Plácido Domingo gibt Vorwürfe zu

Brüggemann zu der Äußerung Plácido Domingos

plácido-domingo-gibt-vorwürfe-zu © Ruben Martin
Lange hat er die Vorwürfe abgestritten, nun gesteht er die Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung vollständig ein: Tenor Plácido Domingo. Klassikexperte Axel Brüggemann schätzt die Situation ein.

Axel, es heißt – Plácido Domingo habe sich bei Frauen entschuldigt, die er sexuell belästigt hat – wie ist die Situation?

"Nun – es gibt zwei Meldungen. Die eine: Tatsächlich hat sich Domingo gegenüber einer spanischen Nachrichtenagentur erklärt, dass er sich bei seinen Opfern persönlich entschuldigt habe – vor allen Dingen für ungewollte Berührungen und Küsse: „Ich möchte, dass Sie wissen, dass mir der Schmerz, den ich Ihnen zugefügt habe, ehrlich leid tut.“ Es ist zu vermuten, dass diese Entschuldigung allerdings nicht aus dem Nichts kam. Denn die amerikanische Nachrichtenagentur AP, die Domingos Übergriffe zum ersten Mal zur Sprache gebracht hatte, berichtet heute über ein Investigations-Verfahren von Rechtsanwelten der „American Guild of Musical Artists“ – und die haben herausgefunden, dass die 27 Frauen, die Domingo Übergriffe vorgeworfen haben, im Recht sind. Und mehr noch: dass Domingo seine Position ausgenutzt habe, um Sex zu erzwingen."

Das hört sich alles nicht gut an. Du drehst gerade einen Film über das 30. Jubiläum der 3 Tenöre und hast Domingo getroffen – welchen Eindruck macht er auf Dich, Axel?

"Wir haben mit dem Dreh angefangen, drei Tage, bevor die ersten Beschuldigungen aufkamen – in Caracalla. Dann habe ich Plácido Domingo noch öfter gesehen, und man sah ihm an, dass die Diskussion, die Vorwürfe und der wachsende Druck ihm zu Schaffen machen. Er ist ja auch als Intendant in Los Angeles zurückgetreten und tritt in den USA nicht mehr auf. Während er in Deutschland und Österreich noch gefeiert wird – ich selber habe Brigitte Fassbaender getroffen, die gesagt hat: auch sie wurde von ihm begehrt, so sei das damals gewesen – ist Domingo in den USA tabu – das haben wir auch mit unserem Film gemerkt. Der sollte eigentlich auch in den USA gesendet werden, thematisiert das alles auch kritisch – aber dort hat man sich entschieden, Domingo überhaupt nicht mehr auszustrahlen."

Wie wird es nun denn weitergehen?

"Das ist offen – erst einmal handelte es sich ja um ein Ergebnis der American Guild of Musical Artists – es gibt also noch nichts Juristisches. Das aber könnte nun – gerade in den USA – kommen. Domingos Strategie, die Vorwürfe zuzugeben ist überraschend. Gerade, weil er so lange geschwiegen hat. Und sie sind wahrscheinlich auch eher für sein europäisches Publikum: Schaut her, ich bereue! ich glaube nicht, dass das reicht. Gerade in den USA wird der Druck nun wachsen. Ich nehme Domingo seine Reue ab. Aber für viele seiner Opfer kommt sie wohl zu spät – und die genaue Aufarbeitung der Vorfälle wird sicherlich weitergehen."

   

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