Reaktionen auf Vorwürfe gegen Plácido Domingo

Opernhäuser reagieren auf MeToo-Vorwürfe

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Absagen, Untersuchungen aber auch Rückhalt: so reagiert die Klassikwelt auf die Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Plácido Domingo.

MeToo-Vorwürfe gegen Plácido Domingo

Ein weiterer Rumms ging durch die Klassikwelt, als die nächste MeToo-Welle über einen der berühmtesten Opernstars überhaupt rollt: Neun Frauen erheben schwere Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Opernsänger und Dirigent Plácido Domingo.

In einem Bericht der Nachrichtenagentur AP sagten die Frauen aus, Plácido Domingo habe sie zu sexuellen Handlungen überreden wollen, indem er ihnen Rollenangebote machte. Er versuchte zudem, Druck auf die Frauen auszuüben, indem er ihnen angedroht haben soll, ihnen ihre Rollen zu entziehen, wenn sie nicht auf seine Annäherungsversuche eingingen.

Andere Frauen berichteten davon, dass Domingo sich ihnen gegenüber sexuell unangemessen verhalten hat: er soll unter anderem Frauen auf den Mund geküsst oder ihnen unter den Pullover oder den Rock gefasst haben.

 

Erste Reaktionen der Opernhäuser

Erste internationale Opernhäuser, welche schon seit Jahrzehnten mit Plácido Domingo zusammenarbeiten, haben bereits auf die Vorwürfe reagiert.

Das Philadelphia Orchestra lud den Sänger aus dem Eröffnungskonzert ihrer Saison am 18. September aus. Das Orchester ließ verlauten, es sei „verpflichtet, eine sichere, stützende, respektvolle und angemessene Umgebung zu schaffen“.

Genau wie das Philadelphia Orchestra strich auch die San Francisco Opera den Opernsänger aus ihrem Programm.

Die Los Angeles Opera, deren Generaldirektor Domingo seit 2003 ist, kündigte an, eine Untersuchung gegen Plácido Domingo einzuleiten. Während die Untersuchungen andauern, soll dieser jedoch in seinem Amt bleiben. In einer Erklärung heißt es, dass die „beunruhigenden“ Anschuldigungen durch externe Berater geprüft würden.

 

Salzburger Festspiele zeigen sich solidarisch

„In dubio pro reo“ ließ die Präsidentin der Salzburger Festspiele Helga Rabl-Stadler zu den Missbrauchsvorwürfen verlauten, „im Zweifel für den Angeklagten“.

Rabl-Stadler kenne Domingo seit über 25 Jahren, schreibt die Festspiel-Präsidentin in einer Pressemitteilung. Sie betonte seinen wertschätzenden Umgang mit allen Frauen und Männern im Team. Als ausgebildete Juristin fände sie es „sachlich falsch und menschlich unverantwortlich, zum derzeitigen Zeitpunkt endgültige Urteile und darauf beruhende Entscheidungen zu fällen.“

Damit wird Plácido Domingo wie geplant bei den Salzburger Festspielen am 25. und 31. August in der Verdi-Oper „Luisa Miller“ auftreten.

 

Mehr Klassik-News

Die MeToo-Debatte ist schon lange auch in der Klassikszene angekommen: so hat etwa die Gleichbehandlungskommission die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und Machtmissbrauch gegen den ehemaligen Leiter der Festspiele Erl Gustav Kuhn bestätigt

In Februar 2019 wurde US-Countertenor David Daniels wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung gemeinsam mit seinem Ehemann in Michigan festgenommen.

Nicht immer werden MeToo-Vorwürfe öffentlich geklärt. Nach den Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens und dem Rauswurf beim Amsterdam Concertgebouw Orchestra gründet Daniele Gatti ein eigenes Orchester in Italien.

Wie sexistisch ist die Klassikszene? Lesen Sie hier, wie Frauen in Opernhäusern und Orchestern vertreten sind.
   

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