Nachgefragt: Oper auf Netflix?

Das sagt die Deutsche Oper Berlin

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Mit dem Musical "Diana" hat die erste Broadwayproduktion ihre Premiere auf Netflix bevor sie jemals am Theater gespielt wurde. Wäre das auch für Opern denkbar? ...Nächstes Jahr im Mai ist es soweit: das Broadway Musical “Diana” über die verstorbene Prinzessin wird uraufgeführt. Der Ort der Premiere allerdings ist ungewöhnlich: nicht der Broadway, sondern online, auf der Streaming-Plattform Netflix. Da fragt man sich doch: wäre das nicht auch bei Opern möglich.

Technische Umsetzung möglich

Wir haben mit Dietmar Schwarz, Intendant der Deutschen Oper Berlin gesprochen. Er meint – von der Umsetzung her wäre das möglich: "Also Aufnahme oder nicht, das Requisit an sich hat heute nicht mehr den Scheincharakter, das es vielleicht früher hatte. Wir schauen, dass das präzise ist, so, dass es auch gefilmt werden könnte."Gleiches gelte für das Bühnenbild: wo früher vielleicht noch ein Riss in der Leinwand toleriert wurde, ist das heute ein No-Go.

Akkustik wie in Bayreuth

Auch bei der Akustik müssten theoretisch keine Abstriche gemacht werden: "Theoretisch wurde schon vor 20 Jahren gesagt, dass die technischen Möglichkeiten so sind, dass nur ungefähr höchstens 10% bei den Bayreuther Festspielen hört, ob es live ist oder künstlich hergestellt." Auch finanziell wäre es möglich, mit einem Partner an Bord: "Für die Finanzierung für solche Übertragungen haben wir immer einen Partner, allein aus unseren Etats können wir das nicht unbedingt."

Ohne Publikum keine Zukunft für die Oper

Trotzdem fehlt virtuell eine entscheidende Variante: das Vorbereiten auf den Abend inklusive Garderobenfrage, das Zusammentreffen von Menschen und vor allem das gemeinsame Erlebnis: " Jetzt könnte man sagen, dass ist doch beim Fußball genau das Gleiche. Das stimmt. Es geht - das man Oper ohne Publikum macht. Aber ich glaube, dass zukunftsorientierte Chancen für die Opern nur im gemeinsamen Erleben sein wird. Wenn das gar nicht mehr ginge, dann weiß ich nicht, ob auch ein neues Publikum für die Oper gefunden wird." 

Problem der Oper: die dreistündige Länge

So würden auch Opernneulinge eher durch ein Live Event Zugang zur Oper finden: "Natürlich gibt es auch Menschen, die in die Oper gehen und finden das langweilig. Doch, die, die Oper wirklich packt, das ist dann das Live Erlebnis." So sieht Dietmar Schwarz einen Opernneuling angesicht einer Online-Opern-Übertragung einer Oper eher nicht auf "Play" drücken. "Digitale Formate müssen kurz sein. Und das Problem bei der Oper ist die dreistündige Länge." Das zeigt auch die eigene Erfahrung: seit fünf Jahren streamt die Deutsche Oper Berlin ihre Premieren auch live online mit - zusätzlich zum realen Event, sozusagen als Marketingmaßnahme oder Werbung. Allerdings sind die Klickzahlen zwar zunächst hoch, die Verweildauer ist allerdings nur kurz. 

Online-Formate die funktionieren

Was allerdings funktioniert und die Deutsche Oper Berlin auch einsetzt sind kurze Trailer online, die neugierig auf Oper machen sollen: "Das man Ausschnitte nimmt und mal zeigt: da ist eine junge Sängerin, gut aussehend, ein junger Tenor, gut aussehend, wo sich die Sympathie überträgt durch das digitale Bild, so dass auch junge Leute sagen: Also der redet ja super drüber, das würde mich mal interessieren."

Ähnliche Produktion vorstellbar 

Trotz allem könnte sich Dietmar Schwarz eine ähnliche Produktion wie bei dem Musical "Diana" vorstellen - mit dem richtigen Regisseur: "Christian Petzold, der Regisseur der jetzt gerade den Film "Undine" gemacht hat, in dem teilweise auch sehr phantastische und opernhafte Bilder sind, sagen würde: ich würde gerne Eure "Carmen" aus meiner Perspektive filmen, dann könnte ich mir das durchaus vorstellen." 

(K.Jäger)

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