Oper Kiel startet in die neue Spielzeit

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Fabio Ceresa eröffnet die Saison mit zwei italienischen Einaktopern: eine Augen- und Ohrenweide.

Fabio Ceresa

Der als „bester Nachwuchsregisseur“ Europas ausgezeichnete junge Künstler inszeniert nun zum dritten Mal am Kieler Opernhaus und setzt mit seinem Doppelabend „Cav/Pag“ seine Reihe an bildkräftigen Abenden fort.
Die italienischen Klassiker von Pietro Mascagni und Ruggiero Leoncavallo wurden in den 1890er Jahren erstmalig aufgeführt und seitdem oft gemeinsam präsentiert.

Es sind zwei Eifersuchtsdramen voll enttäuschter Liebe, Rachsucht und Herzschmerz. Die Dramatik und die Emotionen spiegeln die Musik wahnsinnig einnehmend wieder. Die beiden Stücke gehören zur „italienischen DNS“ sagt Ceresa, doch bedeutet die Ähnlichkeit keine inszenatorische Annäherung.

Dramatik am Osterfest: „Cavalleria Rusticana”

Die schwangere Santuzza wird von ihrem Liebhaber Turiddu verlassen, denn der lässt sich auf die verheiratete Lola ein. Santuzza verrät diese Affäre an den Ehemann von Lola, der Rache schwört und Turiddu im Duell ersticht.
Ceresa verortet die Szenarien in einen Kirchenraum und setzt gekonnt Kontraste durch fein abgestimmte Beleuchtung. Das üppige, intelligent eingesetzte Bühnenbild stammt von Massimo Checcetto. Einen weiteren Kontrast setzt der Ausstatter Giuseppe Tellos mit den pompösen Kostümen der Hauptcharaktere und dem schlichten schwarzen Kleid des Chors. Dieser erlangt mit rund einem Viertel an Chorepisoden eine enorme Kraft und Intensität. Die verlassene Santuzza wird von der Mezzosopranistin Cristina Melis verkörpert. Eine wundervolle Besetzung, die den Zuschauer in ihre Gefühlswelt einlädt.

Theater im Theater: „Der Bajazzo“

Von der eher naturalistischen Szenerie der Cavalleria verschiebt Ceresa nun den Fokus in die bunte Welt einer Commedia de‘ll arte-Gruppe.


© Olaf Struck
Eine Truhe steht in der Mitte des Bühnenraums, aus der die Charakterfiguren der Commedia de‘ll arte zum Vorschein kommen und das Stück einleiten. Doch hinter der fröhlichen Fassade der kostümierten Columbina, Bajazzo und Co. sieht es nicht so glitzernd aus, wie auf der Bühne: Nedda, die die Columbina spielt, ist die Frau des Truppenleiters Canio, der die Rolle des Bajazzo übernimmt. Doch sie liebt einen Bauern namens Silvio und plant nach der Vorstellung mit ihm fortzugehen.

Die Diskrepanz zwischen den Theaterfiguren und ihrem eigenen Schicksal wird ihnen zum Verhängnis und wird auch so manchem Theaterschaffenden selbst bekannt vorkommen: Zu Gunsten des Spiels müssen eigene Emotionen zurück gestellt werden. Doch Canio erträgt dieses Spiel nicht mehr und besingt seine Gefühle in der Arie „Ridi, Bajazzo“ („Lache, Bajazzo“). Dario Proja gelingt es, die Zerrissenheit des Künstlers in sich aufzunehmen und an das Publikum weiter zu geben. Canio tötet seine Frau während einer Aufführung und seine Fassade verschwindet vor Augen des Publikums, welches durch den grandiosen Kieler Opernchor und streckenweise unter Verstärkung des Kinder und Jugenchors der Oper Kiel verkörpert wird.

Wieder sind die Kostüme im Detailreichtum kaum zu übertreffen. Unter den bunten Kleidern der Commedia-Figuren stecken die Charaktere in schwarzen Gewändern. Die Bühne auf der die Gaukler ihr Spiel präsentieren, ähnelt einem Käfig aus Seilen. Dieses Bild wird auch in Neddas Arie aufgegriffen, in der sie die Freiheit der Vögel besingt. Die zerrissene Nedda wird fantastisch präsentiert von Agnieszka Hauzer.

Ein vielversprechender Auftakt in die neue Spielzeit der Oper Kiel.
   

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