Gutachten entlastet Serebrennikov

Aufwind für den kreml-kritischen Regisseur

gutachten-entlastet-serebrennikov © Youtube / Click Heart
Ein vom Gericht in Auftrag gegebenes Gutachten entlastet Regisseur Kirill Serebrennikov. Wegen angeblicher Veruntreuung von Staatsgeldern stand dieser anderthalb Jahre unter Hausarrest.

Gutachten entlastet Serebrennikov

Der Moskauer Opern- und Theaterregisseur Kirill Serebrennikov wird in dem gegen ihn geführten Prozess wegen angeblicher Veruntreuung staatlicher Fördergelder durch ein zweites Gutachten entlastet. Dieses war vom Gericht in Auftrag gegeben und kommt zum Schluss, dass das besagte Projekt, mit dem Serebrennikov Gelder veruntreut habe, tatsächlich mehr gekostet haben soll als die bereitgestellten Fördergelder.

In der Anklage hatte die Staatsanwaltschaft in einem ersten Gutachten behauptet, der Regisseur habe in Millionenhöhe Gelder für Projekte bezogen, welche nie umgesetzt wurden. So soll eine Summe von 200 Millionen Rubel, umgerechnet ca. 2,7 Millionen Euro, unterschlagen worden sein.

Für diese angebliche Veruntreuung hatte man Serebrennikov im August 2017 festgenommen und unter Hausarrest gestellt. Für anderthalb Jahre hatte der Regisseur seine 33 Quadratmeter große Wohnung in Moskau nicht verlassen dürfen und hatte in dieser Zeit weder Internet- noch Telefonzugang und kaum Kontakt zu Menschen.

 

„Kulturell wichtiges Projekt“

Serebrennikovs Theaterprojekt nennt die Richterin im Gutachten laut Spiegel-Online ein „kulturelles Projekt“. Dieselbe Richterin entließ den russischen Regisseur überraschend im April 2019 frei, wobei die Anklage bestehen blieb und dem Regisseur der Pass entzogen blieb. Für Ausreisen aus der Stadt musste er die Polizei um Genehmigung bitten.

Serebrennikovs Verteidigung fordert die Einstellung des Verfahrens gegen den 49-jährigen Regisseurs.

 

Kirill Serebrennikov

Serebrennikov ist der künstlerische Leiter des Moskauer Gogol-Zentrums, einer Theater-Werkstatt, welche staatlich gefördert wird. Hier inszenierte Serebrennikov Werke wie u.a. Gogols „Die toten Seelen“ oder in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut „Machine Müller“.

Die Verhaftung des Regisseurs löste weltweit große Kritik aus und wurde als Strategie der russischen Regierung gewertet, um kremlkritische Künstler zu zensieren.

Auch während seines Hausarrests realisierte Serebrennikov mehrere Projekte im Ausland. Ohne Telefon und Internetzugang kommunizierte er mithilfe seines Anwalts mit den ausländischen Opern- und Theaterhäusern, um sich mit den Ensembles abzustimmen und seine Inszenierungen umzusetzen.


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Am 8. April 2019 wurde Kirill Serebrennikov überraschend entlassen. Noch am 3. April 2019 hatte das Gericht Serebrennikovs Hausarrest verlängert. Dennoch gelang es dem Regisseur, aus der Ferne Projekte zu realisieren: so inszenierte Serebrennikov vom Hausarrest aus die Verdi-Oper Nabucco an der Hamburger Staatsoper.
   

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