"Musik berührt wie Worte es nicht können"

Musikalische Schultour gegen das Vergessen

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Das Projekt "Respondinmusic” nähert sich über die Musik dem schwierigen Thema der Aufarbeitung der NS-Zeit und arbeitet gegen das Vergessen.

Durch Musik Geschichte erzählen

"Musik kann an Stellen berühren wie Worte es nicht können", erklärt Pianistin und Projektinitiatorin Annika Treutler."Wir merken, dass diese Idee auch aufgeht und wir können, indem wir die Musik noch erläutern, z.B. unter welchen Umständen sie entstanden ist, sie komponiert wurde, durch das Erzählen der Einzelschicksale der Komponisten, Geschichten und vor allem: Geschichte erzählen."

Im Gepäck: ganz besondere Musik 

Annika Treutler tourt gemeinsam mit drei Kollegen durch Schulen - im Gepäck ganz besondere Musik. Denn viele der Stücke, die gespielt werden, gehören zur sogenannten "verfemten" Musik. Stücke, die während des Dritten Reiches in Deutschland verboten und deren Komponistinnen und Komponisten verfolgt und getötete wurden. So finden sich im Repertoire unter anderem auch Victor Ullmann, der in Ausschwitz ermordet wurde oder ein Chanson von Adolf Strauß, den der Musiker im Lager Theresienstadt komponierte. 

Gespräche auf Augenhöhe

Doch bei "Respondinmusic" wird nicht nur Musik gespielt, sondern auch darüber diskutiert. Dabei ist Annika Treutler eines ganz wichtig: Augenhöhe. Denn die Schülerinnen und Schüler bekommen im Vorfeld zwar Materialien, mit Infos bspw. darüber, was man unter verfemter Musik versteht oder darüber, unter welchen Umständen in einem Lager wie Theresienstadt komponiert und musiziert werden konnte. "Doch eigentlich kommen sie in die Schulstunde und wissen gar nicht, was sie erwartet. Ob es sich um ein Konzert handelt, ob sie überhaupt reden dürfen. Wir kommen in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen, dass wir von vorneherein signalisieren: wir sind alle auf einer Ebene und unterhalten uns einfach." 

Einstiegsthema Musik

Dabei hilft das Thema Musik, mit den Schülern ins Gespräch zu kommen - es geht zunächst um die persönliche Verbindung zur Musik eines jeden Einzelnen und Fragen wie: "Was bedeutet Musik für dich, wann und wie hörst du Musik und wenn du ein Instrument spielst, was gibt dir das? Darauf bekommen wir auch immer sehr ehrliche Antworten", erläutert Annika Treutler. Teils kann das sehr berührend sein, wie z.B. als ein Lehrer feststellte, wie sehr ihm das Singen mit seinen Schülern seit einem halben Jahr fehlt.

Unterschiedliche Resonanz

Darüber gelingt dann auch die Brücke zu ernsteren Themen: was man von der Musik lernen kann, wie frei wir heute in der Musikwahl- und -Ausübung sind und wie schwierig es zu NS-Zeiten für viele Künstler war. Dabei kommt es teilweise zu sehr angeregten Diskussionen, doch manchmal müssen die Schülerinnen und Schüler die Thematik erst einmal verarbeiten und bleiben eher still.

"Wir wollen etwas anstoßen"

Doch Annika Treutler und ihren Kollegen ist vor allem Eines wichtig: "Uns gehts gar nicht darum, dass sofort eine wohlformulierte Reaktion oder Antwort der Schüler kommt, sondern wir wollen etwas anstoßen, ein Bewusstsein entwickeln, dass jeder Mensch eine Stimme hat und was wir für ein Privileg haben, dass wir heute in einer freien demokratischen Welt leben können. Und das wir einen Beitrag dazu leisten können, dass das so bleibt." 

(K.Jäger) 


Politisches und gesellschaftliches Engagement ist so wichtig wie noch nie: Die einflussreichsten Klassikkünstler von heute. 


Auch die Filmlegende Arthur Brauner hat sich in seinen letzten Lebensjahren intensiv mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus auseinandergesetzt. 




   

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