"Gänsehaut wieder Applaus zu spüren"

Norddeutsche Philharmonie Rostock in voller Stärke

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Pilotprojekt sorgt dafür, dass die Norddeutsche Philharmonie Rostock mit 70 Musikern statt Corona-Besetzung in die Saison starten kann.

Vollbesetzung statt Coronaleere

Auch wenn das kulturelle Leben langsam wieder in die Gänge kommt...in den Konzertsälen und auch auf den Bühnen ist es normalerweise sehr viel leerer als sonst. Deshalb war der Saisonstart der Norddeutschen Philharmonie Rostock ein ganz besonderes Highlight: 70 Musiker spielten auf der Bühne. Möglich macht das ein Pilotprojekt, das neben vordefinierten Gruppen innerhalb des Orchesters auf regelmäßige Corona-Tests in Kooperation mit einem Rostocker Bio-Tech-Unternehmen setzt. Auf den Weg gebracht haben es Chefdirigent Marcus Bosch und der Intendant des Volkstheaters Rostock, Ralph Reichel, gemeinsam mit dem genannten Unternehmen. 

Coronatest per Kurier

"Das sind keine Schnelltests, das sind ganz normale Rachenabstriche, die eingeschickt werden ins Labor. Die Musiker, die von außen kommen, bekommen den zugestellt und er wird mit Kurierdienst abgeholt, so dass er am selben Tag ins Labor kommt und am nächsten Tag vorliegt, so dass der Musiker weiß, er kann zur Probe gehen oder eben nicht", erklärt Marcus Bosch, Chefdirigent der Norddeutschen Philharmonie Rostock.

Wie in der Schule

Wichtig sind auch die festen Gruppen innerhalb des Orchesters - dabei variiert die Zahl von zwei bis 70: "Das ist im Prinzip wie es in Schulen ist - wo man sagt: "Klasse 5 und 6 können sich zusammen bewegen. So ist das bei uns auch mit unterschiedlichen Gruppen: das Orchester ist eine Gruppe, der Chor ist eine Gruppe und so geht die Gruppenbildung durchs Haus. Wenn also etwas ausbricht, muss nur die Gruppe in Quarantäne und nicht das ganze Haus. Zwischen den Gruppen muss prinzipiell der Abstand eingehalten oder Masken getragen werden, wenn sie miteinander zu tun haben", erklärt Ralph Reichel, Intendant und Geschäftsführer des Volkstheaters Rostock.

Großer finanzieller Aufwand

Nach dem Test müssen sich die Musiker zum Glück nicht von ihrer Familie isolieren - doch wenn sie vor Ort sind, folgt ein zweiter Test. Dabei kommen ganz schön viele Tests zusammen - ein finanzieller Aufwand, der nicht zu unterschätzen ist: "Bei uns wäre es in diesem Umfang wirtschaftlich nicht umsetzbar. Es gibt aber Häuser, die haben ein deutlich höheres Budget, da ist es nicht so das Problem. Dann gibt es ja auch unterschiedliche Teststrategien und Mengen, die kann man dann anpassen", meint Ralph Reichel. 

15 Projekte bundesweit

Marcus Bosch ist nicht nur Chefdirigent der Norddeutschen Philharmonie Rostock, sondern auch Vorsitzender der Vereinigung ChefdirigentInnen und GeneralmusikdirektorInnen. In dieser Funktion hat er die Erweiterung des Pilotprojektes angeregt: "im Moment laufen 15 Projekte bundesweit an, Schwerin ist da z.B. dabei, Giessen hat eine Opernpremiere hinter sich - die lassen das komplette Haus testen  - also auch Chor und Solisten und und machen so auch Aufführungen, bei denen das Orchester im Graben ist, möglich. Natürlich immer in Abstimmung mit dem jeweiligen Gesundheitsamt", erläutert der Chefdirigent.  

Und auch am Volkstheater Rostock träumt man von weiteren Schritten: "Wir würden natürlich auch gerne wieder große Opern mit Orchester im Graben machen", meint Intendant Ralph Reichel. 

Da trampelt das Publikum

Doch schon jetzt ist das Gefühl, ein volles Orchester zu hören und zu leiten, unbezahlbar, beschreibt Marcus Bosch: "Die Gänsehaut, wieder Applaus zu spüren und dann trampelt das Publikum. Das ist ja doch ein großer Teil wofür wir als Musiker leben. Ich sag immer: ich hab das Gefühl, mir ist mein musikalisches Leben wieder geschenkt worden." 


(K.Jäger)

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