Ein Cello - drei Gewinner

Wie macht ein einziges Instrument drei Menschen glücklich?

ein-cello-drei-gewinner © Sergey Nivens
Geteilte Freude ist dreifache Freude heißt es bei der Cello-Patenschaft: denn jeder der Beteiligten hat etwas davon.

Gespräch unter Freunden - mit ungeahnten Folgen

Alfred Binner ist Geigen - und Cellobauer aus Erlangen. Doch in letzter Zeit hat er immer wieder Kunden, die gar kein Instrument spielen können. Sie kaufen auch kein Instrument für sich, sondern übernehmen eine so genannte “Cello- oder Geigenpatenschaft”, das heißt, sie kaufen ein Instrument und stellen es einem jungen Musiktalent kostenlos zur Verfügung, das selbst nicht die Mittel dazu hätte. Die Idee dazu kam Alfred Binner vor einigen Jahren bei einem Gespräch mit einem Freund, der ihm erzählte, dass er sein Haus verkaufe. "Da ich mit meinen Instrumenten Ausstellungen an Hochschulen mache, weiß ich, wo die Bedürfnisse liegen, junge Talente zu unterstützen. Und ich hab zu ihm, halb im Spaß gesagt: Komm, wenn Du Dein Haus verkaufst, dann kauf doch ein Instrument bei mir und ich kann es dann an Talentierte weitervermitteln. Zwei, drei Monate später kam er und sagte: ich kaufe ein Cello." 

Fast 100 Prozent der Cello-Käufer sind keine Musiker

Mittlerweile haben durch die Patenschaften 14 Celli und Geigen ihren Weg zu jungen Musiktalenten gefunden. Alfred Binner ist dabei viel unterwegs, denn er bringt die Instrumente immer zu den jungen Musikern, damit sie sie ausprobieren können, und wenn es bis nach Budapest oder Paris ist. Schließlich muss das Instrument zur Person passen. Bei Geigen hat er eine kleine Auswahl dabei, beim Cello gibt es meist nur Eines, das passt - oder auch nicht. Zudem fungiert er als eine Art Kontakbörse: er hat ein Netzwerk zu Professoren und Professorinnen, Musiklehrern und Musiklehrerinnen aufgebaut. So erfährt er, wenn ein Instrument benötigt wird oder gibt Bescheid, wenn wieder eines fertiggestellt wurde. Die Sponsoren kommen oft aus dem Bekanntenkreis oder durch Mund-Propaganda und sind meist keine Musiker: "fast 100 Prozent der Käufer sind keine Musiker, sondern Laien, die soziales Engagement haben, die wollen junge Leute unterstützen. Da ist das Geld da und das wird dann angelegt letztendlich", erklärt Alfred Binner. 

"Was tust Du denn mit einer Geige?"

So hat es auch Ruth Fleischmann aus Haundorf in Mittelfranken gemacht. Durch einen Bekannten erfuhr sie von der Initiative: "Er hat erzählt, er sei eigentlich recht unmusikalisch, aber er habe sich jetzt eine Geige gekauft. Da habe ich gemeint: was tust Du denn mit einer Geige?" lacht Ruth Fleischmann.  Der Bekannte erzählt von der Geigen- und Cellopatenschaft und sie ist begeistert. Sie spricht Alfred Binner an: "er sagte: 'Hm, Geige oder Cello?' Ich meinte: "Geige gefällt mir nicht so gut, die hör ich nicht so gern. Aber Cello! Den Klang, den find ich viel schöner! Ich kauf ein Cello!"

It's a match!

Gesagt, getan - und auch ein Talent ist bald gefunden. Denn in Wien trifft Alfred Binner auf Liliana Kehayova, eine junge Cellistin aus Bulgarien, die gerade in Wien ihr Cello-Studium abgeschlossen hat. "Ich habe mit dem Cello meiner Professorin gespielt, es war ihr Zweitinstrument. Doch nach dem Studium habe ich es ihr zurückgegeben, ich hatte also kein eigenes Instrument. Das war eine komische Zeit für mich, ich dachte mir 'was mache ich jetzt'" beschreibt die Musikerin ihre damalige Situation. Bei einer Ausstellung von Alfred Binner bietet er ihr an ein Cello auszuprobieren. Liliana Kehayova beginnt zu spielen - und ist begeistert. Als ihr Alfred Binner erklärt, sie könne das Cello sogar umsonst haben, kann sie es zunächst nicht glauben. Doch als sie von der Cello-Patenschaft erfährt, ist sie überzeugt. Kurze Zeit später findet sich auch eine passende Sponsorin: Ruth Fleischmann.

Aus Patenschaft wird Freundschaft

Die beiden möchten sich unbedingt kennenlernen und treffen sich in Wien - es ist sofortige Sympathie. Seitdem hat sich eine Freundschaft aus der Patenschaft entwickelt - sie telefonieren regelmäßig, Ruth Fleischmann besucht immer wieder Konzerte der Musikerin. "Wenn sie mir dann so Sachen erzählt, dass sie z.B. in Italien ein Konzert gespielt hat und danach kam ein Herr aus dem Publikum auf sie zu und hat gefragt, welchen Italiener sie spielt -  das erzeugt einen unglaublichen Stolz, kann ich ihnen sagen", berichtet sie. Schließlich gelten bei Streichinstrumenten immer noch oft alte Instrumente bestimmter Marken als die Besten, oft verbunden mit einer gewissen Aura, wenn im Konzert angekündigt wird: das Talent spielt mit einer Stradivari oder ähnlichem. Die Sponsorin selbst spielt gerne Saxophon, ist eher im Jazz verwurzelt - doch durch Liliana Kehayova hat sie wieder einen neuen Zugang zur Klassik gefunden. "Das tut mir auch sehr gut", meint sie. Überhaupt habe diese Patenschaft ihr Leben unglaublich bereichert, da sie durch die Freundschaft und eine enge Verbindung zu aktiven guten Spitzenmusikern der Klassik-Szene in eine neue Welt eintauchen konnte, die für sie neu war. "Das ist einfach schön", erklärt sie. 

Eine ganz andere Lebensperspektive

Auch Liliana Kehayova's Leben hat sich durch die Patenschaft gewandelt: allein das jemand so an einen glaubt, gäbe einem neue Mut weiterzumachen und weiterhin sein Bestes zu geben. Nicht aufzugeben, auch wenn die Musikerwelt oft hart sei. "Das was ich erfahren habe und allein, dass ich weiß, dass es solche Menschen gibt - das gibt mir eine ganz andere Lebensperspektive, das hat mich schon sehr verändert und hat mir viel gegeben.", erklärt die junge Musikerin . 

Es gibt nur Gewinner

Doch auch, wenn vielleicht nicht jede Patenschaft so innig ist wie die von Liliana Kehayova und Ruth Fleischmann, lohnt sie sich: schließlich wächst der Wert des Instruments mit der regelmäßigen Nutzung und durch das Spiel des jungen Musikers. Ganz anders also als z.B. bei einem Auto. Ruth Fleischmann fasst es zusammen: "Jeder hat etwas davon: wer das Geld gibt und das Instrument kauft, hat eine langfristige, tolle Geldanlage. Denn das Instrument wird ja immer wertvoller, wenn es gut und regelmäßig gespielt wird. Der junge Musiker kann sein Talent und sein Können entfalten, mit einem guten Instrument. Und der Geigenbauer kann ein Instrument verkaufen. Es hat also jeder nur Gutes davon." 

(K.Jäger)

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