Die wahre Geschichte der Woche: Stimmen aus aller Welt - Kopfhörer

Ausgewählt und kommentiert von Klara Jäger

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Sie machen es möglich, dass man fast immer und überall Musik genießen oder Podcasts und Sprachnachrichten hören kann, ohne dabei seine Mitmenschen zu hören: Kopfhörer. Warum wir ihre Erfindung eigentlich einem Wutausbrauch zu verdanken haben, dass erfahren Sie in der Wahren Geschichte der Woche. Kommentiert von Klara Jäger

Früher Weltneuheit - heute unentbehrlich 

Um ehrlich zu sein, ohne sie gehe ich fast nie aus dem Haus – sie gehören in meine Handtasche wie Handy und Geldbeutel: meine Kopfhörer. Denn mit der richtigen Musik auf den Ohren sind auch nervige Situationen, wie das Warten auf einen verspäteten Zug oder an der Supermarktkasse gleich sehr viel besser zu ertragen. Abgesehen davon, macht das Leben mit dem richtigen Soundtrack im Hintergrund gleich doppelt so viel Spaß. Nie hätte ich gedacht, dass diese Erfindung dem Wutausbruch eines schlecht temperierten Kundens geschuldet war. Doch der Reihe nach…

Eine Schlagzeile wert

Angefangen hat alles vor einer langen Zeit und zunächst mit einer ganz anderen Erfindung. Am 22. Dezember 1877 konnte man in vielen Zeitungen von einem neuen außergewöhnlichen Gerät lesen, das Töne nicht nur aufzeichnen, sondern auch wiedergeben konnte – dem sogenannten „Phonographen. Bald darauf hielt der Erfinder, Thomas Alva Edison die Patenterteilung in den Händen – und machte sie direkt zu Geld. Er verkaufte sie an zwei Gerichtsstenographen aus Washington: Edward D. Easton und einen seiner Kollegen.

Um die Ecke gedacht

Die beiden hielten sich für besonders schlau: denn nach der ersten Begeisterung war offenbar geworden, dass sich der Phonograph – anders als erwartet – nicht zum Aufnehmen von Gesangsaufnahmen oder ähnlichem eignete. Mehr als Sprachaufzeichnungen- und wiedergaben waren qualitätstechnisch nicht drin. Doch dieses Manko störte Edward Easton und seinen Kollegen keineswegs. Sie hatten anderes im Sinn: sie wollten die Phonographen als Diktiergeräte nutzen und somit die lästige Kurzschrift, mit der sie durch ihren Arbeitsalltag mehr als vertraut waren, überflüssig machen und sich dabei eine goldene Nase verdienen. So gründeten sie eine Art Start-Up: die Columbia Phonograph Company.

Unsanfte Bruchlandung

Leider ging ihr Plan nicht ganz auf: dabei lief zunächst alles wie am Schnürchen: Die US-Regierung ließ sich sogar mehrere hundert Geräte liefern. Doch sie schickte die Phonographen fast postwendend zurück: als Diktiergeräte seien die sie völlig unbrauchbar. Da saßen die beiden jungen Männern nun mit einem Haufen unbrauchbarer Geräte und einem zerplatzen Traum.

Ein Wink des Schicksals

Doch das Schicksal meinte es gut mit ihnen: als schon alles verloren schien, meldete sich auf einmal der Veranstalter eines Jahrmarktes bei ihnen: er wollte 50 der Geräte haben und einige hundert der dazugehörigen Walzen, die er selbst bespielen ließ. Seine Vision: den Jahrmarktbesuchern Stimmen großer Künstler aus aller Welt vorspielen zu können. Dabei gab es nur ein Problem, dass dem Kunden erst nach Erhalt der Bestellung auffiel: denn die rein mechanische Geräte hatten keine Lautsprecher.

Wutanfall als Inspiration

Wutentbrannt marschierte der Jahrmarktveranstalter zur Columbia Gramophone Company und fauchte die Männer an: „Bauen Sie mir die Dinger um, meinetwegen mit irgendwelchen Dingern, die man sich in die Ohren stecken kann.“ Statt erbost über die Kritik zu sein, nahmen sie sich die Jungunternehmer zu Herzen – und den Vorschlag wortwörtlich: so konnte man bald darauf auf vielen Jahrmärkten Menschentrauben sehen, die sich um die Phonographen drängten. Aus denen ragten bis zu zehn sogenannte Hörschläuche, mit denen die Besucher wie mit Stethoskopen den Aufnahmen lauschen konnten. Bald darauf eroberte der Phonograph die ganze Welt und die Columbia Phonograph Company wurde vor dem Ruin bewahrt.

Eigentlich gut, dass dem Veranstalter der Geduldsfaden gerissen ist: denn so wurde der Kopfhörer erfunden. Und der wiederum hilft mir heute, in Wartschlangen Geduld zu bewahren – mit entspannender Begleitmusik.

(K.Jäger)

Die Wahre Geschichte als Buch finden Sie in unserem Klassik Radio Shop. Die Wahre Geschichte zum Nachhören gibt es in unserer Mediathek oder im Programm von Montag bis Freitag um kurz nach 9 Uhr und kurz nach 17 Uhr und samstags um kurz nach 9 Uhr.

Wissen Sie eigentlich, woher das Wort Tabu kommt oder welcher Ersatzdino heute noch auf einer Insel lebt? Das erfahren Sie in den wahren Geschichten ausgewählt und kommentiert von Alexandra Berger und Patrick Singer.
   

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