Inklusion an Theater und Oper

Eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft

inklusion-an-theater-und-oper © AdobeStock_Daniel
Jeder Mensch gehört dazu! Das ist eigentlich jedem klar. Dennoch gibt es Bereiche in denen NOCH nicht jeder dazu gehört, z.B. auf der Bühne!
Wir haben mit einem Mann gesprochen, der als Sänger gearbeitet hat. Nach einem Unfall ist er im Rollstuhl gelandet und seitdem war es mit den Jobs eher schwierig. Artak Kirakosyan hatte vor dem Unfall verschiedene Engagements an Theatern und Opern. Seit er querschnittsgelähmt ist, hat er viele Bewerbungen geschrieben - beispielsweise an die Staatsoper Berlin, die Deutsche Oper Berlin oder die komische Oper Berlin - und größtenteils Absagen bekommen, weil es keine Stücke für ihn gebe. Dabei spielt Inklusion in allen Bereichen des Lebens der heutigen Gesellschaft eine äußerst wichtige und zentrale Rolle...warum dann nicht auf der Bühne?

Was ist Inklusion eigentlich?

Inklusion bedeutet die Teilhabe aller Menschen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Inklusion ist ein Menschenrecht und wird bereits in vielen Bereichen gelebt, beispielsweise gibt es den Streifen für Sehbehinderte an Bahnhöfen. Auch in der Musik gibt es bereits Erfindungen wie das Sound Shirt, das Gehörlosen ermöglicht die Musik in Konzerten zu erleben…

Die Probleme der Inklusion – eine Frage der Haltung

Ein oder zweimal im Jahr findet das Auswahlverfahren der Musikhochschulen statt. „Wenn man sich die Bewerbersituation an Hochschulen anguckt, gibt es ein extremes Aussiebverfahren und das funktioniert einfach immer noch sehr ähnlich wie im 19. Jahrhundert“, berichtet Lars Gebhard, Dramaturg an der Deutschen Oper Berlin. Größtenteils auf Leistung ausgelegt, kommen nur die Besten der Besten wirklich zu ihrem Ziel. Das Problem der Körperbeherrschung sei hier sehr präsent. Die körperlichen Anforderungen und Herausforderungen schließen oft einen großen Teil der Bewerber aus.

Auch nach dem Studium wird kräftig ausgesiebt und viele Teilnehmer kommen nicht zu ihrem Ziel. Dazu kommen außerdem noch der erhebliche Leistungsdruck und die Konkurrenz unter den Musikern selbst. Von den Bühnenkünstlern wird dagegen Leistung erwartet, die bestmöglich und richtig sein muss. Die Barrieren für Menschen ohne Beeinträchtigung sind bereits sehr hoch und gestalten sich für Menschen mit Beeinträchtigung nicht einfacher. Außerdem sind Menschen mit Behinderung durch die jahrhundertelange Ausgrenzung der Gesellschaft und dem folglich falsch entwickelten Spiegel der Gesellschaft in der Repertoireoper häufig nicht vorgesehen.

Inklusion auf der Bühne

Wir haben Lars Gebhard gefragt, woran es liegt, dass ein Bewerber im Rollstuhl nicht zugelassen wird. „Wir haben wöchentliche Vorsingen und es ist eher normal, dass man NICHT genommen wird.“ Zudem sagte er uns, dass es je nach Inszenierung einfach schwierig sei, die Rollen mit einem Sänger im Rollstuhl zu besetzen. „Wir suchen jetzt einen Cavaradossi, der muss eigentlich in der Inszenierung eine Leiter hoch klettern. Das würde nicht gehen. Würden wir uns das zutrauen? Wenn er super singt, denke ich, dass muss man diskutieren.“ Trotzdem gibt es auf der Bühne aktuell keinen Menschen mit Beeinträchtigung. Im Orchester sei das eher ein Thema, dort gäbe es zwar keine Person im Rollstuhl, jedoch verschiedene Menschen mit kleineren Beeinträchtigungen. 

Barrierefrei?

Sowohl auf der Bühne, bedingt durch Inszenierungen oder Bühnenstücke aus dem letzten Jahrhundert, wie auch hinter der Bühne gibt es im Theater und in der Oper Probleme. „Das [Konzerthaus der Deutschen Oper in Berlin] ist nach vorne für das Publikum barrierefrei, aber wie sieht es hinten aus? Das ist ein großes Problem an vielen Theatern. Diese sind einfach historische gewachsene Gebäude und oft extrem verwinkelt“, so Lars Gebhard

Engagement und Offenheit

Ideen, wie Inklusion in der heutigen Gesellschaft verwirklicht werden könnte, gibt Lars Gebhard. Für die Gesellschaft sei es äußerst wichtig, die Barrieren und Mauern gemeinsam runterzuschrauben, durchlässig zu machen und abzutragen. Außerdem sei von Wichtigkeit, dass auch die Theater und Opernhäuser den Aufwand auf sich nehmen, mehr Inklusionsfälle für ihre Produktionen zu engagieren. Denn beispielsweise bei Uraufführungen sei es grundsätzlich gut möglich der Inklusion freien Raum zu geben, da genau angepasste Stimmen extra geschrieben werden können oder der Regisseur exakt auf die Beeinträchtigung eingehen kann.

Die Inklusion ist nicht nur ein Thema in der Gesellschaft, sondern könnte auch helfen die Diversität auf der Bühne abzubilden. Dafür ist viel Arbeit nötig, vor allem auf dem musikalischen Weg zum Opernsänger. Also bereits in der musikalischen Früherziehung, in der Ausbildung oder dem Studium bis hin zur Bühne.

Fazit

„Oper und Theater sollte immer ein Spiegel der Gesellschaft sein, das war es auch immer und eine Sichtbarkeit von allen Arten von Menschen“, sagt Lars Gebhard. Dafür ist es wichtig vor allem den Mitmenschen mit Beeinträchtigung offener, ehrlicher und freundlicher gegenüberzutreten. Es ist ein langsamer Prozess, doch es gibt schon viele Projekte, die das Ziel verfolgen, sowohl auf als auch hinter der Bühne Inklusion zu leben.

Wie fühlt sich der Alltag für eine Person mit Sehbehinderung an? Moderatorin Svenja Sellnow hat es getestet und war für einen Tag blind.

Ein Orchester, das Inklusion bereits lebt, ist das Inklusive Orchester Utopia.

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