Schmidts Streamingtipps KW 04

von Film-Experte Florian Schmidt

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Er weiß immer, wo die besten Filme laufen - Klassik Radio Film-Experte Florian Schmidt. Für Ihr Wochenende hat er seine Filmtipps für Sie zusammengefasst.
Ralph Fiennes auf den Spuren von Harrison Ford, auf den Spuren von Indiana Jones, denn Fiennes spielt in „Die Ausgrabung“ auch einen Archäologen. Das ist dann aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit, denn der Film ist alles andere als eine Action-Sause geworden. Im Gegenteil: er ist ein stimmungsvoller Historienfilm, der 1939 spielt, wenige Wochen vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.



Fiennes buddelt ein 27 Meter langes Schiff aus, das im 7.Jahrhundert als Grabstätte gedient hat, inklusive einer reichhaltig bestückten Schatzkammer. Der Fund von Sutton Hoo in Suffolk gehört tatsächlich zu den bedeutendsten der britischen Archäologie.

Noch spannender aber als die archäologische Komponente des Films, ist die zwischenmenschliche, zwischen Ralph Fiennes und Carey Mulligan. Ganz zart gräbt der Film nämlich auch die verschütteten Gefühle seiner Figuren um und aus. „Die Ausgrabung“ ist angenehm altmodisch inszeniert, sehr bedächtig und melancholisch. Und ganz großartig gespielt.

Jens Harzer und Corinna Harfouch in Tragikomödie

Im Film „Ruhe! Hier stirbt Lothar“ erfährt der titelgebende Lothar, dass er nur noch kurze Zeit zum Leben hat. Das denkt er zumindest, bis sich herausstellt, dass er doch nicht sterben wird. Eine Tragikomödie, die vom Sterben, aber eigentlich vom Leben erzählt.

Das wunderbare, warmherzige und auch witzige Drehbuch hat Ruth Thoma geschrieben, der wir auch schon das Skript von „Der Junge muss an die frische Luft“ zu verdanken haben und die Hauptrollen spielen zwei ganz, ganz Große. Die eigentlich immer tolle Corinna Harfouch und einer der besten Theaterschauspieler des Landes, nämlich Jens Harzer, den Sie vielleicht als rätselhaften Psychotherapeuten aus „Babylon Berlin“ kennen. Als Lothar ist er nun ganz fantastisch als skurriler, weltfremder und penibler Einzelgänger.

Unterhaltsame Wortgefechte in und über New York

„Ich habe keine Macht, aber zu allem eine Meinung“ – das ist das Lebensmotto von Fran Lebowitz. Und dass sie so meinungsstark ist, macht viele Menschen wütend. So analysiert die Vollblut-New-Yorkerin und Schriftstellerin das selbst in der Netflix-Doku-Serie „Pretend It’s A City“. Für diesen siebenteiligen, knapp 3 1/2-stündigen Ausflug nach New York hat ihr langjähriger Freund und ebenfalls Vollblut-New Yorker Martin Scorsese sie begleitet, flaniert mit ihr durch die Stadt und sitzt lange mit ihr zusammen und plaudert einfach drauflos.



Viele von uns dürften die Humoristin mit der scharfen Zunge, die weder Computer noch Smartphone besitzt, bisher nicht gekannt haben, aber das ändert sich nun dank dieser sehr unterhaltsamen Doku-Serie. "Pretend it's a City" über Fran Lebowitz, eine Stadtneurotikerin der altmodischen Art, ist jetzt bei Netflix zu sehen.

Poetische Reise in die neuseeländische Mythenwelt

Ein Ausflug in die ARTE-Mediathek lohnt ja immer, speziell nun auch wegen des Films „Whale Rider“, ein neuseeländisches Drama von 2002, das über 30 Auszeichnungen bekommen hat.



Vor mehr als tausend Jahren soll ein legendärer Walreiter das Meer überquert und den Ort Whangara an der neuseeländischen Küste gegründet haben. Mit Paikea, Pai genannt, erhält zum ersten Mal ein Mädchen den Namen des Walreiters - entgegen der Tradition. Sie wird aber nicht als zukünftige Anführerin akzeptiert…

„Whale Rider“ hat mich sehr beeindruckt – wegen der atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und dem wirklich herzzerreißenden Spiel der Hauptdarstellerin Keisha Castle-Hughes, die aus über 10.000 Mädchen ausgewählt wurde und als 13-jährige damals die jüngste Schauspielerin war, die jemals für einen Oscar nominiert wurde. „Sie ist ein Geschenk des Himmels“, sagte Regisseurin Niko Caro – das kann man nur bestätigen – und sich davon innerhalb der nächsten vier Wochen in der ARTE Mediathek überzeugen.

Serien-Meisterwerk über Glaube, Politik und Liebe

Ebenfalls dort gibt es eine großartige Serie zu sehen: der achtteilige italienische Mystery-Thriller „Ein Wunder“. Die Serie erzählt von einer Marienstatue, die unaufhörlich Blut weint und bei einem Mafiaboss gefunden wurde. Und egal, wie die Beteiligten es mit Gesetz oder Religion halten, die Statue hat eine lebensverändernde Wirkung auf alle - vom Politiker über den ungläubigen Priester bis zur kühlen Wissenschaftlerin. Sehr spannend, sehr schwarzhumorig, sehr sehenswert.

Wunderbare Doku über legendäres Jazz-Label

Für all diejenigen, die – so wie ich – gerne auch mal Jazz hören, gibt’s eine tolle Doku über das legendäre Jazz-Label Blue Note Records, namens „Blue Note Records – Beyond the Notes“.



Sophie Hubers Dokumentarfilm beschwört den Geist des bahnbrechenden New Yorker Labels, das Jazzgeschichte geschrieben hat. Prägende Köpfe der Jazzgeschichte wie Herbie Hancock und Wayne Shorter erinnern an die großen Zeiten. Und heutige Pioniere wie Robert Glasper oder Hip-Hopper Terrace Martin kommen ebenfalls zu Wort. „Blue Note Records – Beyond the Notes“ ist noch bis Samstag (30.01.2021) zu sehen in der 3-sat Mediathek.

Mehr zu aktuellen Kinostarts, Streamingmöglichkeiten und Heimkino-Erscheinungen hören Sie wieder nächste Woche Donnerstag ab 18 Uhr in unserer "Cinemashow" oder zum Nachhören in unserer Mediathek

(F.Schmidt

 

   

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