"Ich lass mich nicht vor den Karren spannen!"

Pianistin Sophie Pacini im Interview

pianistin-sophie-pacini-im-interview © sophie-pacini.com
Sophie Pacini findet klare Worte für US-Präsident Trump, die Politik und die aktuelle Situation. Selbst politisch aktiv zu werden, ist ihr allerdings zu heikel aus gutem Grund.


"Das ist ein sehr löchriger Käse"

Sophie Pacini vermisst die Zeiten vor Corona. Denn auch, wenn langsam wieder Leben in die Kultur- und Klassikszene kommt - Konzerte fühlen sich für sie nun einfach anders an: 

Es hat einfach nicht mehr dieses wahnsinnige Zusammengehörigkeitsgefühl. 

Wenn man bedenkt, wie es vor Corona war, am besten haben wir als Musiker im Publikum gespielt und saßen den Leuten quasi mit auf dem Schoß, so eng waren die Konzertsäle und auch diese Intimität, dieses salonhafte war so extrem schön und auch diese Schwingungen, die auch von Mensch zu Mensch übergegangen sind.

Das findet ja jetzt alles so nicht statt. Da sind große Lücken. Das ist ein sehr löchriger Käse. Das ist schon insgesamt etwas wackelig das Bild, finde ich."

"Beschränkte Konzerte sind nicht juhu"

So folgt auf die erste Begeisterung, wieder spielen zu können, bald die Ernüchterung:

"Boah endlich kann ich wieder spielen, juhu, juhu. Und dann siehst Du im Saal 20 Leute sitzen, in einem Saal, in den sonst 400 reinpassen. Das ist nicht juhu.

Das ist erstmal natürlich schön, aber wenn wir uns damit begnügen und zufrieden geben, dann werden wir nach wie vor die Letzten in der Schlange sein, die bedacht werden."

Sophie Pacini plädiert deshalb an ihre Kollegen, nicht alles mitzumachen, denn:

"ich bin mir sicher, wenn wir uns auch ein bisschen zurückziehen und sagen: Konzerte sind dann wirklich Konzerte, wenn ein Mindestmaß an Menschen beim Konzert dabei sein dürfen, dann werden wir A viel ernster genommen und B haben wir auch viel mehr Chancen, dass sich das Ganze bald wieder normalisiert."

"Ich lass mich auf keinen Fall vor den Karren spannen!"

Denn Normalität muss wieder einkehren, findet Sophie Pacini:

"Es kann sich nur alles wieder erholen, wenn die Konzerte normal stattfinden können. Und daran müssen wir arbeiten und sagen: es ist ok, ein paar Sachen mach ich mit, aber ich lass mich auf keinen Fall vor den Karren spannen, dass das so ist und:

wir haben Euch ermöglicht, wieder zu spielen, liebe Künstler und dass das jetzt nicht so ist, wie ihr euch vorstellt, das tut uns leid, daran können wir als Politiker nichts ändern. Das ist ein Problem. Da müssen wir ran. Alle miteinander
. "

"Corona-Vorschriften müssen gelockert werden"

Sophie Pacinis Forderung an die Politik: die Vorschriften müssen gelockert werden. Dafür müssen sich ihrer Meinung nach alle Künstler zusammen schließen. 

"Wir haben ein sehr intelligentes Publikum in der Klassik. Das ist ja nicht unterstes Niveau, das ist eine ganz bestimmte Riege an Menschen, die sich zusammenfindet, um mit sich eine Reise zu beginnen. Die sind meiner Ansicht nach, vernünftig genug zu wissen, was man einhalten kann."

In die Politik gehen? "Zu diffizil - da würde ich einige verprellen"

Doch bei allem Elan und Engagement möchte sich die Pianistin Sophie Pacini lieber nicht aufs politische Parkett wagen - denn so traurig es ist, könnte der eigene Ruf darunter leiden:

"Das ist diffizil, denn mein Publikum speist sich aus allen "Parties". Das heißt, ich würde mir einige verprellen, wenn ich eine ganz klare, offizielle Haltung zu einer Partei annehme. Zumal ich auch ehrlich sagen muss, dass keine Partei für mich kritiklos unterstützt werden könnte." 

"Er ist kein Politiker, sondern Abfall, der weg muss"

Geht es allerdings um die eigene Musik, würde die Pianistin Sophie Pacini dann doch ihre Meinung öffentlich vertreten - z.B. wenn US-Präsident Trump ihre Musik bei einer Wahlkampfveranstaltung spielen würde, so wie er das beispielsweise gerne mit Songs der Rolling Stones tut, die ihm deshalb schon mit einer Klage drohten: 

"Er ist kein Politiker für mich, sondern ein völliges Unding. (...)dieses total Unüberlegte , Unempathische, Unsensible und letztendlich auch Proletenhafte. Und wenn sich dann so ein Mensch wie er meiner Musik bemächtigt, dann würde ich auch einen Vogel kriegen. Da geht es dann ans Eingemachte. Da würde ich dann auch politisch den Mund aufmachen. Doch wie gesagt, so jemand wie er ist kein Politiker, sondern nur Abfall, der wegmuss."

"Er ist für mich die Personifizierung von Mozart"

Die deutsche Kanzlerin sieht Sophie Pacini dagegen sehr viel positiver: 

"Soviel man sagen kann, Merkel hin, Merkel her, aber diese große Eleganz, diese Ausgeglichenheit, diese Feinheit. Ich finde das überträgt sich so ein bisschen wie ein Mantel über das Land."

Persönlich spielen würde sie allerdings für keinen Politiker. Das hätte sie höchstens für den verstorbenen Hollywoodstar und Komiker Robin Williams getan:

"Er war für mich einer der absolut größten Schauspieler. Er war für mich die Personifizierung von Mozart. Ich habe alle seine Filme geliebt". 

Neue Klänge der Pianistin Sophie Pacini können wir demnächst alle hören - ihr neues Album "Rimembranza" erscheint am 4. September 2020.

(K. Jäger/ A. Kohler/ F. Schmidt)

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