Immer mehr psychische Erkrankungen

In 10 Jahren um das doppelte gestiegen

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Sie sind in 10 Jahren um das doppelte gestiegen: psychische Erkrankungen im Arbeitsalltag. Ein wichtiges Thema, schließlich kann es uns alle betreffen. Prof. Dr. Tobias Esch, Mediziner und Gesundheitswissenschaftler an der Universität Witten/Herdecke, was sind Gründe für die starke Zunahme von psychischer Belastung?

Die Gründe, dass die Krankheitstage gestiegen sind und das ziemlich dramatisch ist, dass Menschen zum einen erleben, das Menschen um sie herum immer mehr krankgeschrieben werden. Das Thema greift in der Sichtbarkeit um sich. Ein zweiter Grund ist, dass wenn eine Person krank ist und auch für längere Zeit, die Arbeit von den Kollegen aufgefangen werden muss, was zu einer Kettenreaktion führen kann. Ein dritter Grund ist, dass wir bessere Möglichkeiten haben psychische Krankheiten festzustellen und zu erkennen. Der vierte Grund ist, dass Arbeitgeber sogenannte Gefährdungsanalysen vornehmen müssen. Allgemein ist erkannt, dass psychische Belastung durch Arbeit verursacht werden kann. Ein fünfter Grund ist die Verdichtung von Arbeitsprozessen, Verkürzung von Arbeitszyklen, Projektzyklen. Eine messbare Überforderung tritt bei Menschen heute häufiger ein.

Wie viele leiden ca. unter Arbeitsbelastung?

Es gibt da ganz unterschiedliche Zahlen und man muss die mit großer Vorsicht interpretieren in Bezug auf die Menge psychischer Belastung. Nicht immer erkrankt jemand daran beziehungsweise entsteht eine Diagnose. Das Zweite ist, das es häufig chronische Prozesse sind. Allgemein über verschiedene Branchen hinweg leiden 70 % unter starken Stress. Besonders das Gesundheitswesen ist stark betroffen, denn hier sind es sogar 90 %. Allgemein ist es von Beruf zu Beruf unterschiedlich. 1/3 leider dabei unter massiven Stress und ist somit gefährdet für das sogenannte Burn-out-Syndrom.  

Was hat sich in der Arbeitswelt verändert?

1.       Über psychische Erkrankungen wird mehr gesprochen

2.       Die medizinische Versorgung hat sich hier verbessert

3.       Schlafdauer sinkt über die Generationen; mittlerweile 1 h weniger als unsere Großeltern

4.       Aufmerksamkeitsspannen scheinen sich zu verringern: Arbeiten mit verschiedenen Kommunikationskanälen gleichzeitig

5.       Wertschätzung, sei es finanziell oder auch die Lobkultur, die subjektive Wertschätzung

Konsequenzen, die aus einer psychischen Erkrankung resultieren können?

Die Erwerbsminderung, Minderung der Erwerbsfähigkeit bis hin zum verfrühten Renteneintritt ist fast ausschließlich zurückzuführen auf psychische Erkrankungen. Sie nimmt dramatisch zu.

Welche psychischen Erkrankungen sind besonders häufig?

Psychische Erkrankungen sind erst mal ein Sammelbegriff, für ganz unterschiedliche Erkrankungen, die auf den ersten Blick auch nicht als psychische Erkrankungen sichtbar werden. Die Klassischen sind natürlich Depressionen, die die Tendenz haben wieder zu kommen. Verlaufen in wellenförmigen Symptomen. Angsterkrankungen und Suchterkrankungen sei es Alkohol, Tabletten oder auch das Internet. Die Gruppe des Burn-outs ist auch ein Fall nicht zu verwechseln mit Depressionen, wo bei die auch einen Teil ausmachen. Schmerzerkrankungen ob in den Muskeln, Kopfschmerzen oder an anderen Stellen nehmen ebenfalls vermehrt zu.

Was würden Sie Betroffenen raten?

Wir empfehlen immer auf zwei Ebenen zu arbeiten, wenn man seine eigene Stressresistenz ändern möchte. Dazu sollte man sich seinen beruflichen, wie auch privaten Bereich anschauen. Welche Faktoren lösen Stress aus und was kann ich hier ändern. Doch hier gilt es jetzt nicht unbedingt den Auslöser zu beseitigen, sondern darum zu lernen besser damit umzugehen. Es ist ein Spiel, ein Tanz zwischen den Verhältnissen und den Verhaltensweisen, die ich selber tätige. Hierbei wird das Analyseprinzip BERN angewendet.

B ehaviour = positive Dinge in schwierigen Situationen sehen; positiv Denken

E xercise = regelmäßige Bewegung, mind. 30 Minuten am Tag

R elaxation = Meditation, Achtsamkeit, innere Einkehr

N utrition = Ernährung; Körper entlasten durch Intervallfasten oder auch der Genuss als Belohnung

Wenn ich diese vier Säulen beachte, kann ich nachweislich meine Stressresistenz steigern.

Wie könnte man die Problematik mit Bezug auf Arbeitgeber/Arbeitnehmer in den Griff bekommen?

Rückmeldekulturen und Feedback sind immer wichtiger und sollten besser in den Arbeitsalltag integriert werden. Räume für Bewegung sollten vorhanden sein. Teamsitzungen sollten nicht länger als 30 Minuten dauern. Nach fünf Minuten sollte man kurz aufstehen. Weitere Punkte sind die Ernährung und auch die Meditation. Viele Firmen bieten hier Möglichkeiten, dass Mitarbeiter Ruhe in ihren Alltag bringen. Natürlich haben nicht alle Firmen die Möglichkeit dazu, sei es räumlichen oder aus zeittechnischen Gründen. Hier hilft es kreativ zu sein und eine Möglichkeit zu finden.

Was sind erste Symptome von Überbelastung?

1.       Veränderung des Schlafverhaltens

2.       Verspannung

3.       Kopfschmerzen

4.       Nächtliches Zähneknirschen / Zähne zusammen beißen

5.       Verdauungsschwierigkeiten: Verstopfung/Durchfall

6.       Feindselige Kommunikation

7.       Nachlassende Freude; Antriebslosigkeit; Lustlosigkeit

8.       Suchtverhalten

9.       Unfähigkeiten sich Dinge zu merken

10.   Konzentrationsschwächen

Was sind erste Konsequenzen, die man ziehen sollte?

Wenn die Ausfallzeiten als Grund von psychische Belastungen steigen, sollte man sich eine andere Lösung als das Phänomen „cool-down“ suchen. Hierbei werden Beziehungen vernachlässigt. Stattdessen muss man seine Ressourcen stärken, also an diesen vier Säulen des BERN Prinzips arbeiten. Zudem sollte an der Kommunikation gearbeitet werden, gelobt und Transparenz gezeigt werden, damit eine offene Kommunikation möglich sein ist.

Welchen wirtschaftlichen Faktor machen psychische Belastungen aus?

Auch hier sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Ungefähr kostet es den Arbeitgeber aber zwischen 200 € und 500 €, wenn ein Arbeitnehmer ausfällt. Anderenfalls, wenn ich in die Firma investiere, können Veränderungen sehr schnell positive Auswirkungen haben, vor allem auch finanziell gesehen für die Firma.

Tipps, um sich selbst zu entlasten:

1.       Sitzungen nicht länger als 30 Minuten

2.       Regelmäßige Bewegung (zum Drucker, Treppenhaus, in die Kantine, etc.)

3.       Ritualisierte Kommunikationsabläufe z. B. mit Atemübung beginnen, um frisch in den Moment zu gehen und bewusster für das Neue sein

4.       SARW: Stopp, Atme, Wähle, Reagiere à Stressfaktoren erkennen und besser bewältigen

   

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