Ein Hauch von London in Berlin (-Britz)

Premiere und Berliner Erstaufführung

ein-hauch-von-london-in-berlin-britz © Christian Brachwitz
Mit der Oper "L'Italiana in Londra" von Domenico Cimarosa wird der Kulturstall Britz in Berlin in einen magischen Ort der Hollywood-Blockbuster und Serien Highlights verwandelt.

Oper im Schloss Britz

Das Festival Schloss Britz widmet sich seit Jahren der Wiederentdeckung von vergessenen, aber damals berühmten Werke großer Komponisten u.a. der Opera buffa.

In diesem Jahr fand die Berliner Erstaufführung der Oper "L'Italiana in Londra" von Domenico Cimarosa statt. Am vergangenen Freitag war die Premiere.

Sommeroper beim Festival Schloss Britz 2018

Was haben Harry Potter, Big Bang Theoriy, Matrix, Game of Thrones und Oper gemeinsam? "Ausgangsfrage war, was könnte diese Oper aus dem 18. Jahrhundert mit uns heute noch zu tun haben? Wo finden sich Gemeinsamkeiten zu heute, wie kann man eine Brücke ins heute schlagen? Wir hatten die Erkenntnis, dass die Figuren, die da auf der Bühne sind, eigentlich allesamt heimatlos sind und etwas suchen. Suchende Flüchtlinge im weitesten Sinne - Flüchtlinge und Bahnhof war dann nicht mehr ganz so weit weg voneinander", erzählt uns Oliver Trautwein, Regisseur bei der diesjährigen Sommeroper des Festivals Schloss Britz. "Wir haben den Humor von damals übersetzt - da es in England am Bahnhof spielt, haben wir gesagt, wir versuchen, alle Zitate der aktuellen Popkultur im weitesten Sinne lustvoll mit einzubringen, sofern es etwas mit England zu tun hat. Alle britischen Archetypen tauchen darin auf: die Queen, Harry Potter, Hamlet", so Oliver Trautwein. "Die Kulisse ist eine künstlerische Nachempfindung des real existierenden Bahnhofs King's Cross."

Foto: Christian Brachwitz

Worum geht es?

"Ein kleiner Lord verliebte sich im italienischen Genua in eine wunderschöne Genueserin. Der Vater war komplett gegen diese Verbindung und schickte den Lord um die halbe Welt. Die kleine, verliebte Genueserin wusste nicht, dass der Vater dahintersteckt, sucht ihren Lord und landet schließlich in England, wo sie ihn aber nicht findet. Im Laufe des Stückes begegnen sich die beiden. Die kleine, süße Italienerin ist aber stinksauer, dass er sie, wie sie glaubt, verraten hat. Es entstehen Missverständnisse und Ungläubigkeiten. Zugleich wird sie auch noch umgarnt von mindestens zwei verschiedenen anderen Figuren und hat eine Bahnhofsbesitzerin als Freundin gewonnen, eine Kioskbesitzerin. Und dort entstehen innerhalb dieser Paarungen unglaubliche Missverständnisse und Irrungen und Wirrungen. Und wie es ausgeht, das wird nicht verraten - das muss sich jeder selber angucken", schmunzelt der Regisseur Oliver Trautwein.

Ein begeisterndes Ensemble

"Durch die Verortung an einem Bahnhof ergeben sich besonders viele, lustige Spielmöglichkeiten", so Tobias O.  Hagge, der die Partie des Don Pomodoros sang. Der Bassbariton hat mit seinem Charme die Herzen der Damen im Publikum an dem Abend für sich gewinnen können. Auch die Sopranistin Andrea Chudak begeisterte mit ihrer Rolle als Miss Brilliant: "Das Bühnenbild bietet alles, was man aus englischen Serien, Filmen und Geschichten kennt: Gleise inkl. dem 9 ¾ -Gleis vom Kings Kross, eine rote Telefonzelle oder einen grünen, mit Werbung beklebten Kiosk samt Stehtisch", erzählt die Sopranistin, die mit ihrer Darbietung die Lachmuskeln des Publikums kräftig beansprucht hat.

Dirigent und Akteur zugleich

"Das mehrfach gefütterte Wollmanteloutfit bei 37 Grad war natürlich auch eine Herausforderung", schmunzelt der Bariton Andreas Elias Post, der für seine Rolle als britischer Adeliger Lord Aspirin viel Beifall bekam. Ein weiteres Highlight des Abends waren der Dirigent Stefan R. Kelber, zusammen mit seinem Kammerorchester Schloss Britz. Kelber war nicht nur am Pult zu erleben: "Wo sonst darf ein Dirigent eine Sprechrolle übernehmen? Schreien, schimpfen, Panflöte spielen, rennen, pfeifen, Türgeräusche nachmachen, einen ICE mit dem Kopf verfolgen. Eine tolle Möglichkeit für jeden Dirigenten, bestehende Grenzen aufzubrechen" erzählt uns der musikalische Leiter. Ein Teil des Applauses galt an dem Abend auch dem von ihm souverän und sehr musikalisch geführtem Kammerorchester Schloss Britz. "Bevölkert" wurde das Bühnenspektakel an diesem Abend von einem Schauspieler, der gleich mehrere Rollen einnahm: Björn Wunsch schlüpfte in Röcke, Tütüs und Hamlet-Gamasche. Das Publikum konnte nicht mehr vor Lachen.

Eine wütende Italienerin und ein dubioser Geschäftsmann

"Die Italienerin Livia ist die ganze Zeit sauer und beleidigt auf ihren Lord, das zu spielen macht riesigen Spaß. Aber sie hat auch eine sehr sanfte Seite, was für mich eine tolle Herausforderung ist", erzählt Katharina Ajyba, die ihre Partie als Hauptdarstellerin des Abends mit virtuosen Koloraturen zum Besten gab. Mit seiner Darbietung als dubiosen Geschäftsmann holländischer Abstammung hat auch Julian Rohde mit Spielfreude und strahlendem Tenor die Zuschauer verzückt: "Das Schöne an dieser Inzenieung ist, dass sich jeder irgendwie darin irgendwie wiederfinden kann. Für alle ist etwas dabei - und wer noch nie in der Oper war, für den ist dies der perfekte Einstieg."

Weitere Termine

Das Festival Schloss Britz wird noch drei weitere Aufführungen von "L'Italiana in Londra" von Domenico Cimarosa zeigen. Die Termine finden allesamt im Kulturstall & Schloss Gutshof Britz statt:
  • Freitag 17. August um 19.30 Uhr
  • Samstag 18. August um 19.30 Uhr
  • Sonntag 19. August um 16.00 Uhr

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