Eine unvergessene Legende: Jessye Norman

Die Sängerin wäre heute 75 geworden

eine-unvergessene-legende-jessye-norman © www.jessyenormanschool.org
Heute wäre es so weit gewesen: Opernlegende Jessye Norman hätte ihren 75. Geburtstag gefeiert. Doch das Schicksal wollte es anders. Im vergangenen Jahr hat sie die Bühne für immer verlassen – wir feiern die Jahrhundertsopranistin mit einem Portrait.
Viel Zeit wollte Jessye Norman am Beginn ihrer Karriere offensichtlich nicht verlieren. Nach dem ersten großen Erfolg in Europa hagelte es förmlich Engagements und Angebote für die Sopranistin aus dem amerikanischen Süden. Dabei war dieser Aufstieg alles andere als selbstverständlich.

Aufstieg mit Schallgeschwindigkeit

Als Tochter eines Versicherungsagenten und einer Lehrerin wurde Norman zwar früh mit klassischer Musik konfrontiert, jedoch war eine Karriere in der Branche lange Zeit nicht vorstellbar. Damals wie heute sind afro-amerikanische KünstlerInnen in der Klassik-Szene unterrepräsentiert. Und gerade in den 1960er Jahren bedeutete Schwarz zu sein eine noch größere Hürde.

Doch Jessye Norman nahm genug Anlauf, um diese Hürde zu meistern, und das Resultat war ein Aufstieg der seines Gleichen suchte: Nach einem Musikstudium in den USA brachte ihr Sieg 1968 beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD den Stein ins Rollen. Prompt folgte ein vierjähriges Engagement an der Deutschen Oper in Berlin und eine enge Zusammenarbeit mit Stardirigent Claudio Abbado. Von Verdi bis Wagner sang die Sopranistin Anfang der 70er Jahre alle bedeutenden Frauenrollen, und verlieh der Opernwelt eine neue Facette.
Künstlerische Wandlungsfähigkeit

Eine wichtige Entscheidung

Jede große Künstlerin kommt aber irgendwann mal an den Punkt, an dem sie sich hinterfragen muss. Bei Jessye Norman war dieser Punkt Mitte der 1970er Jahre gekommen. Die Frage lautete Oper oder Sololied, und die Sopranistin entschied sich zur Überraschung vieler für Zweiteres. Und der Erfolg gab ihr auch Recht.

Vielbeachtete Liederabende bei den Salzburger Festspielen und eine Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan waren das Resultat. Doch endlos zufrieden war sie auch damit nicht. Die Rückkehr zum Ursprung war der nächste logische Schritt für die Künstlerin. Mit Henry Purcells „Dido and Aeneas“ feierte Norman 1982 ihr großes Comeback auf der Opernbühne, der sie bis zum Ende ihrer Karriere treu blieb.

Klassik und darüber hinaus

Als musikalische Grenzgängerin betrat Norman ab den 1990er Jahren mehrmals Neuland. Gleich zweimal sang sie etwa bei einer Amtseinführung eines US-Präsidenten. 1996 folgte dann der Höhepunkt: Norman durfte die olympischen Sommerspiele in ihrem Heimatstaat Georgia eröffnen. Dabei blieb die Sopranistin aber stets am Boden.

Der „Jessye Norman School of Arts“ in ihrer Heimatstadt Augusta lieh die Künstlerin etwa bereitwillig ihren Namen, und auch einige ihrer Grammys. Die stehen seither im Büro des Direktors: “She’s bigger than life in almost everything she does […]” (Atlanta Journal-Constitution) (dt.: Sie ist überlebensgroß, mit allem, was sie macht.“), meinte dieser einmal in einem Interview.

(A. Greif)
   

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