Online Streaming in der Klassik? Ja oder Nein?

In dieser Frage gehen die Meinungen auseinander

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Das Leben findet momentan zunehmend online statt. Auch die Kultur hat es von der Bühne ins Internet gedrängt und auch das ruft gemischte Meinungen hervor.
Für viele ist es eine gute Möglichkeit, in Kontakt mit der Umwelt zu bleiben, aber es gibt auch einige besorgte Stimmen, die sich fragen, inwiefern das - zumeist kostenlose - Angebot eine Gefahr für die Kunst und Kultur werden kann.

Online-Klassik

„Ich finde den „Digitalisierungs-Wahn“ - und ich kann es nicht anders nennen - sehr bedenklich“, sagt beispielsweise Stefan Pickel, der Künstlerische Leiter des Deutschen Mozartfestes Augsburg. Für ihn ist ein Online-Stream nicht vergleichbar mit einem richtigen Konzert und gerade für die Künstler sei es schwer, keinerlei Resonanz zu bekommen. „Zu Hause sitze ich dann eben im „Schlurf“-Gewand. Das mag einen bestimmten Charme haben, aber es ist mit der klassischen Musik schwer zu vereinbaren“, sagt auch die Pianistin Sophie Pacini. Für sie ist das Erleben eines Konzertes von zu Hause aus keine Alternative.

Kontakt halten mit dem Publikum

Die Versorgung der Bevölkerung mit Kultur ist momentan aber nun mal nur online möglich und daher ein wichtiges Medium. Auch Andrea Zietzschmann, Intendantin der Stiftung Berliner Philharmoniker sieht das so und möchte über das Online Angebot mit dem Publikum in Kontakt bleiben: „Natürlich werden wir die mit dem Orchester geplanten Projekte versuchen aufrecht zu erhalten und jeweils auch streamen.“ Und damit sind die Berliner Philharmoniker nicht alleine; schon im März hatten eine Vielzahl von Künstlern über die Sozialen Medien Konzerte für deren Follower gespielt, mit großem Erfolg.

Neue Formate

Eins zu eins lässt sich das Erlebnis aus dem Konzertsaal nicht ins Netz übersetzen, da sind sich alle einig, aber es entstehen in dieser Zeit auch viele neue Formate, die zumindest vorrübergehend eine Alternative sein können. Beispielsweise das „Netflix der Opernwelt“, wie das Projekt „OperaVision“ gerne genannt wird, das es schon seit drei Jahren gibt. Veronka Köver ist Mitglied des internationalen Teams hinter der Opernplattform, die von 29 Opernhäusern aus 17 europäischen Ländern gefördert wird und gerade in dieser zeit sein Angebot stetig ausbaut. „Wir haben ein ganz vielfältiges Programm von Opernaufführungen und Konzerten, aber auch von digitalen Opernkreationen. All das begleiten wir mit Angeboten wie Artikeln, Videos, Probenbesuchen und exklusiven Interviews“, so Köver, aber sie sagt auch, dass das Projekt einen traditionellen Opernbesuch niemals ersetzen kann und will. „Ich denke, dass OperaVision komplementär zu einem Opernbesuch funktioniert und deshalb sollten traditionelle Opernhäuser uns auch auf keinen Fall als Konkurrenz ansehen.“

Großes Interesse

Die Lust auf Kultur ist groß, das merkt man auch an den steigenden Online-Angeboten. Auch kann durch die Verlagerung ins Internet ein jüngeres Publikum erreicht werden und die Inhalte werden insgesamt mehr Menschen zugänglich gemacht. Es werden neue Formen gefunden, denn die Digitalisierung ist ohnehin ein nicht aufzuhaltender Prozess und die Möglichkeiten, die sich aus einem Zusammenschluss der realen und digitalen Welt ergeben, sind grenzenlos.

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(L. Bothor)
   

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