Digitaler Musikunterricht live aus dem Konzertsaal

Die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz macht Musikvermittlung per Livestream

digitaler-musikunterricht-live-aus-dem-konzertsaal © Francesco Futterer
Durch die Schließung der Konzerthäuser entfallen nicht nur ganz normalen Konzerte, sondern auch eine Reihe von Education-Angeboten für Schülerinnen und Schüler.
Jochen Keller, Trompeter der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, hat sich deshalb gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen etwas einfallen lassen und das „Digitale Klassenzimmer“ ins Leben gerufen. Im Gespräch mit Klassik Radio hat er uns etwas darüber Projekt erzählt.

Schüler schnell erreichen

Wie so viele Ideen in diesem Jahr sei das „Digitale Klassenzimmer“ gewissermaßen aus der Not heraus entstanden: „Als der erste Lockdown kam, war das Thema E-Learning sofort in den Medien und uns sind die ganzen Konzerte und Instrumentenvorstellungen weggebrochen. Dann haben wir versucht zu überlegen, wie man das machen könnte. Wir konnten dann relativ schnell Schüler erreichen, die wir sonst gerne im Konzert gesehen hätten.“ - Jochen Keller. 

 

Alle Altersgruppen erreichen

„Es ist mein Ziel, Menschen aller Altersgruppen damit zu erreichen.“, erzählt Keller. Die eigentliche Zielgruppe seien zwar Schüler ab der dritten Klasse, mit dem „Digitalen Klassenzimmer“ wolle er aber ähnlich der „Sendung mit der Maus“ ein Format schaffen, das auch die ganz Kleinen und die schon etwas Größeren erreicht. „Ich habe aber gemerkt, dass das gar nicht so einfach ist, wenn ich dann mit meinen Musikerkollegen zusammen bin. Die sind alle natürlich totale Spezialisten in ihrem Thema und manch einer kann sich gar nicht mehr vorstellen, dass er erst das Prinzip der Tonerzeugung auf seinem Instrument erklären muss. Für den ist das einfach selbstverständlich und da versuche ich dann zu moderieren.“

Ein kleines „Erklärkonzert“

Auch wenn es der Name vielleicht vermuten lässt, macht Keller gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen alles andere als langweiligen Frontalunterricht: „Das Ganze ist eigentlich wie so ein kleines ‚Erklärkonzert‘ gedacht. Wir versuchen die Balance zwischen Ton und Musikbeispielen so auszupendeln, dass die Musiker auch ein bisschen was von sich erzählen. Wir kommen auf das Instrument, dessen einzelnen Teile und die Geschichte dahinter zu sprechen. Außerdem behandeln wir markante Stücke aus Orchester- und Sololiteratur. So geht dann ganz schnell eine dreiviertel Stunde vorbei.“

  

Stichwort Medienkompetenz

Die virtuellen Unterrichtsstunden finden als Livestream auf YouTube statt. Besonders im Zentrum steht dabei auch die Beteiligung der Schülerinnen und Schüler per Live-Chat: „Die Schüler haben auch die Chance, über einen Chat Fragen zu stellen. Diese Interaktivität ist in Bezug auf Medienkompetenzen total wichtig. Man sieht dann im Chat auch mal, wie sich gewisse Gruppen- oder Einzeldynamiken entwickeln, um zu Wort zu kommen. Ob das dann alles immer so qualifiziert ist, das sei mal dahingestellt. Vor allem ist das aber eine demokratische Sache und es gibt dann im Chat selbst auch Schüler, die ihre Mitschüler ermahnen. Der Umgang miteinander über ein digitales Medium muss ja auch erst geübt werden und das ist im Prinzip die erste Generation, die das so versucht.“

Aus Europa bis in den Orient

In den virtuellen Unterrichtsstunden geht es je um einen Musiker, der sein Instrument vorstellt: „Bis jetzt haben wir neun Orchesterinstrumente durch.“ Aber nicht nur die klassischen Orchesterinstrumente werden im „Digitalen Klassenzimmer“ behandelt: „Jetzt haben wir kürzlich noch ein neues Feld aufgemacht. Wir hatten am 19. November einen Stream aus der Universität Landau und da haben wir das Kanun, eine orientalische Zither, mit der Harfe verglichen. Wir wollen nicht nur das klassische Orchesterinstrumentarium behandeln, sondern arbeiten mit der orientalischen Musikakademie in Mannheim zusammen und wollen auch Instrumente, die außereuropäisch angesiedelt sind, vorstellen.“

1 zu 1 Unterricht mit Schulklassen

Für die Zukunft plant Keller einen noch direkteren Kontakt zu den Schülern: „Es wird möglich sein, dass Klassen direkt mit uns Kontakt aufnehmen. In den kommenden Tagen und Wochen wird bei uns in der Staatsphilharmonie ein kleines Studio installiert, wo meine Kollegen und ich sich mit Klassen und Lehrern verabreden können. Dann kann so etwas mit Hilfe einer virtuellen Videokonferenz quasi auch 1 zu 1 stattfinden und man ist so im direkten Austausch. Im Prinzip wie eine offene Unterrichtsstunde.“

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(N. Meier)
   

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