Handyklingeln aus der Peterskapelle Luzern

Eine Aktion, die zum Nachdenken anregt

handyklingeln-aus-der-peterskapelle-luzern © Urban Schwegler
Stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch die Stadt und plötzlich klingelt ein Handy - aber nicht in der Hosentasche des Nebenmannes, sondern verstärkt aus dem Kirchturm - kein Witz!

Handyklingeln statt Glockengeläut

Bis vor ein paar Tagen führte die Peterskapelle in Luzern in der Schweiz eine interessante Aktion durch.

Andreas Rosar, Mitarbeiter des City Pastoral der Katholischen Kirchen Luzern erklärt uns die Hintergründe dazu.

Die Peterskapelle wird renoviert

"Durch Renovierungsarbeiten ist die Peterskapelle etwas aus dem Blickfeld der Passanten geraten, weil sie sich hinter Baufeld befindet. Wir haben uns überlegt, es wäre dennoch schön, wenn diese Kapelle trotzdem zum Nachdenken anregen würde. Daher haben wir ein Wettbewerb ausgeschrieben für Studenten der Hochschule für Design und Kunst in Luzern", erzählt uns Andreas Rosar, Mitarbeiter des City Pastoral der Katholischen Kirchen Luzern. 

Es gabe viele Bewerbungen

"Das Projekt mit dem Titel "Zeitzeichen" hat uns am besten gefallen, da es die Frage aufwirft, was ist eigentlich das Geräusch, das unseren Alltag momentan bestimmt oder vielleicht die Struktur des Alltags auch zerstört und das ist das Klingeln des Handys. Also wollten wir mal schauen, wie man es wahrnimmt, wenn wir dieses Geräusch mal oben im hohen Turm positionieren", so der Theologe.

Handyklingeln aus einem Kirchturm - geht das?

"Es geschieht über einen Verstärker mit Boxen. Die Lautstärke wurde hierbei an die Größe des Platzes angeglichen, so das es weder zu laut noch zu leise ist - es soll ja nicht belästigen, sondern irritieren", schmunzelt Andreas Rosar.

Warum das Ganze?

"Es soll zum Nachdenken anregen. Welche Erkenntnis man daraus haben sollte, das liegt natürlich beim Empfänger selbst. Welche Bedeutung messen wir der Kommunikation bei? Welche Bedeutung messen wir der Stille bei? Und was hat das mit der Struktur unseres Alltags zu tun? Das sind Fragen, die wir uns stellen.", so der Theologie Andreas Rosar.

Reaktionen der Passanten

"Besonders berührend war eine Familie, die ziemlich lange am Platz unterhalb der Kapelle stand. Die sind extra von weit her angereist und warteten knapp eine halbe Stunde, weil der kleine Sohn einmal unbedingt den Klingelton aus dem Turm hören wollte. Darüber hinaus gab es natürlich auch sehr viele irritierende Blicke," erzählt uns Andreas Rosar.

Aktion früher beendet

"Es gab natürlich das, was wir befürchtet haben: die Anwohner protestierten nach kurzer Zeit vehement. So sind wir gemeinsam mit den Verantwortlichen der Stadt, die diese Aktion auch bewilligt haben, zu dem Kompromiss gekommen, dass wir die Aktion früher abbrechen, als geplant.", so der Theologe.

Fazit: Top oder Flop?

"Ich denke schon, dass es ein Top ist", so Andreas Rosar. "Es hat mit einfachen Mitteln wesentliche Gedanken auf den Punkt gebracht. Wir sind natürlich froh, dass es das alte Geläut bald wieder geben wird, aber wir sind auch froh über die Diskussionen und Gespräche, die wir in der letzten Zeit durch diese Aktion bekommen haben."
   

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