Schmidts Streamingtipps KW 02

von Film-Experte Florian Schmidt

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Er weiß immer, wo die besten Filme laufen - Klassik Radio Film-Experte Florian Schmidt. Für Ihr Wochenende hat er seine Filmtipps für Sie zusammengefasst.
„Ziemlich bester Meisterdieb“ oder auch „Der Gentleman-Gangster“. Omar Sy spielt eine moderne Version des Gauner-Genies Arsène Lupin, in der französischen Netflix-Serie „Lupin“.



Arsène Lupin ist in Frankreich so bekannt wie Sherlock Holmes – und der britische Detektiv war tatsächlich auch ein Vorbild für den französischen Meisterdieb. Der charmante Omar Sy, seit „Ziemlich beste Freunde“ weltweit ein Star, spielt die Hauptrolle des Assane Diop. Als der ein Jugendlicher war, wurde sein Leben auf den Kopf gestellt: Sein Vater starb, nachdem man ihn eines Verbrechens beschuldigt hatte, das dieser nicht begangen hatte. 25 Jahre später dient ihm „Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner“ als Inspiration, um seinen Vater zu rächen. „Lupin“ ist eine höchst unterhaltsame, witzige und rasante Mischung aus „Sherlock“ und „Ocean’s Eleven“.

Türkische Erfolgsserie bei Netflix

Ebenfalls bei Netflix läuft die türkische Serie „Bir Başkadır – Acht Menschen in Istanbul“, die sich sehr viel Zeit lässt, auf eine intensive Charakterentwicklung setzt und auf lange und ruhige Dialoge.

Es geht, wie der deutsche Titel bereits andeutet, um acht, vollkommen unterschiedliche, Menschen in Istanbul. Zum Beispiel um eine Psychiaterin, die sich den Weg zu ihren Gefühlen versperrt hat. Oder eine Frau mit Kopftuch vom Land, die sich die Liebe zum selbstverliebten reichen Schnösel, bei dem sie putzt, nicht einzugestehen vermag. Die Städter verstehen die Landmenschen nicht, die Alten verstehen die Jungen nicht, und alle verstehen sich selber nicht. Und genau davon erzählt die Serie.

Festivalhit, Oscarkandidat und Geheimtipp

Kommen wir mal von den Serien zu den Filmen und damit zur aktuellen Netflix-Ankündigung: Jede Woche ein neuer Film, das ist der Plan des Streamingdienstes, der insgesamt in diesem Jahr 70 neue Filme veröffentlichen will, das wäre mehr als Warner Bros. und Disney in diesem Jahr gemeinsam auf den Markt bringen.

Hauptsächlich werden die aufwendigen Produktionen und die großen Blockbuster beworben – und manchmal gehen dann die kleinen Filmperlen etwas unter, wie etwa das taiwanesische Drama „A Sun“. Der Film hat in seinem Heimatland den wichtigsten Filmpreis gewonnen, begeisterte schon auf dem Festival von Toronto und geht für Taiwan auch ins Oscar-Rennen. Das Film-Branchenblatt „Variety“ hat „A Sun“ hochgelobt und als einen der besten Filme des Jahres 2020 gelobt. Höchste Zeit also, mal reinzuschauen, in dieses Familien-Krimi-Drama.



Es geht um das schwierige Verhältnis zwischen einem Vater und seinen zwei Söhnen. Als einer der jungen Männer auf die schiefe Bahn gerät, fordert der Vater gar vor Gericht eine besonders harte Strafe. Während der Kleinkriminelle seine Haftstrafe verbüßt, kommt es zu einer Tragödie, die die Familie weiter auseinanderfallen lässt.

Filmfriend: Fantastische Streaming-Alternative

Wem dagegen eher nach einem der kitschfreiesten Liebesfilme seit Langem ist, der schaut „Take This Waltz“, denn Sarah Polleys hinreißende, bitter-süße Liebesgeschichte von 2013 ist schlau und liebenswert und wirft einen frischen Blick auf das uralte Problem, ob und wie man eine Beziehung auf Dauer aufrecht erhalten kann.



Michelle Williams spielt eine Frau, die glücklich verheiratet ist. Das zumindest denkt sie zumindest, bis sie im Flugzeug auf den Lebenskünstler Daniel trifft, der ihr aufmerksam zuhört - und sie plötzlich nicht mehr weiß, was sie denken und fühlen soll. Bald steht sie vor der Frage: Soll sie an der Geborgenheit des Gewohnten festhalten oder dem Kitzel des Neuen nachgeben? „Take this Waltz“ – ein trauriger und wunderschöner Liebesfilm, realistisch, weise, differenziert und meilenweit von der 08/15-Hollywood-Schnulze entfernt. Zu sehen auf „Filmfriend“, dem Filmportal der deutschen Bibliotheken, auf dem Sie mit Ihrem Bibliotheksausweis kostenfrei Dutzende von schönen Filmen gucken können.

Der doppelte Bjarne Mädel

In der ARD-Mediathek finden wir aktuell gleich zweimal Bjarne Mädel. Zum einen seine Rolle in Ferdinand von Schirachs „Feinde“ – hier gibt es auch ein Wiedersehen mit dem Jahre lang pausierenden Klaus Maria Brandauer; und zum anderen seine Rolle in seinem eigenen Regiedebüt, in „Sörensen hat Angst“. Da spielt Bjarne Mädel einen Hamburger Kommissar, der sich wegen einer Angststörung in die norddeutsche Provinz versetzen lässt. Doch statt der erhofften Ereignislosigkeit bekommt er es mit einem Mord zu tun. Läuft nächste Woche Mittwoch im linearen Fernsehen, ist aber jetzt schon in der ARD-Mediathek zu sehen.

ARTE-Themenreihen „Ozeane“ und „Kurzfilme“

Dann natürlich auch heute der Pflichtabstecher in die ARTE Mediathek – und da lohnen sich gerade zwei Reihen, mit denen man tagelang beschäftigt sein kann, wenn man denn mag. Zwei Wochen lang widmet sich der Sender der Themenreihe „Winter of Oceans“ und taucht für zwei Wochen mit Dokus und Spielfilmen ins feuchte Element ein, leuchtet also das Leben im, auf und mit den Ozeanen der Welt aus.

Es gibt viele Filme – „Die Wikinger“ von 1958 mit Kirk Douglas und Tony Curtis, „Master and Commander“ mit Russell Crowe, „Die Tiefseetaucher“ von Wes Anderson - und natürlich diverse Dokus.



Und wer dem oft zu kurz kommenden Genre des Kurzfilms mal mehr Aufmerksamkeit schenken möchte, hat ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten. Denn 12 der momentan im Rennen um den französischen Filmpreis César befindlichen Kurzfilme lassen sich in der ARTE Mediathek anschauen.  

Preisgekrönte Doku - Mischung aus Animation und Reportage

Und zum Schluss noch eine ganz besondere Doku, die mit dem Schweizer Filmpreis 2019 für den "Besten Dokumentarfilm" ausgezeichnet wurde: „Chris the Swiss“ heißt sie und ist noch einen Monat lang in der 3sat-Mediathek verfügbar. Kroatien, Januar 1992: Mitten im Jugoslawienkrieg wird Christian Würtenberg, ein junger Schweizer Journalist, tot in der Uniform einer internationalen Söldnertruppe aufgefunden. 20 Jahre später erforscht seine Cousine, die Regisseurin Anja Kofmel, die Hintergründe seines Todes.



„Chris The Swiss“ – eine Mischung aus Animation, Reportage und Memoiren.

Mehr zu aktuellen Kinostarts, Streamingmöglichkeiten und Heimkino-Erscheinungen hören Sie wieder nächste Woche Donnerstag ab 18 Uhr in unserer "Cinemashow" oder zum Nachhören in unserer Mediathek

(F.Schmidt

 

   

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