"Es ist zu spät, wenn alle Filme fertig sind"

Berlinale-Chefin Mariette Rissenbeek zu den genderneutralen Kategorien

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Bester Hauptdarsteller und beste Hauptdarstellerin, beste Nebendarstellerin und bester Nebendarsteller - so kannten wir es bisher bei sämtlichen Filmpreisen. Bei der Berlinale wird sich das ändern, wie man letzte Woche bekannt gab.
Beste Darstellung einer Hauptrolle, beste Darstellung einer Nebenrolle - so nennen sich die neuen Kategorien und für diese Änderungen erntete man bei der Berlinale Kritik. Vor allem Pro Quote Film sieht damit die Rolle der Frau geschwächt, genderneutrale Kategorien, wie beste Regie, hätten gezeigt, dass dann nur noch Männer zum Zuge kommen. Wirbel um die genderneutralen Kategorien. Was sagt Berlinale-Chefin Mariette Rissenbeek zu der Kritik, warum wurden die Kategorien geändert und warum jetzt? Wir haben nachgefragt.

"Es ist zu spät, wenn die Filme fertig sind und bei einem Festival laufen"

Auch bei der Berlinale sei man dafür, dass Frauen bevorzugt behandelt werden, aber da müsse man deutlich früher ansetzen, so Rissenbeek: "Wir möchten das bei der Produktion ansetzen, es sollen mehr Frauen einbezogen werden, bessere Drehbücher geschrieben werden für Frauen, Filme, die interessantere Hauptfiguren haben für Frauen, produziert werden. Ich finde, dass es zu spät ist, wenn die Filme fertig sind und bei einem Festival laufen."

Lange Beobachtung habe zur Entscheidung geführt

Man habe die Debatte um Gleichberechtigung bei der Berlinale in den letzten Jahren stark verfolgt und wolle nun mit der Gestaltung der Preise 2020/21 einen Schritt gehen, der zum Nachdenken anregt und für Veränderung steht: "Wir haben nicht damit gerechnet, dass so ein herber Rückschlag kommt", so Rissenbeek.

Die Jury hat eine hohe Verantwortung

Aber noch gibt es mehr starke Rollen für Männer, wie soll also Sichergestellt werden, dass die Frauen nicht untergehen? Hier sehe sie die Jury in der Verantwortung. Frauen und Männer sind gleich viel wert und eine Jury in 2020/21 mache sich viele Gedanken darüber, die Filmschaffenden seien sensibilisiert, was das Thema angeht.

Bei der Berlinale sei man offen für eine Debatte. Die Aufmerksamkeit, die diese Kategorie-Änderung nun bewirkt hat, sei eine Möglichkeit, noch mehr über das Thema nachzudenken. Es werde sich nicht alles sofort ändern, aber auf lange Sicht komme es hoffentlich zu einer Stärkung der Frauen, indem sie sich nicht mehr in einem geschützten Raum ohne männliche Konkurrenz befänden, sondern auf Augenhöhe konkurrieren können.

(K. Jäger/ A. Baumgart)

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