Im Dschungel der Bio-Siegel

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Bio oder nicht bio, das ist hier die Frage: Erfahren Sie mehr über die wichtigsten Bio-Siegel in Deutschland.

Siegel-Wirrwarr

Unser Bewusstsein für einen rücksichtsvollen Umgang mit der Umwelt wird immer größer. Bioprodukte sind so gefragt wie nie, allerdings wächst auch die Verwirrung um die mittlerweile recht stattliche Zahl von über hundert Biosiegeln und deren Bedeutung.

Lobbyismus

Biologische Herstellung soll eigentlich garantieren, dass die Rohstoffe und auch die Herstellung der Produkte natürlich sind und keine künstlichen Elemente beinhalten.

Die nationalen und europäischen Regulierungsbehörden stehen dabei stets den Interessen von Lobby-Organisationen der Industrie entgegen. Bio-Siegel versuchen, klar gesetzlich zu regeln, was natürlich und was künstlich ist und so verlässliche Auflagen für Produktion und Verarbeitung zu geben.

Der Verbraucherschutz-Verein „foodwatch“ etwa weist darauf hin, dass die Kriterien von staatlichen Biosiegeln lediglich einen Mindeststandard sichern, die manche nicht als ausreichend betrachten.

Einer großangelegten Studie der Stanford University zufolge sind Bio-Lebensmittel nur unwesentlich gesünder als konventionelle Lebensmittel. Im Vitamingehalt sowie der Belastung mit Krankheitserregern etwa unterschied sich die Bio-Ware kaum von der konventionellen.

Bioprodukte sind dennoch besser als die konventionellen Produkte, nicht nur für den Verbraucher, sondern auch für die Tiere und die Umwelt, denn hier ist die Schadstoffbelastung wesentlich geringer. Bioprodukte sind seltener mit Pestiziden belastet, Hühner- und Schweinefleisch aus Bioproduktion weist weniger antibiotikaresistente Bakterien auf, und auch die Tierhaltung ist bei Bio-Zucht artgerechter. Insgesamt sind Bioprodukte weniger belastend für die Gewässer, die Böden und das Klima.

Das EU-Bio-Siegel

Ein Blatt, dessen Umriss von Sternen dargestellt wird, ist das Zeichen für das EU-Biosiegel. Es muss seit Juli 2010 auf allen verpackten Bioprodukten abgebildet sein, die in einem EU-Mitgliedsstatt produziert wurden. Das EU-Bio-Siegel setzt lediglich das Mindestmaß an ökologischer Bewirtschaftung um.

Das EU-Bio-Siegel verspricht, dass mindestens 95 Prozent der Inhaltsstoffe biologisch produziert wurden. Dabei muss auf chemischen Pflanzenschutz sowie chemisches Düngemittel als auch auf Gentechnik verzichtet werden. Während in konventionell verarbeiteten Lebensmittel bis zu 316 Zusatzstoffe zulässig sind, dürfen bei Produkten mit dem EU-Bio-Siegel 49 Zusatzstoffe verarbeitet sein.

Tierhaltung soll artgerecht sein, wobei dieser Begriff nicht eindeutig geklärt ist. Beim EU-Bio-Siegel ist etwa eine Stallfläche von 0,8 bis 1,2 Quadratmetern für Schweine vorgesehen, bei Kühen eine Stallfläche von 6 Quadratmetern. Zum Vergleich: in der konventionellen Tierhaltung haben Schweine teilweise lediglich 0,75 Quadratmeter und Kühe nur 2 Quadratmeter zur Verfügung.

Die Hersteller, die das EU-Bio-Siegel erhalten wollen, müssen sich bei einer Öko-Kontrollstelle anmelden und dort nachweisen, dass sie tatsächlich ökologisch wirtschaften und auch die Vermischung der Bioprodukte mit konventionellen Rohstoffen vermeiden. Einmal im Jahr werden die Hersteller auf diese Kriterien überprüft.

Das staatliche Bio-Siegel

Dieses Siegel begegnet(e) Ihnen im Supermarkt besonders häufig: das staatliche Bio-Siegel wurde 2001 eingeführt und besteht aus einem sechseckigen Zeichen mit dem Schriftzug „Bio nach EG-Öko-Verordnung“. Das Zeichen definiert Mindestkriterien in Zucht und Anbau und wurde durch das grüne EU-Bio-Siegel abgelöst, erscheint häufig auch heute noch neben dem EU-Siegel, was verwirrend sein kann.

Wenn Sie das staatliche Bio-Siegel auf einem Produkt sehen, können Sie davon ausgehen, dass die Anbieter in Lebensmitteln keine künstlichen Geschmacksverstärker, Aromen und Farbstoffe verwenden. Fünf Prozent der Ware dürfen dabei aber aus konventionell angebauten Bestandteilen sein.

Handelt es sich beim Lebensmittel um Fleisch, so bürgt das Siegel dafür, dass die Tiere nur mit ökologischem Futter ernährt wurden und dabei der Einsatz von Antibiotika – Achtung – lediglich begrenzt ist.

Dieses Siegel wurde mittlerweile durch das EU-Bio-Siegel ersetzt und deswegen eigentlich überflüssig. Da es jedoch ein sehr bekanntes Bio-Siegel ist, wollen viele Anbieter nicht darauf verzichten.

Die privaten Gütesiegel

Viele Biobauern bilden mittlerweile private unabhängige Verbände, die eigene Siegel besitzen. Zu den drei größten in Deutschland gehören Demeter, Bioland und Naturland. Die privaten Bio-Siegel dieser Verbände sind in der Regel strenger als jene des EU-Bio-Siegels.

Demeter

Das Demeter-Siegel ist das älteste und auch das strengste Siegel für Bio-Ware. Es bezieht sich auf Lebensmittel als auch auf Kosmetik und Kleidung. Es existiert seit dem Jahr 1928, als der Anthroposoph Rudolf Steiner sei ne Kriterien für biologisch-dynamische Landwirtschaft definierte.

Bei Demeter sind besonders wenige Zusatzstoffe erlaubt, synthetischer Dünger ist verboten, genauso wie chemische Pflanzenschutzmittel und künstliche Zusatzstoffe.

Ganz besonders bei der Tierhaltung bestehen strenge Regeln. Die Enthornung von Tieren ist gänzlich verboten, die Auflagen für die Fütterung sehen vor, dass nicht nur zu großen Teilen Bio-Futter, sondern zu großen Teilen Futter in Demeter-Qualität ausgegeben wird.

Bioland

Bioland ist wiederum der größte private Anbauverband Deutschlands und eine internationale Marke: rund 7.3000 Erzeuger-Betriebe und über 1000 Partner tragen das Siegel. Auch hier sind die Richtlinien strenger als das EU-Bio-Siegel. Es muss zu hundert Prozent ökologisch produziert werden, Pestizide und Dünger sind verboten. Alle Erzeugnisse müssen den Biokriterien entsprechen, auch Biosaatgut ist vorgeschrieben.

In der Tierhaltung ist etwa vorgesehen, dass erkrankte Tiere mit Naturheilverfahren behandelt werden. Tiertransporte dürfen maximal vier Stunden andauern und maximal 200 Kilometer betragen.

Geflügel muss sich ein Drittel der Lebenszeit in einem Freigelände bewegen dürfen.

Naturland

Das Naturland-Siegel wird seit 1982 weltweit vergeben und deckt auch Bereiche ab, die vom EU-Bio-Siegel nicht erfasst werden. Die Herkunft, Zusammensetzung und Verpackung der Produkte können unter dem Titel „Bio mit Gesicht“ durch eine Codenummer lückenlos nachverfolgt werden. Der Natur- und Klimaschutz sind besonders wichtig. Etwa 2.600 Betriebe tragen das Naturland-Siegel.

Tipp

Achten Sie beim EU-Bio-Siegel auf die Angaben unter dem Zeichen. Hier wird unterschieden zwischen Deutscher Landwirtschaft, EU-Landwirtschaft und Nicht-EU-Landwirtschaft. Die Energiebilanz durch Transport oder der Wasserverbrauch bei der Produktion können hier eine Rolle spielen.

Im Ausland ist es zudem möglich, eine Bio-Zertifizierung für einen Teil der Produktion auf einem Hof zu führen, so dass es sich dabei nicht um einen reinen Bio-Hof handelt.

Fairtrade-Siegel

Neben ökologischen Kriterien berücksichtigt das Fairtrade-Siegel auch soziale Aspekte der Herstellung. Produkte mit dem Fairtrade-Siegel verfolgen eine Strategie von Armutsbekämpfung und Kinder- sowie Zwangsarbeit, denn durch die Fairtrade-Preise sollen die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bauern und Beschäftigten verbessert werden.

Hier sollten Sie aufhorchen

Die Begriffe „Bio“ und „Öko“ sind gesetzlich geschützt. Ist dieser Begriff auf einem Produkt gekennzeichnet, so muss tatsächlich auch Bio drin sein.

Bei folgenden Begriffen ist Vorsicht angebracht, denn diese können einen biologischen Anbau auch nur durch die Formulierung vortäuschen:

  • „Qualität aus Deutschland“
  • „aus kontrolliertem Anbau“
  • „von staatlich anerkannten Bauernhöfen“
  • „unter unabhängiger Kontrolle“
  • „ungespritzt“
  • „Ohne Spritzmittel“
  • „aus integrierter Landwirtschaft“
  • „aus Vertragsanbau“
  • „aus alternativer Handlung“
  • „aus umweltschonemden Anbau“
   

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