"Kommunikation inspiriert mich am Meisten"

Stargeigerin Julia Fischer im Interview

kommunikation-inspiriert-mich-am-meisten © Felix Broede
Geigerin Julia Fischer erzählt, was für sie wichtig ist, was sie inspiriert und welche Frage sie sich vor jedem Konzert stellt.

Fischer: Wunsch zum Musiker muss vom Kind kommen 

"Der erste Wunsch, Musiker zu werden, muss vom Kind kommen. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, wenn das Eltern auf ihr Kind stülpen, sondern dass muss vom Kind kommen. Und die Aufgabe der Eltern ist, dem Kind dann zu erklären, was das bedeutet, welche Hingabe, welcher Fleiß, welche Disziplin und dann zu schauen, ob das Kind da mitkommt. Und dann natürlich das Kind zu unterstützen."
 

Für Fischer ist die Liebe zur Musik und die Neugier auf neue Werke wesentlich

"Eine wichtige Sache für mich ist… das habe ich aber von meiner Lehrerin…meine Lehrerin hat gesagt, das Leben eines Musikers dauert nicht zehn Jahre und nicht fünf, sondern es dauert ein Leben lang. Sie sah es immer als wesentlich an, die Liebe zur Musik und auch die Neugierde für neue Werke, Interpretationen, Kammermusik, das so zu sehen, dass man sein Leben lang weiter lernen möchte, dass man sich nicht zufrieden gibt mit dem Erlernten. Es gibt ja schon auch Leute, die lernen ein Violinkonzert und das haben Sie dann gelernt und dann sind sie zufrieden, das spielt man dann sein Leben lang genau auf diese Art und Weise und fertig. Aber das ist dann sehr sehr langweilig, das ist sehr fad. Und wenn man immer auf der Suche ist und etwas Neues erfahren möchte, dann ist das Musikerleben erst spannend. Und das versuche ich natürlich, meinen Studenten natürlich weiterzugeben, ihnen zu zeigen, es gibt nicht nur diese Art, man kann es auch so machen und man muss darüber nachdenken, warum so und warum nicht so. Das versuche ich weiterzugeben. "
 

Das Handwerkszeug zählt für sie

"Dann natürlich das Handwerkszeug. Das Handwerkszeug ist nun mal, dass man das Instrument beherrscht, die Technik, die man braucht, um alles spielen zu können und sich nicht jedes Mal aufs Neue zu quälen. Die Fähigkeit, eine Partitur zu erfassen, zu erarbeiten, auch gewissen theoretische Kenntnisse zu haben und die Kommunikation in der Musik."
 

"Kommunikation inspiriert mich am Meisten"

"Mir ist die Kommunikation sehr wichtig, vor allem als Geiger. Weil man ja meistens mit anderen Menschen spielt Als Pianist ist es ja noch so, dass man noch sehr viel Repertoire alleine hat, wobei da auch eine Kommunikation herrscht, zwischen der linken und der rechten Hand oder zwischen den einzelnen Stimmen oder zwischen Klavier und Orchester oder auch zwischen dem Solisten und dem Publikum. Also Musik ist letztendlich eine Sprache, das heißt, es ist etwas Kommunikatives. Wenn ich für nur mich selber spiele, dann kann ich auch zuhause spielen, dann muss ich nicht auf die Bühne gehen. Und diese Kommunikation ist mir selber sehr wichtig, ist auch ehrlich gesagt, dass was mich am Meisten inspiriert.  Mich inspiriert in meinem Beruf am Meisten mit anderen Musikern zu sprechen, über Möglichkeiten, über Interpretationen, über Erlebtes, über die Zukunft, was man machen könnte, das finde ich am Spannendsten. "
 

Für Fischer ist die einzige Frage, die zählt: Warum soll ich das Konzert spielen? 

"Es ist nicht wichtig, es ist vollkommen irrelevant, ob man mit 18 zehn Konzerte gespielt hat oder 40. Das spielt gar keine Rolle. Die einzige Frage, die sich eigentlich stellt ist: was habe ich in jedem Konzert gelernt. Das ist die Frage, die man sich glaube ich, sein Leben lang stellt, das ist auch in meinem Stadium nicht anders. Was habe ich von diesem Konzert? Warum soll ich das Konzert spielen? Was bringt es mir? Man kann natürlich dann sagen, ganz banal: dieses Konzert bringt mir Geld. Klar, kann man auch sagen, doch das sollte vielleicht nicht die Überhand nehmen. Man sollte sich eher die Frage stellen: dieser Dirigent ist interessant, will ich mit dem spielen? Dieses Orchester ist interessant, dieses Festival oder dieses Repertoire…und daran soll man sich orientieren, an rein künstlerischen Gesichtspunkten. Und jetzt weiß ich schon,dass wenn ich diesen Satz sage, kommt dann die Frage: ja, aber die Agenten die sehen das ja anders und die denken dann…und solche Sachen. Die Agenten können gerne an diese Dinge denken und dafür sind sie ja auch da. Aber an erster Stelle muss die künstlerische Entwicklung stehen und nicht die Geschäftliche. "
 

Respekt von Kollegen erarbeitet man sich nur durch Können 

"Eine sehr kurze Karriere kann man planen. Man kann sehr einfach sich eine Story ausdenken, die die Medien dann fressen ja, der hat soundso gewonnen und ist  barfuß auf die Bühne gegangen…man kann sich verschiedene Geschichten ausdenken und daraus macht man dann so nen Hype und dann kann man diese Leute auf die Bühne schicken und dann fressen das die Medien und dann hat man eine sehr kurzweilige Karriere. Damit erarbeitet man sich aber nicht den Respekt von Kollegen. Den Respekt von Kollegen erarbeitet man sich schlicht und ergreifend durch Können und durch nichts anderes. Und wenn ich vor einem Orchester stehe, die Orchestermusiker interessieren sich nicht dafür, bei wem ich mein Kleid gekauft habe, sondern die interessieren sich nur dafür, was ich mit der Musik zu sagen habe und bei den Dirigenten ist es das gleiche. Und letztendlich entscheidet auch das über eine Karriere."


Für sie eine wichtige Frage: Kann ich das selber entscheiden oder hole ich mir Hilfe? 

"Ich glaube nicht, dass man mit 15 oder 18 wissen kann, was auf einen zukommt. Ich glaube, was man haben muss ist, die Begabung zu wissen, wo hole ich mir Hilfe. Man muss auch wissen, auf wen höre ich. Wenn ich eine Frage habe, sei das musikalisch oder karrieretechnisch, dann muss ich wissen oder dieses Gespür dafür haben: kann ich das selber entscheiden oder hole ich mir Hilfe. Also ich hatte in meinem Leben ein paar Mal die Situation, dass ich bei älteren Kollegen um Rat gefragt habe. Und ich habe den Rat nicht immer verstanden. Ich kann nicht behaupten, dass ich immer 100% verstanden habe, warum mir derjenige mir das jetzt so rät, warum ich diesen Weg gehen soll und nicht den anderen. Doch ich hatte das Vertrauen in einige wenige Leute, dass die wussten, warum sie mir das raten.  "

Das Interview wurde geführt für das Buch "Wegbereiter, Wegbegleiter" von Heide Schwarzweller vom Fanny Mendelssohn Förderpreis, dessen vollständiger Erlös Nachwuchsmusikern zu Gute kommt.
   

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