Ist ein Knabenchor diskriminierend?

Knabenchor in Berlin verklagt

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Ein neunjähriges Mädchen findet die Aufnahmebeschränkung auf Jungen ungerecht und möchte sich in den Staats- und Domchor Berlin einklagen.

Nur für Jungs: der Staats- und Domchor Berlin

Seit 1465 existiert der Staats- und Domchor Berlin, seitdem der Kurfürst Friedriech II. von Brandenburg fünf Singerknaben für seine Domkirche einstellte. Mittlerweile gehört der Chor zur Universität der Künste (UdK).

Die älteste musikalische Einrichtung Berlins ist seither Jungen und jungen Männern vorbehalten. Zahlreiche Versuche von Mädchen, in den Chor aufgenommen zu werden, sind in der Vergangenheit stets gescheitert.

 

Neunjähriges Mädchen klagt

Ein neunjähriges Mädchen bzw. deren Mutter möchte sich nun in den Berliner Chor einklagen. Die Aufnahmebeschränkung auf Jungs empfindet sie als ungerecht. Das Mädchen hatte nach Angaben des Verwaltungsgerichts zuvor im Kinderchor der Komischen Oper Berlin und in der Domsingschule in Frankfurt am Main gesungen.

Die Auswahlskommission des Staats- und Domchores Berlin ließ das Mädchen vorsingen und lehnte die Neunjährige anschließend mit der Begründung der ungenügenden Motivation ab.

 

Anspruch auf gleiche Teilhabe

Die Klägerseite sieht in der Beschränkung des Chores auf Jungen eine unzulässige Diskriminierung von Mädchen. Denen sollte die gleiche Teilhabe an staatlichen Leistungen und Förderungen zustehen.

 

Chor beruft sich auf Kunstfreiheit

Außergewöhnliche Begabung, hohe Leistungsmotivation oder entsprechende Kooperationsbereitschaft der Erziehungsberechtigten hätten zur Aufnahme des Mädchens in den Knabenchor führen können, so die Universität der Künste.

Vor allem berief der traditionsreiche Chor sich darauf, dass die Stimme dem angestrebten Klangbild eines Knabenchors entsprechen müsse, und eine Entscheidung darüber falle in den Bereich der Kunstfreiheit. Die anatomischen Unterschiede von Mädchen- und Jungenstimmen würde zu „differenzierten Chorklangräumen“ führen, so ein weiteres Argument der Universität der Künste.

Für Mädchen wiederum gebe es den mit dem Domchor organisatorisch verbundene Mädchenchor der Singakademie zu Berlin e.V..

 

Ein Fall fürs Verwaltungsgericht

Am Freitag, dem 16. August 2019, wird das Berliner Verwaltungsgericht erstmals mündlich über den Fall verhandeln. Ein Urteil wird noch für den gleichen Tag erwartet.


Update

Das Verwaltungsgericht Berlin hat die Klage der Anwältin abgewiesen. Der Staats- und Domchor Berlin muss das Mädchen nicht aufnehmen, urteilte der Richter Jens Tiegmeier, und berief sich dabei auf die Kunstfreiheit.

Im September erhielt das Mädchen nun eine Einladung im Thomaner Knabenchor Leipzig. Das bedeutet noch nicht die Aufnahme des Mädchens in den Knabenchor.


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