"Mit seiner Musik kreierte er ein neues Filmgenre"

Filmmusikkomponist Ralf Wengenmayr im Interview zu Ennio Morricone

mit-seiner-musik-kreierte-er-ein-neues-filmgenre © Nikky Maier
Er ist verantwortlich für die wunderschöne Filmmusik zu "Jim Knopf und der Lokomotivführer", "Wickie und die starken Männer" und viele mehr: Ralf Wengenmayr. Und auch zum kürzlich verstorbenen Komponisten Ennio Morricone hatte er eine besondere Verbindung.
Klassik Radio hatte den Filmmusikkomponisten aus Augsburg im Interview.

Herr Wengenmayr, haben Sie Morricone mal persönlich getroffen?

"Ich hatte tatsächlich das große Glück Ennio Morricone persönlich kennenzulernen. Das war im Jahr 2011 auf dem internationalen Filmfest in Rom. Er saß in der Jury und überreichte mir den Preis für die beste Filmmusik zum Film „Hotel Lux“, Regie Leander Haußmann.

Ich muss gestehen, dass ich in diesem Moment sehr nervös und auch sehr bewegt war: den Menschen kennenzulernen, dessen Musik mich all die Jahre, in guten und schlechten Zeiten, fast Tag-täglich begleitet hat."

Haben Sie eine Lieblingsmusik von ihm?

"Ich liebe seine Musik zu „Es war einmal in Amerika“. Dieser Film steht bei mir eh auf Platz eins meiner „All Time Favorite“-Liste. Ich fließe dahin, wenn ich die Musik aus „Cinema Paradiso“ oder ganz besonders „Die Legende des Ozeanpianisten“ höre. Und ja, die Musik von Ennio Morricone hat mich mindestens genauso beeinflusst wie die von John Williams, von Richard Strauß und Gustav Mahler."

Welche Verbindung haben Sie zu Morricones Musik?

"Ich empfinde bei „The Forest Scene“ das Gleiche wie beim „Adagietto“ aus Mahlers Fünften. Ich habe das Gefühl, mich fallen lassen zu können und in den Arm genommen zu werden. Morricones Musik tröstet mich, wenn ich traurig bin und macht mich noch glücklicher, wenn ich eh schon zufrieden bin."

Wie schätzen sie seinen Einfluss auf die Filmmusikwelt ein?

"Morricones Einfluss auf die Filmmusikwelt ist enorm, weil meines Erachtens kein Komponist von sich behaupten kann, dass er mit seiner Musik ein neues Film-Genre kreiert hat. Ich denke an die Spaghetti-Western. Diese Spaghetti-Western wären nie so populär geworden ohne die Musik von Ennio Morricone.

Sein Einfluss auf die Filmmusikwelt ist für Filmkomponisten zum Teil schon frustrierend, denn sobald man das Streichorchester bittet den Dämpfer, den sogenannten „Sordino“, aufzusetzen, klingt jeder Akkord fast schon wie Ennio Morricone.

Der Reichtum an wunderbaren Melodien, an unglaublich genialer Orchestrierung und fantastischen Sounds, die den ganzen Film prägen, ist so enorm, dass es für zukünftige Filmkomponisten schwierig beziehungsweise unmöglich sein wird, in seine Fußstapfen zu treten. Ennio Morricone zählt für mich persönlich, neben Max Steiner, Korngold, John Williams, Bernard Herrmann, etc.  zu den wichtigsten Vertretern der Filmmusikgeschichte und es erfüllt mich mit großem Stolz, dass ich ihn kennenlernen durfte."

Lesen Sie mehr zu Ralf Wengenmayr in unserem Künstler-Wiki.

Klassik Radio gedenkt Morricone

Wir setzen dem Maestro Morricone ein Denkmal. Unter dem Motto Musica Immortale gibt es am Abend des 09. Juli 2020 ein Spezial mit Holger Wemhoff zu Ennio Morricone mit Interviews von und über ihn und natürlich seiner Musik.

Am Donnerstag im Cinemashow-Spezial von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr.

(KR Red.)
   

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