Der Orchesterbus aus Leipzig

Die musikalische Stadtrundfahrt im Advent

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Musiker des Gewandhausorchesters Leipzig sind während der Adventszeit immer samstags in einem Konzertbus unterwegs und bringen so Musik in alle Ecken der Stadt.

Franziska Vorberger ist Musikvermittlerin beim Gewandhausorchester und maßgeblich an der Planung und Umsetzung der Aktion beteiligt. Im Gespräch mit Klassik Radio hat sie uns etwas über das Projekt erzählt.

Ein alternativer Konzertraum

„Wir hatten die Idee, dass die Musik vor allem in der Adventszeit natürlich für alle Menschen immer eine sehr wichtige Rolle gespielt hat und auch in diesem Jahr spielt. Wir haben überlegt, wie wir diese Musik dennoch unter die Leute bringen können und haben dafür nach dem Vorbild des ‚Boston Symphony Orchestra‘ einen Bus als alternativen Konzertraum genutzt.“

An einen geeigneten Bus zu kommen sei kein großes Problem gewesen. „Wir haben das Glück, dass die roten Doppeldeckerbusse der Leipziger Stadtrundfahrten GmbH gerade verfügbar sind. Daher war es naheliegend, dass wir so einen Bus nehmen und einfach das Dach öffnen, damit zum einen die Abstände eingehalten werden können und zum anderen auch eine gewisse Sichtbarkeit möglich ist.“

Musikalische Stationen

„Wir mussten natürlich bei der Auswahl der Ensembles darauf achten, dass das Instrumente sind, die auch open air gut funktionieren, sodass wir hauptsächlich mit Blechbläsern unterwegs sind. Das sind in der Regel zwischen drei und fünf Kollegen, die dann auf dem Bus spielen. Die steigen immer um 09:45 Uhr in den Doppeldeckerbus ein und dann werden im Schnitt zwischen fünf und sechs Stationen pro Samstagvormittag angefahren. Dort angekommen wird das Dach geöffnet, die Musiker krabbeln nach oben und dürfen dann kleine Konzerte spielen.“

Weihnachtliche Klänge

„Konzert“ sei dabei aber schon fast das falsche Wort, erläutert Vorberger. Es handle sich nicht um halbstündige Konzerte, sondern vielmehr um kleine musikalische Grüße mit einer Dauer von fünf bis zehn Minuten: „Programmatisch ist die Musikauswahl natürlich auf die Vorweihnachtszeit ausgelegt. Wir haben ganz bekannte Weihnachtslieder mit dabei, wollen aber auch ein Stück weit den Kanon des Orchesters nach außen tragen, sodass beispielsweise auch schon Mendelssohn auf dem Bus erklungen ist.“

Soziale Einrichtungen im Fokus

Besonders im Fokus der Aktion sei es, die Musik dort zu platzieren, wo sie von alleine sonst nicht hinkommen würde: „Da war es uns wichtig, vor allem auch Orte wie Pflegeeinrichtungen und soziale Institutionen anzusteuern, weil dort natürlich der Bedarf zum einen sehr groß und zum anderen auch der Kontakt zur Außenwelt stark eingeschränkt ist. Demzufolge lag da der Gedanke ganz nahe, wir nehmen den Bus und fahren dorthin, weil die Leute gerade nicht zu uns kommen können.“

Musizieren in der Kälte

Vor allem für die Musiker seien die winterlichen Wetterbedingungen beschwerlich: „Fünf Grad hört sich noch moderat an, aber oben auf dem Dach des Busses sind fünf Grad gefühlt mindestens nochmal 10 Grad weniger. Unsere Blechbläser sind natürlich einiges gewohnt, weil die durch ihr Instrumentarium ein bisschen weniger witterungsabhängig sind, als die Streicher zum Beispiel. Nichtsdestotrotz ist es kalt und demzufolge ist es so, dass wir nach diesen zehnminütigen kleinen Beiträgen die Musiker immer in den unteren Teil des Busses verfrachten und mit Tee und Handwärmern versorgen.“

Positive Reaktionen

Die Rückmeldung auf die Aktion sei bisher durchweg positiv ausgefallen: „Also generell haben wir ja das große Glück, dass wir mit einem Gut unterwegs sind, das wirklich sehr einzigartig ist und Menschen berührt. Egal ob die jetzt einen Bezug zum Gewandhausorchester oder zur klassischen Musik haben, wenn Livemusik erklingt, die auch noch professionell vorgetragen wird und dann diese weihnachtliche Stimmung dazu kommt, hat man es tatsächlich sehr leicht. Wo die Reaktion aber extrem positiv war und von großer Dankbarkeit geprägt, war eben in den Pflegeeinrichtungen, bei denen wir gewesen sind. Dort haben die Bewohner dann entweder vom Fenster oder vom Balkon aus zugehört.“

 (N. Meier)

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