Körper im Kontakt

Warum Berührungen so wichtig sind

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Es sind schon verrückte Zeiten. Maskenpflicht, Händewaschen und Abstandhalten…..alles Dinge, die uns in den letzten Wochen beschäftigen. Immerhin dürfen wir uns wieder mit einzelnen Freunden und Bekannten treffen. Zwar nur draußen, zu Zweit und mit Abstand, aber immerhin. Aber was macht es eigentlich mit uns, wenn wir keinen Körperkontakt zu anderen haben können? Warum ist Körperkontakt überhaupt so wichtig und lässt sich eine Umarmung durch etwas anderes adäquat ersetzen? Fragen, die wir einem Mann gestellt haben, der es wissen muss: Professor Martin Grunwald ist Leiter des Haptik-Labors der Universität Leipzig. Aktuell forschen sie beispielsweise an dem Drang uns ständig ins Gesicht fassen zu müssen. Mehr dazu später.

Warum brauchen wir Körperkontakt

Die Berührungen sind für die Entwicklung in frühster Kindheit elementar. Aber sie bleiben ein Leben lang von entscheidender Bedeutung. „Über Berührungsreize vermitteln wir ganz viele Informationen der Sympathie, der Freude, der Unterstützung, Das ist ein elementarer Kanal, den wir benutzen und ohne den fühlen wir uns nicht wohl“, sagt Professor Grundwald. Berührungsreize sind für uns also ganz wichtig und können Informationen schnell transportieren. Denken wir an eine Umarmungen oder einen Handschlag. Aber was passiert, wenn wir diese zwischenmenschliche Interaktion nicht mehr ausleben können?

Was passiert, wenn uns der Körperkontakt fehlt?

Wenn wir unsere Kommunikation einschränken müssen, dann ist das natürlich erst einmal eine Irritation. Tatsächlich ist die Berührung zwischen Menschen lebensnotwendig. „Der dauerhafte Verlust von Körperkommunikation kann in frühster Kindheit sogar zu Tod (…) führen“, so Grunwald. Aber auch bei Erwachsenen kann sich diese Art der Einschränkung auf die Psyche auswirken und zu schwerwiegenden Erkrankungen führen. „Wir müssen uns jetzt extrem anpassen und versuchen Ausweichvarianten zu entwickeln“, so Grunwald.

Alternativen zur Umarmung

Leider steht es fest: Berührungsreize an der Hautoberfläche können nicht adäquat ersetzt werden. „Wir können eine Umarmung leider nicht ersetzten“, bestätigt Grunwald. Natürlich können wir versuchen den Körper auf eine andere Art und Weise zu spüren, aber auf lange Sicht gesehen können die Effekte von Berührungen und Umarmungen nicht durch andere Maßnahmen erzielt werden. Abhilfe gegen den fehlenden Körperkontakt können trotzdem folgende Dinge sein:

  •  Sport treiben
  •  Sich handwerklich betätigen

Das Ziel ist es, den Körper zu spüren und wahrzunehmen.

400 bis 800 Mal

Das Labor arbeitet, wie schon erwähnt, an der Erforschung eines Phänomens: Wieso fassen wir uns ständig ins Gesicht, und das völlig unbewusst? Aktuell sollen wir ja genau das so wenig, wie möglich machen, aber wir tun es tatsächlich zwischen 400 und 800 Mal. Grunwald sagte uns im Gespräch, dass diese Handlung anscheinend dazu dienen unsere Emotionen zu regulieren. Und diese Selbstberührung ist ein altes Phänomen. Anscheinen machen es bereits die Föten im Mutterleib, wenn die Mutter gerade gestresst ist. Kommen wir also überhaupt gegen diesen Mechanismus an? Grunwald sagt ganz klar: Nein. Wir sollten uns stattdessen eher darauf konzentrieren die Hände öfter zu waschen. Es sei sogar kontraproduktiv zu versuchen, sich nicht anzufassen. Dadurch würden wir uns zu sehr stressen und uns als Resultat noch öfter ins Gesicht fassen.

Kinder und Jugendliche trifft es härter

Klar ist: Jeder, der alleine ist leidet unter dem Entzug. Allerdings betont Grunwald, dass ältere Menschen eher gewöhnt sind mit einem körperkommunikativen Mangel umzugehen. Anders sei das bei den jungen Menschen. Diese seien, gerade in der Zeit der Partnersuche, sehr auf den Kontakt und vor allem den körperlichen Kontakt angewiesen und würden unter dem abrupten Mangel besonders leiden. Aber auch Kinder brauchen unbedingt den Körperkontakt. Gerade der stresslösende Effekt einer Umarmung sei für Kinder in diesen Zeiten essentiell und sollte ihnen innerhalb der Familien auch gewährt werden.

Fremde Haut weicher als die eigene?

Abschließend wollten wir wissen, warum wir die Haut anderer eigentlich als weicher empfinden, als die unsere. Stimmt das, und wenn ja, warum ist das so? Grunwald sagte uns: „Das ist ein Grundphänomen, das unser Kontaktbedürfnis und unsere Kontaktfähigkeit fördern soll. Dadurch freuen wir uns auf und über Berührungen!“ Stimmt also. Dann freuen wir uns doch schon jetzt auf die Zeit, in der wir uns wieder in die Arme schließen können! Wir sind uns sicher, dass wir diese Zeit gemeinsam überstehen werden und es bald überstanden ist.

Danke Professor Grundwald. Die Musik mag Umarmungen vielleicht nicht ersetzen, aber sie hilft uns durch diese Zeit und berührt eben auf einer anderen Ebene. Bei Kollege Florian Schmidt erfahren Sie, inwiefern Kinder vielleicht gerade jetzt noch mehr Nähe suchen als sonst. Und auf KR de können Sie jetzt nachlesen, warum uns die Haut anderer Menschen immer weicher vorkommt als unsere eigene!

   

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