Fazil Say: Protest-Konzert im Wald

Mit Musik gegen die Abholzung für Goldmine

fazil-say-protest-konzert-im-wald © Youtube / euronews (deutsch)
Der türkische Pianist Fazil Say hat ein Konzert in einem türkischen Wald gegeben, der von der Abholzung bedroht ist. Dort soll demnächst Gold geschürft werden.

Fazil Says Protestkonzert

Der türkische Pianist, Komponist und Bürgerrechtler Fazil Say hat in einem Wald der Provinz Canakkale im Nordwesten der Türkei ein Protest-Konzert gegeben. Damit demonstrierte Say gegen die Abholzung des Waldgebiets, in dem eine kanadische Bergbaufirma in den nächsten sechs Jahren Gold schürfen will. Beim Abbau soll auch hochgiftiges Zyanid verwendet werden.

Für diesen Anlass spielte er ein eigens für den bedrohten Wald komponiertes Werk. Nach dem Open Air Konzert, zu dem sich tausende Demonstranten versammelten, zog ein Marsch der Protestierenden zum geplanten Standort des Bergwerks.



Auf dem sozialen Netzwerk Twitter hatte Say zum Konzert eingeladen und mitgeteilt, dass er damit helfen wolle, dem Massaker der Natur ein Ende zu setzen. „Wir müssen für das Leben sein“, schrieb der 49-Jährige.

In der Provinz Canakkale leben viele seltene Tiere und Pflanzen. Sie ist ebenfalls ein wichtiger kultureller Ort, unter anderem befindet sich in Canakkale die antike Stadt Troja.

Die Protestanten fürchten ebenfalls um ihre eigene Gesundheit: so könnten die eingesetzten giftigen Chemikalien ins Trinkwasserreservoire gelangen und so das Grundwasser verschmutzen.
 

Massive Proteste gegen die Zerstörung.

Bereits seit Ende Juli demonstrieren zehntausende Aktivisten gegen die vorangehende Abholzung des Waldes im Ida-Gebirge. 2010 kaufte die kanadische Firma Alamos Gold das Waldgebiet für rund 90 Millionen Dollar. Am Goldertrag sei die Türkei mit 4,5 Prozent beteiligt.

Den Protestierenden zufolge sollen bereits über 200.000 Bäume gerodet worden sein, mehr als in einem 2013 veröffentlichten Umweltplan vorgesehen waren. Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge wurden nur 13.400 Bäume abgeholzt.

Der türkischen Tageszeitung „Hürriyet“ gegenüber sagte der Forstwissenschaftsprofessor Doganay Tolunay von der Universität Istanbul, dass in den vergangenen zehn Jahren der Abbau von Rohstoffen in der Türkei große Ausmaße angenommen habe.

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In seiner Heimat Türkei ist Fazil Say nicht nur mit seiner Musik, sondern auch als Bürgerrechtler aktiv. Das Verhältnis zur türkischen Regierung ist dabei sehr ambivalent. 2012 wurde Say für seine Äußerungen in Istanbul wegen „Verletzung religiöser Werte“ für zehn Monate Haft auf Bewährung verurteilt. Von dieser Strafe wurde er 2016 in dritter Instanz freigesprochen.

Die Kritik an den Entwicklungen in seiner Heimat übt Say auch mit der Kunst: so komponierte er 2017 anlässlich der Gezi-Park Proteste in Istanbul die Gezi-Park Klavierzyklus.

Umso überraschender war es, als im Januar 2019 der türkische Präsident Erdogan in Ankara ein Konzert von Pianist Fazıl Say besuchte.
   

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