrast zu arbeiten. „Das ganze Buch hat sehr gedeckte Farben und die Welt von Ludwig wird eher als farblos und trist dargestellt, als die harsche Realität sozusagen. Auf den Seiten mit Musik gibt es dann eine regelrechte Farbexplosion, um zu zeigen, dass die Musik für ihn selbst vielleicht auch eine Art Rettung oder Zufluchtsort war.“

Dabei hat der Künstler die Darstellung abstrakt gehalten, denn die Musik Beethovens war einfach zu umfangreich: "Ich habe natürlich versucht, die Musik zu analysieren und wirklich reinzuhören. Man kann ja ganz viele Motive raushören und ganz viele Bilder sind in dieser Musik verpackt, die man wieder dekodieren kann, wenn man die Musik hört. Das einzige Problem bei Beethoven Stücken: da sind nicht nur fünf Bilder verpackt, in 10 Minuten sind etwa 35 Bilder verpackt, die ich gar nicht alle zeichnen kann. Deshalb die Entscheidung: ich halte es lieber abstrakt. 

Beethovens Musik sehr nahbar, der Zugang oft nicht 

Besonders überrascht habe ihn bei der Recherche, dass Ludwig van Beethoven, wie er selbst,  nicht aus der Oberschicht kommt. Denn für ihn war klassische Musik bisher immer der "Hochkultur" zugeordnet. Doch Beethoven zeige, dass kreative große Inhalte auch von Menschen aus einfachen Verhältnissen kommen könnten. So sei auch Beethovens Musik sehr nahbar, "sie hat wirklich die Kraft, alle Menschen anzusprechen, weil sie so direkt über alle großen Themen unseres menschlichen Lebens spricht. Also Leid, Krankheit, Freude. Die tiefsten Tiefen und die höchsten Höhen sind in dieser Musik beschrieben und es hat nichts Intellektuelles oder Entrücktes. Sie ist sehr nahbar.

Doch ich habe manchmal das Gefühl dass der erste Zugang zu dieser Musik eben nicht nahbar ist, weil eben es schon immer noch in einen kulturellen Raum eingebettet ist, der für viele Menschen nicht betretbar ist, weil sie sich sagen: 'das ist nichts für mich, da hab ich nichts verloren'. Das könnte der Comic vielleicht ändern: „Ich hoffe sehr, dass es Comicleser in die Hand bekommen, die nichts mit Beethoven am Hut haben, und dass es Beethoven-Fans in die Hand bekommen, die nichts mit Comics am Hut haben. Das wäre der Traum, dass es da vielleicht die Möglichkeit eines Brückenschlags gibt.“

Beethoven Teil 2?

„Das Buch hört ja an einer Stelle auf, an der die richtig dramatischen Ereignisse seines Lebens erst noch bevorstehen. Die Liebesgeschichte mit der unsterblichen Geliebten taucht beispielsweise ja noch gar nicht und das wirkliche Abgleiten in die Taubheit ist bis jetzt nur angedeutet. Da braucht es vielleicht schon noch einen Teil zwei, aber da ist noch nichts entschieden.“ Material dazu gäbe es ja immerhin genug…

 (N.Meier/K.Jäger)



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