Die Wahre Geschichte der Woche: Der Schnupfen danach

Ausgewählt und kommentiert von Patrick Singer

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Schnupfen: ich hatte ihn lange nicht, und er fehlt mir definitiv nicht! Doch die Wahre Geschichte dieser Woche hat mich umgehauen: wie es der Schnupfen von der Antike über meine Heimat zu einem geflügelten Wort schaffte...
Traditionell ist der Schnupfen ein alter Bekannter, der mich meist ab Oktober heimsucht. Aber diesen Winter komme ich bislang ganz gut zum Durchschnaufen. Bestimmt eine Nebenwirkung des Mund-Nasen-Schutzes - und der Tatsache, dass ich im Bett keinen Fuß mehr kalt werden lasse (Wärmflasche, natürlich!).

Aber so ganz generell: Schnupfen braucht ja wohl kein Mensch.

Wenn's läuft, dann läuft's
Wenn's läuft, dann läuft's
(© Photo by Pixabay from Pexels)

Laufende Nase seit Anbeginn der Zeit

Als ich dann aber diese Wahre Geschichte von Friedrich Epenstein hörte, tat sich mir eine illustre Reise aus der Antike bis zu einem, ja, „verirrten“ Sprachwitz aus meiner Heimat auf. Sherlock, wir haben hier einen Fall!

Denn so sehr die laufende Rotznase nervt, sie begleitet die Menschheit schon seit ihren ersten Schritten. Womit wohl die Höhlenbewohner der Steinzeit ihren Rüssel trockenlegten? Tonerde statt Taschentuch? Ich sehe Fred Feuerstein vor mir, wie er sich mit einem kleinen Flugsaurier die Nase... lassen wir das.

Nevit Dilmen, CC BY-SA 3.0
Mit was putzten sich die Steinzeitmenschen die Nase?
(© Nevit Dilmen, CC BY-SA 3.0)

Alte Welt mit einer alten Frage

Die alten Griechen wollten dem Schnupfen dann aber endlich mal ganz methodisch auf die Schliche kommen. Nichts anderes hätte ich erwartet!

Und so wird dem großen Gelehrten Aristoteles zugeschrieben, dass er sich mit so etwas Trivialem wie der laufenden Nase beschäftigte. Für ihn entstand Schnupfen, wie Regen entstand: Im Herz steckte die Wärme, das Gehirn galt als Kältespeicher. Wenn nun das Herz das Blut zu sehr erhitzte, stieg es als heißer Dampf hoch ins kalte Hirn - und wurde zu Kondenswasser, a.k.a. Schnupfen. Nun ja, es waren ja auch die Griechen die erkannt hatten: "Ich weiß, dass ich nichts weiß"...

Jedenfalls, dieses "Wasser" musste wieder raus, und zwar aus der Nase. Hinabfließen heißt auf Griechisch „katharos“ - und wurde im Deutschen zum bekannten „Katarrh“.



Aristoteles
Großer Gelehrter und Spürnase: Aristoteles 
(© after Lysippos, Public domain, via Wikimedia Commons)

Ein sprachliches Missverständnis

Im Hochdeutschen, wohlgemerkt. Und somit sind wir nun beim Bogen in meine Heimat. Denn dort steht, mitten in Leipzig, der seit dem Goetheschen Faust berühmte „Auerbachs Keller“. Hier sollen anno dazumal lebenslustige Leipziger Studenten gespeist und ordentlich getrunken haben.

Wenn zu viel Alkohol die Kehlen hinunterfloss, dann konnte es am nächsten Morgen schon mal zu einer verschnupften Stimmung führen. Und wie wir Sachsen nun mal sind, machen wir die Worte vorn und hinten weicher als gedacht. Und so wurde aus dem griechischen Import „Katarrh“ ein heimisch schnurrend sächsischer... 

Autor unbekannt - Illustrirte Zeitung, gemeinfrei
Rechts im Bild: heftiger Katarrh
(© Ichwarsnur - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0)

 ... mehr verrat ich nicht. Aber das: Auch wenn ich schon lange nicht mehr in meiner Heimat lebe - diese Geschichte rührt mein Herz! Dass Leipziger Studenten im Rausch ein geflügeltes deutsches Wort erschaffen haben... Vielleicht erinnert es mich auch an meine eigene Studentenzeit, die immer weiter weg liegt. Denn wo soll man sich in diesen Zeiten denn noch in einen Rausch trinken - außer zuhause auf dem Sofa?


Sie ahnen bestimmt schon, wie das geflügelte Wort heißt (oder haben das Titelbild gelesen) - aber gerne erzählt es Ihnen auch nochmal der unnachahmliche Friedrich Epenstein selbst in seiner "Wahren Geschichte"...

Ihr
Patrick Singer

Übrigens: "Die Wahre Geschichte" zum Nachhören gibt es in unserer Mediathek oder On Air von Montag bis Freitag kurz nach 9 Uhr und kurz nach 17 Uhr. Auch als Buch kann man über die besten "Wahren Geschichten" staunen - ab sofort in unserem Shop!

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