Schmidts Streamingtipps KW 03

von Film-Experte Florian Schmidt

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Er weiß immer, wo die besten Filme laufen - Klassik Radio Film-Experte Florian Schmidt. Für Ihr Wochenende hat er seine Filmtipps für Sie zusammengefasst.
Beim Thema "Filme aus Indien" denken wir zum einen an die unzähligen Bollywood-Musicals und zum anderen an Danny Boyles achtfachen Oscargewinner „Slumdog Millionaire“. Bei Netflix gibt es jetzt  eher eine Art Anti-„Slumdog Millionaire“. „Der weiße Tiger“ ist eine zynisch-sarkastische Verfilmung eines erfolgreichen Romans des indischen Journalisten Aravind Adiga.



Der „Held“ der Geschichte heißt Balram, ist auf der einen Seite schlagfertig, und lustig, auf der anderen aber auch fast schon unerträglich devot und untertänig, ein zuweilen auch richtig unsympathischer Held. Ein Mann, der sich in einer existenziellen Notlage befindet und ständig damit umzugehen hat, dass die Welt um ihn herum ihm seine Menschenwürde abspricht, der ständig damit konfrontiert ist, eigentlich keine Chancen im Leben zu haben. „Der weiße Tiger“ ist eine kraftvolle und bitterböse Aufstiegsgeschichte und schonungslose Anklage des indischen Kastensystems.

Bjarne Mädels Regiedebüt im Ersten

Klicken wir uns weiter in die ARD-Mediathek und finden dort Bjarne Mädels Regiedebüt „Sörensen hat Angst“. Darin spielt der aus Serien wie „Mord mit Aussicht“, „Der Tatortreiniger“ und „Stromberg“ bekannte Mädel auch selbst die Hauptrolle, nämlich einen Hamburger Kommissar, der sich wegen einer Angststörung in die norddeutsche Provinz versetzen lässt. Doch statt der erhofften Ereignislosigkeit bekommt er es mit einem Mord zu tun.



Das Ganze fängt sehr humorig an, mit dem ein oder anderen Lacher, wird dann aber immer heftiger… Peter Kurth und ein kaum wiederzuerkennender Matthias Brandt sind – in etwas klein geratenen Rollen – ebenfalls mit dabei.

Die Welt der Ozeane & Kurzfilme bei ARTE

Dann natürlich auch heute der Pflichtabstecher in die ARTE Mediathek – und da lohnen sich gerade zwei Reihen, mit denen man tagelang beschäftigt sein kann, wenn man denn mag. Zum einen bietet der Sender dieThemenreihe „Winter of Oceans“ und taucht mit Dokus und Spielfilmen ins feuchte Element ein, leuchtet also das Leben im, auf und mit den Ozeanen der Welt aus.

Und wer dem oft zu kurz kommenden Genre des Kurzfilms mal mehr Aufmerksamkeit schenken möchte, hat ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten. Denn 12 der momentan im Rennen um den französischen Filmpreis César befindlichen Kurzfilme lassen sich ebenfalls aktuell in der ARTE Mediathek anschauen. 

Black Cinema bei Amazon Prime: One Night in Miami

Normalerweise steht der Januar ganz im Zeichen der Oscars, aber die wichtigsten Filmpreise der Welt werden ja in diesem Jahr erst im April verliehen. Die amerikanischen Kritiker aber vergeben trotzdem schon in diesen Tagen und Wochen ihre Preise und ein Film taucht regelmäßig auf den Gewinnerlisten auf, der schon im letzten Jahr auf dem Filmfestival in Venedig lief und seitdem über ein Dutzend Auszeichnungen bekommen hat: „One Night in Miami", der in Deutschland jetzt via Amazon Prime zu sehen ist.

Ein Rassismus-Drama, das vier schwarze Legenden zusammenbringt. Nach seinem WM-Sieg im Februar 1964 trifft Boxer Cassius Clay (kurz danach nennt er sich in Muhammad Ali um) in einem Motelzimmer in Miami den Bürgerrechtler Malcolm X, den Sänger Sam Cooke und den Footballspieler Jim Brown.



Das Treffen hat es tatsächlich so gegeben, aber das, was diese vier Ikonen im Film besprechen, ist Fiktion. Die Erfahrungen mit Rassismus und ihr Umgang damit sind bei allen vier sehr unterschiedlich und so ergeben sich viele Diskussionen, manchmal auch Streit darüber, wie die Bürgerrechtsbewegung voranzutreiben ist. Schauspielerin Regina King ist in ihrem Regiedebüt ein intensives Kammerspiel gelungen – und leider hat der Konflikt im Zentrum des Films auch über 50 Jahre später nichts von seiner Brisanz verloren.

Black Cinema bei Amazon Prime: Sylvie’s Love

Wer lieber einen Liebesfilm sehen möchte, der schaut – ebenfalls bei Amazon Prime - „Sylvie’s Love“. Da geht es um eine traurig-schöne Liebe im New York der 50er und 60er Jahre, um große Gefühle, um Herzschmerz und um Jazz – und das alles im Stil der klassischen Hollywood-Melodramen der 50er, im Stil von Douglas Sirk, nur dass es dieses Mal eben um ein schwarzes Paar geht.



Man hätte so gern auch in diesem Schallplattenladen im New York des Jahres 1957 gestanden und sich durch die Platten-Kisten gewühlt, so schön fängt der Film die Atmosphäre der damaligen Zeit ein… In diesem Laden auf jeden Fall beginnt die Geschichte der Plattenverkäuferin Sylvie und des Saxofonisten Robert, die über die Liebe zum Jazz auch bald die Liebe füreinander entdecken. Doch am Ende des Sommers geht alles auseinander… bis die beiden sich Jahre später wieder begegnen.

„Sylvie’s Love“ erzählt eine zwar etwas vorhersehbare, aber doch berührende Geschichte, bietet einen gefühlvollen Jazz-Soundtrack und eine stimmungs- und liebevolle Ausstattung.

BBC-Serie mit Emma Thompson

In punkto Serie lohnt sich aktuell ein Blick in die ZDF Mediathek, wo die hochgelobte 6-teilige BBC-Serie „Years & Years“ die nahe und katastrophenreiche Zukunft Großbritanniens nach dem Brexit skizziert. Die wunderbare Emma Thompson in der Hauptrolle nimmt uns mit auf eine dramatische Reise in unsere nahe Zukunft, genauer gesagt in die nächsten Jahre bis 2034.



Thompson ist wirklich richtig gut in der Rolle der angehenden, populistischen Premierministerin Vivienne Rook und zu verdanken haben wir dieses Serienhighlight Russell T. Davies, u.a. bekannt für „Doctor Who”. Der hat über zehn Jahre lang gewartet, um dieses Herzensprojekt endlich umsetzen zu können.

My French Film Festival – 30 Filme aus Frankreich

Und für die Freunde des französischen Films lohnt der Blick auf das Online-Filmfestival „My French Film Festival“. Bis Mitte Februar kann man 11 Langfilme und 19 Kurzfilme schauen, die die Vielfalt und Lebendigkeit der französischsprachigen Filmwelt präsentieren. Aufgeteilt in verschiedene Themenbereiche lässt sich da einiges entdecken.

Unter „Forever Young“ z.B. sind einige Filme gebündelt, die den Übergang vom Teenageralter zum Erwachsensein thematisieren und in „Crazy Loving Families“ geht es um  komplizierte Familiengeflechte. Alle Filme sind bisher in Deutschland unveröffentlicht, insofern also doppelt spannend, weil man sie sonst nicht oder nur schwer zu sehen bekommen würde. Für 7,99 Euro lässt sich das gesamte Festivalprogramm schauen; die Kurzfilme sind sogar kostenlos verfügbar.

Mehr zu aktuellen Kinostarts, Streamingmöglichkeiten und Heimkino-Erscheinungen hören Sie wieder nächste Woche Donnerstag ab 18 Uhr in unserer "Cinemashow" oder zum Nachhören in unserer Mediathek

(F.Schmidt

 

   

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