Deutschlands jüngster Generalmusikdirektor

Patrick Hahn im Gespräch mit Klassik Radio

patrick-hahn-im-gespräch-mit-klassik-radio © © Gerhard Donauer _ C&G Pictures
Mit gerade einmal 25 Jahren hat er international Karriere gemacht und wird in der Saison 2021/22 Generalmusikdirektor in Wuppertal: Patrick Hahn.

Herumliegende Instrumente

Seine Liebe zur Musik entdeckte er durch den Chor- und Musikunterricht an der Volksschule: "Das war üblich, dass man da mitmacht. Meine Eltern waren zwar keine Musiker, aber die haben gemeint, das gehört sich eben so. Und dann lagen bei uns zu Hause und beim Opa noch zwei Instrumente herum: eine uralte Gitarre und ein uraltes Keyboard und das wurde dann nacheinander an uns verteilt. Mein älterer Bruder durfte Gitarre lernen, ich habe das Keyboard genommen und mein jüngerer Bruder konnte sich das Instrument dann aussuchen, da stand nichts mehr herum." 

Musik ist das Einzige, was ich mir vorstellen kann

So spielte Patrick Hahn Klavier und sang im Chor - und das so gut, dass die Leiterin hellhörig wurde: "Die meinte dann: 'Du bist ganz geschickt mit der Stimme und ich kenne da einen Knabenchor in Graz, da kannst Du noch viel mehr machen, denn was wir hier machen, ist ja auch irgendwie limitiert." Während der Zeit im Knabenchor kam dann auch der Moment, in dem Patrick Hahn bewusst wurde: "Musik - das ist das Einzige, was ich mir vorstellen kann."

Was Mozart kann, können wir auch

Er hatte mit zwei Knabenchorkollegen gerade in Mozarts Zauberflöte gesungen, als die Drei auf die Idee kamen: warum nicht selbst eine Oper schreiben? "Wenn Mozart das kann, können wir das auch." Gesagt getan, Patrick Hahn schrieb die Musik dazu und das einstündige Singspiel: "Die Fritattensuppe" entstand. Der Chorleiter war so begeistert von dem Stück, dass er eine Vorführung mit Orchester und Chor veranlasste - und Patrick Hahn die Basics des Dirigierens zeigte, so dass der 12-jährige bei der Uraufführung seiner ersten Oper direkt auch am Pult stand. Eine prägende Erinnerung. Nervös war er allerdings nicht besonders, erinnert er sich: "ich war immer schon so ein bisschen eine Rampensau, die gerne auf der Bühne steht. Außerdem war ich es schon ein bisschen gewohnt vom Knabenchor. Es hat mich schon von früh auf begeistert, auf der Bühne zu stehen, Musik zu machen. Es war immer schön, wenn Publikum da war, das hat mir keine Angst bereitet."

Geschickter Schummler

Trotzdem studierte er zunächst Klavier, bevor er sich dem Dirigieren widmete. Warum er nicht Pianist geworden ist? "Ich war einfach zu faul zu üben, ich hatte einfach nicht das Sitzfleisch, um da stundenlang zu üben. Da gab es einfach Leute, die wahren technisch viel brillianter", gibt der 25-jährige unumwunden zu. Sein Ding, das war eher das Improvisieren: "Ich war immer ein geschickter Schummler, ich konnte mich super über Dinge rüber schummeln am Klavier, ich konnte einfach Blattlesen und Opern vom Blatt spielen und da haben sich andere technisch viel begabtere Kollegen eher schwer getan, das war eher immer ich. So war ich auch als Korrepetitor tätig, und das war genau, das, was ich konnte: mich durch ganze Opern fressen."

Nach der ersten Probe begeistert

Und nun winkt in der Saison 2021/22 der Posten als Generalmusikdirektor in Wuppertal - damit wird Patrick Hahn der jüngste Generalmusikdirektor im deutschsprachigen Raum sein. Dabei war er eigentlich gar nicht auf der Suche nach einer Festanstellung. Doch dann hat er im Januar diesen Jahres das erste Mal mit dem Symphonieorchester Wuppertal zusammengearbeitet und war schon nach der ersten Probe begeistert: "Sie waren so begeisterungsfähig und spontan und flexibel und herzlich - das war so ein tolles Arbeiten. Das Ergebnis war einfach toll, menschlich und musikalisch befriedigend." Als dann das Orchester auf ihn zukam und fragte, ob er sich nicht vorstellen könne, Generalmusikdirektor zu werden, sagte Patrick Hahn deshalb zu. 

Wuppertal hat Potential 

Für ihn ist der Posten in Wuppertal aus mehreren Gründen reizvoll. Zum einen weil Wuppertal viel Potential habe und sich mit seinem Orchester durchaus aus dem Schatten der benachbarten Städte wie Köln und Düsseldorf heraustrauen könne: "Man kann auf hohem Niveau arbeiten, ohne gleich von allen Seiten begutachtet zu werden, man hat quasi noch einen Weg vor sich in die erste Reihe, das fand ich extrem reizvoll." Zudem sei die historische Stadthalle Wuppertal der absolute Wahnsinn und einer der schönsten Konzertsäle, die er kenne und das alles zusammen einfach tolle Voraussetzungen dort zu arbeiten.

Keine Durchsetzungsschwierigkeiten 

Schwierigkeiten, sich als junger Dirigent bei einem Orchester durchzusetzen oder ernst genommen zu werden, hat er nicht: "In Wahrheit war das nie ein Problem für mich. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass je besser ein Ensemble ist und im Reinen mit sich selbst, um so weniger ist es für sie von Bedeutung wie jung oder alt ein Dirigent ist." Es seien wenn, dann nur einzelne Musikerinnen oder Musiker, die insgeheim unzufrieden mit ihrem Posten seien oder private Befindlichkeiten widerspiegeln würden, doch das sei ihm zum Glück noch nicht passiert. Natürlich müsse man beweisen, ob man seinem Ruf auch gerecht werde, doch wenn man das klar gestellt habe, hätten die Orchester große Freude, auch mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten. 

"Ich möchte nahbar sein"

Er hofft, durch seine Position und mit seiner Arbeit, Klassik auch Gleichaltrigen wieder schmackhaft zu machen: "Ich erhoffe mir allein durch mein eigenes Alter, eine Publikumsschicht anzusprechen zu können, die sich bislang noch nicht so sehr angesprochen gefühlt hat, wie z.B. junge Menschen. Es gibt ja durchaus viel Interesse bei Jugendlichen, aber die heißt es eben, zu fangen. Und ich denke, da sind Menschen, die greifbar sind, wichtig. Ich möchte auch jemand sein, der irgendwie nahbar ist und ich denke, damit können sich auch junge Menschen identifizieren.

Kirill Petrenko eine Art Vorbild

Für ihn selbst ist der russische Dirigent Kirill Petrenko eine Art eigenes Vorbild: "Ich habe ihn 2017 das erste Mal kennengelernt und ich fand es einfach wahnsinnig faszinierend, wie er arbeitet. Er ist ein sehr loyaler Mensch und mit den Leuten, die er gut kennt, ist er total herzlich. In der Musik ist er im positiven Sinn kompromisslos, probt, bis es ist, wie es sein soll. Ich finde ihn einen sehr faszinierenden Menschen." 

(K.Jäger)

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