Klassik Radio im Gespräch

"Der Brexit ist ein Desaster für britische Musiker!"

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Eine „Selbstverstümelung“….so nennt Sir Simon Rattle den Brexit. Und tatsächlich gibt es inzwischen Studien, die besagen, dass die Migration aus Großbritannien in EU-Länder um etwa 30% zugenommen hat, im Vergleich zu den Zahlen vor dem Brexit. Und auch die Musiker trifft der Brexit hart. Wir haben mit James Henshaw, Dirigenten und Pianisten aus London gesprochen. Er war die letzten 5 Jahre der Chordirigent an der English National Opera in London, ist jetzt aber nach Berlin gezogen. Er sagte uns, dass 95% der britischen Musiker damals gegen den Brexit gestimmt hatten, denn die Aussichten auf Arbeit außerhalb Englands sind jetzt nicht mehr sehr gut.

Schlechte Aussichten auf Arbeit

„Also, wenn man nicht gerade Sir Simon Rattle ist, dann werden sich die Opernhäuser in Zukunft sehr genau überlegen, ob sie einen Britischen Dirigenten einstellen oder nicht, denn tatsächlich bedeutet das dann einen großen Bürokratischen Aufwand“, so Henshaw. Aber auch die Kosten dürfen nicht unterschätzt werden, denn aktuell gelte das Arbeitsvisum nur 90 Tage. Falls ein Projekt aber länger geht, wird das teuer!

Hoffen auf Ausnahmen

Henshaw sagte uns, dass viele Musiker-Gewerkschaften gerade dabei sind Ausnahmen durchzubekommen. Er glaubt aber nicht, dass die Regierung diesen zustimmen wird. „Es wird aber schwer werden, denn wenn hier Ausnahmen für die britischen Musiker gemacht werden, die ins Ausland wollen, müsste es ja konsequenterweise auch ähnliche Ausnahmen für EU-Bürger geben, die nach England kommen…“

Brain Drain

Henshaw kenn in seinem Umfeld einige, die seit 2016 versucht haben das Land zu verlassen und das auch geschafft haben. Es gibt dafür ein Wort, das in dem Zusammenhang gerne genutzt wird: „Brain Drain“. Damit wird das Verschwinden gut ausgebildeter Kräfte beschrieben. Und das ist es, was der Brexit eingeleitet hat: eine stetige Abwanderung der talentiertesten und produktivsten Menschen. In den vier Jahren seit dem Brexit-Referendum wurde 31.600 Briten die doppelte, also britische und deutsche Staatsbürgerschaft verliehen.

Ein wenig Hoffnung bleibt

Auch wenn die Zukunft nicht sehr rosig ist, die Hoffnung stirbt zuletzt. "Ich bin besorgt, aber man darf nie die Hoffnung aufgeben und muss weiter dafür arbeiten und kämofen, dass es so gut wie möglich wird", so Henshaw. Er ist dankbar, dass er die Möglichkeit hatte nach Deutschland zu ziehen, weiß aber auch, dass er damit sehr priviligiert ist. Andere können das Land nicht verlassen, sei es aus finanziellen oder familiären Gründen. Für Henshaw ist das jetzt ein Neustart, den er sehr wertschätzt.

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(L. Bothor)
   

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