"Ich bin insgesamt optimistisch"

Ein Orchestermusiker im Homeoffice erzählt

ich-bin-insgesamt-optimistisch © Bad Reichenhaller Philharmoniker
Fred Ullrich ist Stimmführer der zweiten Geigen bei den Bad Reichenhaller Philharmonikern, dem ersten Orchester in Deutschland, das seinen Betrieb vor knapp zwei Wochen im Rahmen des Lockdowns im Berchtesgadener Land wieder komplett herunterfahren musste.
Im Gespräch mit Klassik Radio hat er uns von seinen Erfahrungen berichtet.

Reaktion auf die schlechte Nachricht

„Zuallererst habe ich natürlich geschluckt. Wir haben alle geglaubt, gut durch das Frühjahr und den Sommer gekommen zu sein“, so Ullrich. In den Herbstferien gingen die Infektionszahlen dann aber im gesamten Berchtesgadener Land rasant in die Höhe und das Landratsamt musste am 22. Oktober mit einer Allgemeinverfügung reagieren.

Stimmungsbild im Orchester

„Mit gebundenen Händen zu Hause zu sitzen und in Kurzarbeit zu sein, das ist ein sehr ungutes Gefühl“, berichtet Ullrich, „Wir möchten viel lieber miteinander musizieren und vor allem für unser Publikum da sein.“ Im Orchester herrscht angesichts dieser Lage Frustration. „Wir haben uns im Konzertbetrieb alle an die Hygieneschutzmaßnahmen gehalten und sind dahingehend sogar teils härter gefahren, als es notwendig gewesen wäre.“

Bereits ab Mitte Juni spielte das Orchester wieder im Regelbetrieb und das völlig infektionsfrei. „Es lässt sich letzten Endes aber ja auch nicht vermeiden, dass die Menschen ein Leben vor und nach dem Konzert haben und jetzt müssen leider auch die Leute, die sich streng an die Maßnahmen gehalten haben, so empfinde ich es, büßen.“

Musikeralltag im Homeoffice

Die Vorstellung eines Orchestermusikers im Homeoffice erscheint äußerst seltsam. Es gibt allerdings einiges zu tun, auch wenn mit dem Orchester vom Wohnzimmer aus natürlich nicht geprobt und aufgetreten werden kann: „Ich mache das Notenarchiv mal wieder etwas neu, schreibe selbst Noten und mache Hausaufgaben mit meinen Kindern. Das Instrument nimmt man natürlich auch mal aus dem Kasten, um sich selber fit zu halten“, erzählt Ullrich, „Die drei Monate im Frühjahr haben uns geprägt, also ist mittlerweile zu Hause auch schon wieder eine gewisse Routine vorhanden.“

Positiver Blick in die Zukunft

„Ich bin insgesamt optimistisch!“, sagt Ullrich, „Irgendwann muss es ja auch mal wieder weiter gehen und ich glaube, dass die Bad Reichenhaller Philharmoniker hier im touristisch geprägten Berchtesgadener Land ihren Teil dazu beitragen werden, dass auch die Touristen wieder kommen.“

Trotz dieser positiven Grundhaltung, macht er sich aber natürlich auch Sorgen: „Jetzt geht es wirklich an die Existenzen und ich hoffe, dass es auch der Letzte kapiert hat: Mit diesem Virus sollte man nicht spaßen!“

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(N. Meier)
   

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