Die Wahre Geschichte der Woche: Der vergessene Flugpionier

Ausgewählt und kommentiert von Patrick Singer

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Die Gebrüder Wright? Klar kennt man die. Doch es gibt einen Flugpionier, der mindestens genauso wagemutig war - an den heute aber höchstens noch eine sehr teure Uhr erinnert...
An meinem 11. Geburtstag vermachte mir mein Großvater eine Kiste voll mit alten Büchern. Es war eine fast vollständige Sammlung des Werkes von Jules Verne: Ohne Bilder, dafür mit Titeln wie „5 Wochen im Ballon“ und einem ziemlich hochgestochenem Schreibstil. Zumindest für mich als Kind.

An dem Tag legte ich sie beiseite, aber im Winter las ich meinen ersten Jules Verne. Und dann die ganze Kiste. Die Geschichten entführten mich in eine fantastische Vergangenheit, in der die Zukunft - also meine Gegenwart! - als erste Science Fiction überhaupt schon vorweggenommen war.

Jules Verne (Nadar, Public domain, via Wikimedia Commons)Jules Verne, der Vater der Science-Fiction
(© Nadar, Public domain, via Wikimedia Commons)

Beflügelt von Jules Verne

Wie muss es da erst Alberto Santos Dumont ergangen sein! Im Jahr seiner Geburt, 1873, erschien Vernes wohl bekanntestes Werk: In 80 Tagen um die Welt. Alberto stammte aus einer vermögenden Familie in Brasilien und soll die Bücher von Jules Verne in seiner Jugend geradezu verschlungen haben.

Besonders die, in denen der französische Autor von Luftreisen fabulierte. Die ja damals noch gar nicht möglich waren.

Public domain, via Wikimedia Commons
Der Traum vom Fliegen
(Postkarte, © PuPublic domain, via Wikimedia Commons)

Zwischen Neuer und Alter Welt

Später zog es Alberto - die Mutter Brasilianerin (Santos), der Vater Franzose (Dumont) - zum Studium in die andere Heimat, nach Frankreich. Dort schloss er Freundschaften in die höchsten Künstler- und Kulturkreise, unter anderem auch zu einem gewissen Louis-François Cartier.

Er fuhr Auto-Rennen und brachte ein Fahrzeug zurück in seine Heimat - wohl eines der ersten Autos überhaupt in Südamerika. Doch immer noch wollte er vor allem eins: den Himmel erobern!

Alberto Santos Dumont
(© Zaida Ben-Yusuf, Public domain, via Wikimedia Commons)

Der vergessene Weltrekord

Und das gelang ihm auch. Zunächst baute er Luftschiffe, später sogar Flugzeuge und Propellerantriebe. Am 22. Oktober 1906 flog er mit einem motorgetriebenen Fluggerät 60 Meter weit - Weltrekord!

Bald nahmen die Gebrüder Wright in den USA ihm diesen Rekord jedoch wieder ab. Sein Name geriet in Vergessenheit, wäre da nicht sein Freund Louis-François Cartier gewesen. Er griff Albertos Idee eines praktischen Chronometers am Arm auf und verewigte ihn auf diese Weise: Mit einer der ersten Armbanduhren der Welt, die es als "Santos-Dumont" heute immer noch zu erstehen gibt.

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Santos Dumont im selbstgebauten Luftschiff
(© Public Domain Mark 1.0)

 

Die Kraft der visionären Geschichten

Den Ideenreichtum dieses Mannes finde ich bewundernswert, gerade für die damalige Zeit. Die Bücher aus der Kiste meines Großvaters waren früheste Science-Fiction - und zeigen die weltverändernde Kraft der Literatur.

Denn auch heutige Pioniere wie Elon Musk haben sich von utopischen Werken inspirieren lassen. Was ich wiederum sehr inspirierend finde.
Das Ende des Alberto Santos Dumont ist tragisch - doch dazu mehr in "Der Wahren Geschichte" von Friedrich Epenstein ...

Ihr
Patrick Singer

Übrigens: "Die Wahre Geschichte" zum Nachhören gibt es in unserer Mediathek oder On Air von Montag bis Freitag kurz nach 9 Uhr und kurz nach 17 Uhr. Auch als Buch kann man über die besten "Wahren Geschichten" staunen - ab sofort in unserem Shop!

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