Kulturbauten - immer teurer als geplant

Aber sind kulturelle Einrichtungen wirklich die größten Kostensprenger?

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Egal, ob der Bau der Elbphilharmonie Hamburg, die Oper in Köln oder auch das Staatstheater Augsburg: Es wird geplant, es werden Kosten und Dauer veröffentlicht, es wird angefangen und am Ende ist dann alles doch viel teurer und dauert viel länger als man eigentlich geplant hatte. Aber woran liegt das?

Das Problem mit den öffentlichen Bauprojekten

Wenn ein Bau oder eine Renovierung von öffentlichen Geldern finanziert wird, soll und muss es natürlich so billig wie möglich sein. Da es sich dabei um staatliche Projekte handelt, müssen außerdem alle Bauunternehmen die Chance haben, das Projekt für sich zu gewinnen.

Das Projekt steht vor der Tür, der Wettbewerb gewinnt. Es kommt zur einer Ausschreibung, auf die sich die Firmen bewerben können. Das billigste Angebot gewinnt immer, auch wenn es unrealistisch erscheint. Alle Teilnehmer versuchen also die Kosten und auch die Dauer des Projekts so gering wie möglich zu halten. Dies tun sie, indem bewusst Kosten außen vor gelassen werden oder Risiken auf Subunternehmen verlagert werden*.

Ein weiteres Problem ist der Baupreisindex 1**. Dieser wird vom statistischen Bundesamt vierteljährlich veröffentlicht, und auf den jeweiligen letzten legen sich die Bauunternehmen fest. Der Baupreisindex steigt jedoch kontinuierlich. Das bedeutet: bereits wenn der Bau startet, ist der Index wieder gestiegen und der Preis ist schon teurer als geplant.

Bahnhof, Flughafen, Theater

Dieses Verfahren und dieses Problem ist Teil aller Arbeiten an öffentlichen Gebäuden. Ganz egal ob Bahnhof, Flughafen oder Kultureinrichtung. Trotzdem kommt oft das Gefühl auf, dass gerade die Kultur oft übers Ziel hinausschießt. Ist dem wirklich so?

Nein! Ein Problem der Kulturbranche ist, dass in diesem Sektor oft die wirkliche Bereitschaft aller Steuerzahler fehlt. Viele erkennen den Nutzen eher in Bahnhöfen und Flughäfen als in Theatern und Opern. Gerade im Kulturbereich werden deshalb die Kosten von Politikern oft runtergeredet, aus Angst vor einer negativen Reaktion auf Seiten der Bevölkerung.

Wie sieht es wirklich aus in der Kultur?

Bei einem Blick auf die kalten Fakten fällt aber auf, dass die Kultur gar nicht so weit oben liegt, wenn es um verschlingen von Steuergeldern und Zeit geht. Vor allem an die Elbphilharmonie denken viele, wenn es um explodierende Kosten geht. Blickt man jedoch auf das Jahr 2017, das Eröffnungsjahr der Elbphilharmonie, sieht man, dass sie lediglich auf Platz drei stand.

Laut einer Studie des Handelsblatts stand 2017 auf Platz eins das Projekt Stuttgart 21 mit 7,6 Milliarden Euro, statt der geplanten 2,6 Milliarden und auf Platz zwei das ewige Projekt des Berliner Flughafens mit 5,4 Milliarden statt den geplanten 1,7 Milliarden. Da klingt die Elbphilharmonie mit “nur“ 789 Millionen statt 186 Millionen fast schon “billig“.

Nur ein Jahr später befindet sich kein kulturelles Gebäude unter den zehn größten Bauprojekten Deutschlands:
  • Stuttgart 21: Umbau und Neubau des Hauptbahnhofes, 8,2 Milliarden Euro
  • Flughafen Berlin Brandenburg, 7,3 Milliarden Euro
  • Frankfurter Flughafen: Neubau des Terminal 3, 3,5 Milliarden Euro
  • Datteln IV: Neubau eines Kohlekraftwerkes mit Bahn und Hafenanlagen, 1,5 Milliarden Euro
  • Kombilösung Karlsruhe: Neubau eines unterirdischen Stadtbahntunnels und einer S-Bahn-Trasse, 1,2 Milliarden Euro
  • Universität Bielefeld: 1. BA der Generalsanierung des Hauptgebäudes, 1,17 Milliarden Euro
  • Atomkraftwerk Mühlheim Kärlich: Abbruch eines Atomkraftwerkes, 1 Milliarde Euro
  • Abwasserkanal Emscher: Neubau eines Sammetkanals für Abwasser, 906 Millionen Euro
  • Schleuse Brunsbüttel: Neubau der 5. Schleusenkammer, 862 Millionen Euro
  • Hauptbahnhof Halle: Modernisierung und Einbindung in das Projekt Nürnberg-Berlin, 750 Millionen Euro
Quelle: http://www.baublatt.de/startseite/2016/12/08/die-20-groessten-baustellen-deutschlands/

Unser Fazit: Öffentliche Kulturgebäude sind teuer, keine Frage, aber sie bilden nur einen kleinen Teil in einem großen Problem: das Vergabeverfahren bei allen öffentlichen Bauten.

(A. Kohler)
 
2200 Fenster hat die Elbphilharmonie, die regelmäßig geputzt werden müssen. Und bisher war nicht jeder von ihrer berühmten Akustik begeistert. Riccardo Muti boykottierte die Elbphilharmonie sogar.

Auch in Nürnberg ist ein neues, nahhaltiges Konzerthaus in Planung.

* Sollte ein Subunternehmen pleitegehen oder nicht preisgerecht liefern, darf die ausführende Firma die fehlenden Leistungen zu einem höheren Preis am Markt nachkaufen.
** 1 gibt an, wie sich die Preise der wichtigsten Baumaterialien entwickeln
   

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