Das Smartphone als Instrument

Wie man mit Apps musizieren kann

das-smartphone-als-instrument © Production Perig
Unbewusst haben wir eigentlich immer und überall ein Musikinstrument dabei: unser Smartphone. Denn via Apps kann man mit ihm oder einem Tablet auch musizieren. Digitale Möglichkeiten des Musikmachens haben in den letzten Jahren quantitativ und qualitativ stark zugelegt. Der Einstieg in die binäre Welt ist aber oft gerade für eingefleischte Musiker nicht einfach. Raphael Lüssing ist Lehrer für Klavier, Keyboard und Bandtraining an der Musik- und Kunstschule Lübeck und hat an einem ganz besonderen Workshop zu dem Thema teilgenommen. Im Gespräch mit Klassik Radio hat er uns erzählt, worum es dabei ging und was er daraus mitgenommen hat.

Neue Erfahrungen machen

„Der Workshop hieß ‚Musikperformance mit Apps‘ und es ging darum, als professioneller Musiker, der total mit seinem Instrumenten vertraut ist, jetzt einfach mal die Erfahrung zu machen, mit Apps zu musizieren. Es gab zu Beginn erstmal eine Einleitung, in der uns erklärt wurde, dass wir differenziert an die Sache herangehen sollen und das iPad ein eigenes Instrument sein kann. Dann ging es los und wir sind direkt in die Praxis.“ Lüssing selbst sei aufgrund eigener Vorerfahrungen sehr offen gegenüber der Technik gewesen.

Kein Ersatzinstrument

Die Einstellung, die digitale App würde das analoge Instrument ersetzen, sei völlig falsch: „Darum ging es gerade, dass man es nicht eintauschen soll. Es ist vielmehr einfach noch ein weiteres Instrument, das man lernt.“ Auch für den Unterricht würden die Apps tolle Möglichkeiten bieten: „Gerade für uns Musiklehrer ist es sehr schön, dass wir die Schüler direkt da abholen können, wo sie sind. Jeder Schüler hat eigentlich spätestens ab der weiterführenden Schule ein Smartphone und wenn man das wirklich kreativ nutzen kann, ist das natürlich eine tolle Sache. Dort können wir sie dann vielleicht auch abholen und an die Klassik heranführen.“

Musikmachen am Bildschirm

Für den Einstieg ins digitale Musizieren gäbe es verschiedene Wege: „Man kann sich natürlich optisch ein Instrument wie eine Geige oder eine Gitarre digital darstellen lassen und so ein vorhandenes Verständnis für das Instrument umsetzen. Ansonsten ist das wie als hätte ich meinen ersten Geigenunterricht. Ich habe plötzlich ein Tablet vor mir und muss mit bestimmten Fingersätzen arbeiten, genauso wie bei Geigen oder Gitarren. Es ist also im Prinzip der gleiche Einstieg.“

Eine Frage der Einstellung

Lüssing selbst habe, als jahrelanger Pianist und Keyboarder, die Erfahrung des digitalen Musikmachens auf jeden Fall zugesagt: „Ja, total! Man muss das differenzieren und es ist ja wirklich ein anderes Instrument. Ich vergleiche jetzt mein E-Piano auch nicht mit einem Flügel. Es ist ein anderes Instrument und da hat man natürlich auch klanglich wie auch haptisch unterschiedliche Erfahrungen. So muss man das sehen. Wenn ich das wirklich nur miteinander vergleiche, dann nimmt mich ein Flügel emotional mehr mit. Klar, das ist ja auch ein anderes Instrument und hat andere Fähigkeiten.“

Digitale Ergänzung im Unterricht

Digitale Medien integriere Lüssing bereits jetzt schon in seinen Unterricht: „Ich bin auch zertifizierter ‚Mobile Music Mentor‘ und da geht es eh schon darum, dass man digitale Medien in den Unterricht mit einbezieht. Ich kann zum Beispiel beim Klavierunterricht mit meinem Tablet direkt eine ganze Band als Begleitung abspielen lassen. Das ist natürlich für den Schüler total toll, dass er gleich in den ersten Unterrichtsstunden mit anderen Instrumenten mitspielen kann.“ Gerade als Alternative zu einem steifen Metronom sei eine groovende Band deutlich angenehmer und realistischer.

Auch einen ergänzenden Unterricht speziell für Musikapps könnte Lüssing sich vorstellen: „Total, klar! Gerade weil man dann auch wirklich über Dinge wie Körperhaltung, Fingersätze, Intonation, Artikulation und Dynamik reden kann. Da ist die Technik mittlerweile echt schon so weit und wird sich ja auch immer noch weiter entwickeln, dass man das total ausreizen kann.“ Auch körperlich beeinträchtigten Menschen könnte man so einen Zugang zum Musizieren schaffen, den sie bei traditionellen Instrumenten so nicht hätten.

 



 
(N. Meier)

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