#metoo - Mehr Sicherheit im Umgang?

Wie hat die #metoo-Debatte den Umgang im Alltag verändert

metoo-mehr-sicherheit-im-umgang © AdobeStock/ vchalup
Übergriffiges Verhalten am Arbeitsplatz ist leider keine Seltenheit. Die #metoo-Debatte löste nicht nur Sensibilisierung des gegenseitigen Umgangs aus, sondern auch Unsicherheiten. Wir sprachen mit Matthias Becker, der seit 2016 Ansprechpartner für Männer in Nürnberg ist und mit Simone Thomas. Sie ist Frauenbeauftragte der Stadt Freiburg.

Zwei Experten

Simone Thomas ist Frauenbeauftragte in Freiburg. Ihr ist die Herstellung von Gleichberechtigung und Gleichstellung von Mann und Frau besonders wichtig. Sie ist nicht nur intern sondern auch für die ganze Stadt eine Bezugsperson.

Die Bezeichnung „Männerbeauftragter“ trifft nicht ganz auf Matthias Becker zu, da hiermit nicht das Pendant zur Frauenbeauftragten gemeint ist. Becker steht Männern als Ansprechpartner zur Verfügung, die bei ihm das Gefühl haben, verstanden und ernst genommen zu werden.

Rückblick auf die #metoo-Debatte

Bei der #metoo-Debatte geht es um einen Machtmissbrauch zwischen Männern und Frauen. Für Simone Thomas ist die Debatte ein Meilenstein, bei dem die generelle Zusammenarbeit von Männern und Frauen in den Blick genommen wurde. Dank der Debatte herrsche eine Sensibilisierung für das  Thema und die Richtung gehe zu mehr Konsenz und Respekt. Die Menschen reflektierten den eigenen Umgang mit dem anderen Geschlecht. Dabei rückt die Frage „Was ist in Ordnung und was geht zu weit?“ in den Vordergrund des Bewusstseins. Ganz besonders wichtig sei, dass der Mut vorhanden ist, das Thema der sexuellen Belästigung anzusprechen. Simone Thomas beobachtete, dass die Beratungsstellen zu sexuellen Übergriffen seit #metoo einen starken Zulauf erlebten. Dieser Zustand lässt die positive Tendenz erkennen, dass das Thema angesprochen und dadurch endlich enttabuisiert wird.

Unter #metoo ein generelles „Flirt-Verbot“ zu verstehen, sei nicht richtig, sind beide Experten der Meinung. Höflichkeiten und Komplimente sind dabei erst mal völlig akzeptabel.
Auch die Oper widmet sich dem Thema #metoo, so wie 2018 die Queensland Opera mit einem kuriosen Aufruf.

Verunsicherungen durch die Debatte

„Zu Beginn brach teilweise Hysterie aus, als das Gefühl aufkam, dass man nun nichts mehr tun und sagen darf, dass flirten und Komplimente zu Tabus geworden sind." Aber hier komme es immer auf den Kontext an, betont Matthias Becker. Auch Simone Thomas meint: Ein sympathisch und nett gemeintes Kompliment eines Mannes an eine Kollegin, beispielsweise über den neuen Pullover, sei völlig in Ordnung. Wenn nun aber der Mann lustvoll auf die Brüste der Frau starrt und dann das „Kompliment“ äußert, sei ein anderer Kontext erreicht, der die Grenze überschreitet.

Eine klare Unsicherheit gebe es aber schon bei den Männern, beobachtet Becker: „Ich weiß nicht mehr, wie ich mich zu verhalten habe“ oder „Wird das Kompliment direkt als sexuelle Belästigung verstanden?“ seien typische Reaktionen.

Wo liegt denn nun die Grenze, dessen, was "Mann" darf?

Komplimente im privaten Kontext oder unter vier Augen sind absolut akzeptabel, meint Matthias Becker. In einem beruflichen oder fachlichen Kontext, beispielsweise in einer Konferenz, seien aber Bemerkungen über zum Beispiel das Kleid unangebracht. Hier werde auf eine Äußerlichkeit reduziert, obwohl es um etwas ganz anderes geht.
Leider wird auch in der Klassik-Welt immer wieder der Vorwurf laut Grenzen überschritten zu haben, wie durch den ehemaligen Leiter der Festspiele Erl Gustav Kuhn oder dem Counterntenor David Daniels.
Simone Thomas sieht Klischeebedienungen problematisch, sie beschreibt eigene Erfahrungen: „Wenn in einer Runde gefragt wird, wer einen Kaffee trinken möchte, ist es durchaus vorgekommen, dass die einzige Frau angesehen wurde mit dem Verständnis, sie möge bitte losgehen und Kaffee holen."

Generell sei das Ziel einfach ein respektvoller Umgang zwischen Männern und Frauen und kein Machtgefälle mehr. Dabei sollte man empathisch und sensibler werden. Hilfreich ist auch das Achten auf nonverbale Signale, die oftmals auf eine angemessene Reaktion hindeuten. So kann man nach und nach Missverständnisse auf beiden Seiten aus dem Weg räumen.
   

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